
Das Nothilfe-Team ist eine speziell trainierte und ausgebildete Gruppe von UNHCR-Mitarbeitern, die innerhalb von 72 Stunden einsatzbereit sind.
Oft sind sie die ersten, die in Krisensituationen vor Ort eintreffen.
Dort arbeiten sie zumeist unter schwierigsten Bedingungen. Allein im letzten Jahr waren sie in 10 Ländern im Einsatz - verteilten Nahrungsmittel, Wasser und versorgten die Flüchtlinge mit Decken, Zelten und Medizin.
Wie wird man Nothelfer?
Was passiert im Krisenfall?
Geoff Wordly: Warum ich Mitglied des Nothilfe-Teams geworden bin
Wie wird man Nothelfer?
Jeder UNHCR-Mitarbeiter, der über Arbeitserfahrung und Sprachkenntnisse verfügt, kann sich um die Ausbildung zum Nothelfer bewerben. Die meisten der Bewerber waren bereits für UNHCR im Ausland im Einsatz.
Diejenigen, die ausgewählt werden, nehmen an mehreren intensiven Ausbildungs-Workshops über Notfall-Management teil, die alle Aspekte von UNHCR-Noteinsätzen abdecken.
Dazu zählen:
- Planung der Lagerplätze
- Verhandlungsführung mit örtlichen Behörden
- Erste Hilfe
- Fahren mit Geländewagen
- Umgang mit Stress
- Arbeiten im Team
- Leitung eines Koordinationstreffens
Die Teilnehmer werden in simulierten Situationen auf Notfäll vorbereitet und getestet, wie sie in Krisen reagieren. In Not- und Krisensituationen ist eine schnelle Orientierung und Reaktionsfähigkeit in unbekannter Umgebung gefordert. Entscheidend für die Mitarbeit istauch die Teamfähigkeit jedes Einzelnen. Denn in kritischen Situationen, muss sich jeder auf den anderen verlassen können.
Was passiert im Krisenfall?
Im Fall einer akuten Krise zählt jede Stunde, jede Minute. Daher läuft jeder Einsatz nach einem bestimmten Muster ab - eingeteilt in drei verschiedene Phasen:
Code Gelb:
UNHCR überprüft seinen Katastrophenplan oder sendet ein erstes Team in das jeweilige Land, um sich direkt vor Ort einen Überblick über den Zugang, die Sicherheitsprobleme und potentielle Lagerplätze zu verschaffen.
Code Orange:
Der Katastrophenplan wird bezüglich Logistik und Beurteilung der Sicherheitslage angepasst. Ein kompletter Einsatzplan wird erstellt und entsprechende Budgets bereitgestellt.
In den UNHCR-Lagern werden die Hilfsgüter zur Versendung vorbereitet und die Mitarbeiter des Nothilfe-Teams informiert.
Code Red:
Der Einsatzplan wird umgesetzt und die Mitarbeiter des Nothilfe-Teams an ihren Einsatzort gebracht.
Sonderfall: Naturkatastrophen
Aufgrund seiner großen Erfahrung mit Krisensituationen wurde UNHCR in jüngster Vergangenheit auch bei Naturkatastrophen um Hilfe gebeten - wie z. B. Ende 2004, als ein Tsunami große Teile Südostasiens zerstörte oder auch anlässlich des schrecklichen Erdbebens in Pakistan im Oktober 2005, bei dem mehrere zehntausend Menschen starben und rund drei Millionen obdachlos wurden.
Auch wenn diese Hilfe nicht zu den Kernaufgaben des UN-Flüchtlingshilfswerks gehört, benötigen diese Menschen doch ähnliche Hilfe wie diejenigen, die vor Krieg und Gewalt fliehen müssen.
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Geoff Wordly: Warum ich Mitglied des Nothilfe-Teams geworden bin
Ich arbeite seit 1995 für UNHCR.
Während dieser Zeit habe ich gelernt, wie viel jeder Einzelne bewirken kann - manchmal für Millionen von Menschen.
Anfang 2004 war ich im Tschad, als die ersten Flüchtlinge aus Darfur/Sudan über die Grenze strömten. Einige Monate später kehrte ich dorthin zurück und war überwältigt, was wir dort erreicht hatten. Wir hatten Lager für 200.000 Menschen eingerichtet, mit Sanitäranlagen, Nahrungsmittelverteilung, Frischwasserversorgung und Unterkünften. Dabei stand uns nur sehr wenig Geld zur Verfügung.
Ich habe bereits in Guinea, im Irak, in Ruanda und Pakistan gearbeitet und in anderen Krisenfällen von der Zentrale in Genf aus geholfen.
Diese Notsituationen sind äußerst stressig und sie fordern einen sowohl körperlich als auch mental. Doch es hilft, wenn man sich immer wieder bewusst macht, warum man dort ist. Dann kann man auch mit den schlimmsten Dingen umgehen.
Auch wenn die Flüchtlinge alles verloren haben, verlieren sie nie ihre Hoffnung und sind zutiefst entschlossen ihre Würde zu erhalten.
Ich erinnere mich an einen Einsatz im Ost-Tschad. Wir waren dabei, Flüchtlinge mit LKW in ein neu eröffnetes Lager zu bringen. Dann kam ein Sandsturm auf - wie ein dicker, heißer, brauner Nebel. So dick, dass man kaum noch atmen konnte. Als wir die Flüchtlinge in das neue Lager gebracht hatten, standen sie Schlange, um sich registrieren zu lassen und eine Grundausstattung mit Hilfsgütern zu erhalten. Unter ihnen fiel mir eine junge Frau auf. Sie war groß und der Sand schwirrte um sie herum. In ihrer Hand hielt sie eine Handtasche.
Sie hatte so viel Schreckliches erlebt - die Attacken auf ihr Dorf, die Flucht in den Tschad - und überlebt.
Diese Handtasche schien der letzte Rest von dem zu sein, was sie besaß und wer sie einmal war - das letzte Überbleibsel ihrer Würde. An sie werde ich mich immer erinnern.
Ich möchte etwas für Flüchtlinge tun und wirklich etwas bewegen. Ich hatte dabei das Privileg, mit ganz außergewöhnlichen Menschen zusammen arbeiten zu können. Menschen, die in entsetzlichen Situationen Ordnung ins Chaos bringen können.
Es ist eine Ehre für mich, diesen Job zu haben und etwas für Flüchtlinge tun zu können, die sich in solch schrecklichen Umständen befinden.
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Adut Dau Atem, eine junge Frau
aus dem Sudan. Sie überlebte Dank der Hilfe des Nothilfe-Teams von UNHCR.