Das Refugee Olympic Athletes Team

Flüchtlinge auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wird, neben den nationalen Teams aus vielen Ländern, erstmals ein olympisches Flüchtlingsteam antreten.

Das Internationalen Olympischen Komitees (IOK) gab jetzt die 10 Teilnehmer des ersten Refugee Olympic Athletes Team bekannt: Unter den Teilnehmern sind zwei Schwimmer aus Syrien, zwei Judokas aus der Demokratischen Republik Kongo und sechs Läufer aus Äthiopien, Somalia und dem Südsudan. Sie alle flohen vor Gewalt und Verfolgung in ihren Heimatländern und suchten Zuflucht in Belgien, Deutschland, Luxemburg, Kenia und Brasilien.

Zeichen der Hoffnung

UNHCR begrüßt diese besondere Initiative des IOK, die ein eine starkes Zeichen der Unterstützung und Hoffnung an alle Flüchtlinge weltweit sendet. Geraden einer Zeit, in der die Anzahl an Flüchtlingen und Asylsuchenden Ende 2014 bei einer Rekordzahl von 59,5 Millionen Menschen weltweit lag, ist eine solche Botschaft von besonderer Bedeutung.

„Wir sind vom olympischen Flüchtlingsteam sehr inspiriert“, so UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi.  „Die Athletinnen und Athleten mussten ihre sportliche Karriere aufgrund von Gewalt und Verfolgung unterbrechen und bekommen nun endlich die Chance, auf diesem Weg ihren Traum zu erfüllen. Ihre Teilnahme bei den Olympischen Spielen ist ein wertvoller Beitrag, um anderen Flüchtlingen Mut zu machen, sie in ihrer Ausdauer zu bestärken, schwierige Hürden zu überwinden und für sie und ihre Familien eine bessere Zukunft aufzubauen. UNHCR steht hinter ihnen und allen anderen Flüchtlingen.“

Rose Nathike Lokonyen, 23, Südsudan, 800 Meter

Rose Nathike Lokonyen, 23, Südsudan, 800 Meter

Bis vor einem Jahr wusste Rose Nathike Lokonyen noch nicht, welches Talent sie hatte. Sie war nie bei einem Lauf angetreten, seitdem sie mit 10 Jahren aus dem Südsudan geflohen war. Während einer Schulmeisterschaft schlug ihr ein Lehrer vor, beim 10-Kilometerlauf mitzumachen. “Ich hatte nicht trainiert. Es war das erste Mal, dass ich lief und ich wurde Zweite,” erzählt sie lächelnd. “Ich war sehr überrascht!”

“Ich werde mein Volk in Rio repräsentieren."

Rose bereitet sich jetzt in einem Trainingscamp in der Nähe von Nairobi auf den 800-Meterlauf bei den Olympischen Spielen vor.

“Ich werde sehr glücklich sein und ich werde hart arbeiten und mich beweisen,” sagt sie. Sie sieht den Sport nicht nur als einen Weg, um Geld zu verdienen, sondern als einen Weg, um andere zu motivieren. “Wenn ich erfolgreich bin, kann ich vielleicht zurückkommen und einen Friedenslauf organisieren, der die Menschen zusammen bringt.”

Rose hat jedoch noch Angst vor Verletzungen. “Das ist meine größte Herausforderung,” sagt sie. Bis vor kurzem hat sie nicht mit richtigen Laufschuhen trainiert und hatte keine professionelle Anleitung. Sie scheint noch immer überrascht, dass sie es in wenig mehr als einem Jahr, bis hierhin geschafft hat. “Ich kann Laufen als Sport machen oder, das sehe ich jetzt, auch als eine Karriere.”

Yonas Kinde, 36, Äthiopien, Marathon

Yonas Kinde, 36, Äthiopien, Marathon

Auf einem Hügel über der Stadt Luxemburg, dreht Yonas Kinde auf einem Sportplatz mit Bestimmtheit und voller Anmut seine Runden.

“Ich kriege immer mehr Energie, mehr und mehr Energie,” sagt der äthiopische Marathonläufer hinterher, ein breites Lächeln auf dem schmalen Gesicht. “Normalerweise trainiere ich jeden Tag, aber seitdem ich die Neuigkeit [über das Flüchtlingsteam bei Olympia] hörte, trainiere ich zweimal am Tag, jeden Tag, immer diese Olympischen Spiele als Ziel. Das ist eine große Motivation.”

