Amina aus Somalia

Eine junge Mutter vor dem Beginn eines neuen Lebens

Flüchtlingsfrauen
Eine Gruppe Flüchtlingsfrauen kommt nach langer Wanderung im Flüchtlingslager Bur Amino an. (Foto: UNHCR/J.Ose)

Als Amina* ihr Zelt im Flüchtlingslager Bur Amino zum ersten Mal sah, wurde ihr klar, dass dies für lange Zeit ihr Zuhause werden könnte. "Ich musste mich erst einmal an die neue Umgebung und gewöhnen und akzeptieren, dass dies mein neues Leben ist, das Leben eines Flüchtlings," erzählte die 20jährige Mutter von zwei Kindern.

Sie packt die Töpfe aus, das einzige, was sie den ganzen Weg aus dem Süden Somalias mitgebracht hatte. "Ich muss für meine Kinder kochen und sie und meine Geschwister versorgen," erklärt sie. Am nächsten Tag bekommt sie Schlafmatten, Küchensets und Moskitonetze vom UNHCR und ihr erstes monatliches Paket mit Lebensmitteln. An diesem Abend kann die Familie zum ersten Mal eine warme Mahlzeit essen.

"Wir können froh sein, dass wir das letzte Jahr überlebt haben," sagt Amina und fügt hinzu: "Ich habe so viele Leute in meinem Dorf verhungern sehen."

Amina spricht von den Opfern der schlimmsten Dürre, die Somalia seit einem halben Jahrhundert heimgesucht hat. Im vergangenen Jahr starben unzählige Menschen und an die 300.000 Somalier flohen aus dem Land.

Die Situation wurde durch die Gewalt verschlimmert, die seit über zwei Dekaden in Somalia herrscht und die immer mehr Menschen zur Flucht zwingt.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) baut jede Woche 300 neue Zelte, Latrinen und Wasserstellen im Flüchtlingslager Bur Amino, um die Neuankömmlinge zu versorgen. Das Flüchtlingslager soll erweitert werden, damit mehr als 25.000 Menschen dort unterkommen können. Ein sechstes Lager soll in Dollo Ado gebaut werden. Dort leben bereits etwa 157.000 somalische Flüchtlinge. Viele der Neuankömmlinge sind so arm, dass sie laufen müssen. Sie kommen mit all ihrem Hab und Gut, darunter auch Esel und Vieh und sagen, dass Verwandte und Nachbarn folgen wollen.

Am Morgen sitzt Amina und ihre Familie verloren auf einer Holzbank im Städtchen Dollo Ado und wartet auf den Bus, der sie zum 20 Kilometer von der Grenze entfernten Bur Amino bringen soll. Amina trägt den fünf Monate alten Abdul auf dem Rücken und hält die Hand ihrer sechsjährigen Tochter Nhala*. Amina's Geschwister, der 12-Jährige Mohamed,* und die siebenjährige Sahla* sitzen neben ihr.

Amina sagt, dass sie nach Dollo Ado gekommen ist, weil ihr Leben einfach zu schwierig und gefährlich geworden war. Ihr Dorf geriet unter die Kontrolle der konservativer Milizen - einer Gegenpartei der Regierung, die Steuern erhob und Regeln aufstellt, die ein normales Leben und Handel fast unmöglich machten.

Amina erzählt, wie ihre Familie irgendwann nichts mehr zu Essen hatte, weil sie zu viel Angst hatte das Haus zu verlassen und zum Markt zu gehen. Ihr Kinder und Geschwister bekamen Durchfall, weil sie dreckiges Wasser aus dem nahen Wasserlauf tranken. Trotz der verzweifelten Situation verboten die Milizen den humanitären Organisationen Hilfe ins Dorf zu bringen.

Trotzdem war die Entscheidung, das Dorf zu verlassen, eine schwierige Entscheidung: dies war der Ort, an dem die junge Frau geboren wurde, wo sie mit 13 Jahren heiratete und eine eigene Familie gründete. Es war ihre einzige Welt. Aber der Wassermangel wurde zur Gefahr für Leib und Leben, besonders für die Kinder.

Die Jungen ab acht Jahren waren in zusätzlicher Gefahr zwangsrekrutiert zu werden. "Jungen werden verschleppt und als Soldaten ausgebildet," berichtet ein Flüchtling im Transitzentrum von Dollo Ado.

Mitte Juni brach Amina in einem Wagen Richtung Grenze auf. Mit dabei der 13-jährige Hassan, ein Verwandter aus einem anderen Dorf, dessen Eltern seine Zwangsrekrutierung fürchteten. Mit ihnen auch tausende andere Menschen, die Sicherheit, Unterschlupf und Hilfe im Osten Äthiopiens suchen.
Um die gefährliche Reise zu bezahlen verkaufte Amina einige wertvolle Ziegen. Sie hatte Angst, weil sie nicht wusste, was sie erwartete. "Die Menschen reisen in Gruppen", um sich vor Angriffen der Milizen schützen zu können, berichtet sie.

Amina war erleichtert, als sie auf der anderen Seite der Grenze UNHCR-Mitarbeiter traf. Sie blieb einige Tage im Transitzentrum, bekam zu Essen, Lebensmittelkarten und wurde medizinisch untersucht, bevor sie den Bus nach Bur Amino bestieg. UNHCR wird sich um Aminas kleine Familie kümmern, die als besonders bedürftig gilt. Für Amina wird das Leben nie mehr so sein wie vorher.

Moses Okello, UNHCR-Repräsentant in Äthiopien betont, dass eine Lösung nur gefunden wird, "wenn wir eine dauerhafte Beilegung des Konfliktes in Somalia erreichen."

* Namen aus Sicherheitsgründen geändert