Yonas, der seit fünf Jahren in Luxemburg lebt, hört eigentlich nie auf sich zu bewegen. Er nimmt regelmäßig Französischunterricht, fährt als Taxifahrer, um seinen Unterhalt zu verdienen, und trainiert gleichzeitig unermüdlich, um beim Laufen besser zu werden. In Deutschland lief er im Oktober einen Marathon in der beeindruckenden Zeit von 2 Stunden und 17 Minuten.

“In einem Flüchtlingslager kann man alles erreichen.”

Die Erinnerung an seine Flucht aus dem Heimatland sind für ihn schmerzhaft. “Es ist eine schwierige Situation,” sagt er über sein Leben in Äthiopien. “Es ist unmöglich für mich dort zu leben … Es ist lebensgefährlich für mich.”

Für Yonas ist die Möglichkeit in Rio de Janeiro mit den weltbesten Läufern zu laufen mehr als nur ein Wettbewerb. “Ich denke, das dies eine wichtige Botschaft ist, dass Flüchtlinge, junge Athleten ihr Bestes geben können,” erklärt er. “Sicherlich haben wir Probleme – wir sind Flüchtlinge – aber in einem Flüchtlingslager kann man alles erreichen.”

Yolande Mabika, 28, Demokratische Republik Kongo, Judo

Yolande Mabika, 28, Demokratische Republik Kongo, Judo

Als sie noch ein kleines Mädchen war, wurde Yolande Mabika während Kämpfen im Osten der Demokratischen Republik Kongo von ihren Eltern getrennt. Sie erinnert sich nur noch daran, dass sie allein war und von einem Hubschrauber mitgenommen wurde, der sie in die Hauptstadt Kinshasa brachte. Dort, in einem Heim für vertriebene Kinder, entdeckte sie Judo.

“Mit Judo habe ich zwar kein Geld verdient, aber es hat mich stark gemacht.”

Yolande nahm bald an wichtigen Wettbewerben teil. “Ich wurde von meiner Familie getrennt und weinte viel. Durch Judo habe ich ein besseres Leben,” erzählt sie. 2013 fuhr sie nach Rio, um an der Judo-Weltmeisterschaft teilzunehmen. Ihr Trainer nahm ihr den Pass weg und gab ihr nur noch wenig zu essen – wie er es bei jedem internationalem Wettbewerb tat. Yolande hatte genug von der Behandlung. Jahrelang war sie, wenn sie einen Wettbewerb verloren hatte, tagelang in einen Käfig eingesperrt worden. Sie floh aus dem Hotel und suchte Hilfe.

Jetzt lebt sie als Flüchtling in Brasilien, trainiert in der Judo-Schule von Flavio Canto, der für 'Brasilien die Bronzemedaille im Judo gewann. 2016 wird sie für das Refugee Olympic Athlete Team an den Start gehen.

“Ich werde Teil dieses Teams sein und ich werde eine Medaille gewinnen. Ich bin ehrgeizig und dies ist eine Möglichkeit die mein Leben verändern kann," sagt Yolande. “Ich hoffe, dass meine Geschichte ein Beispiel für jeden ist, und dass meine Familie mich vielleicht sieht und wir wieder zusammenkommen.”

Rami Anis, 25, Syrien, 100-Meter Schmetterling

Rami Anis, 25, Syrien, 100-Meter Schmetterling

Rami Anis begann mit sein Schwimmtraining mit 14 Jahren. Sein Onkel Majad, der bei Wettbewerben in Syrien schwamm, motivierte ihn dazu. “Schwimmen ist mein Leben,” sagt Rami.

“Das Schwimmbecken ist mein Zuhause.”

Als die Bombardements und die Entführungen in seiner Heimatstadt Aleppo immer häufiger wurden, bekam er von seiner Familie ein Flugticket nach Istanbul, wo ein älterer Bruder Türkisch studierte. “In meiner Tasche waren 2 Jacken, 2 T-Shirts, 2 Hosen – es war eine kleine Tasche,” erinnert sich Rami. “Ich dachte, ich würde ein paar Monate in der Türkei bleiben und dann in mein Land zurückkehren.”

Die Monate wurden zu Jahren und Rami trainierte bei einem bekannten Schwimmverein. Weil er jedoch keine türkische Staatsangehörigkeit hatte, konnte er nicht an Wettbewerben teilnehmen. “Das ist als wenn jemand studiert, studiert, studiert und kann keine Prüfung machen.”

Rami wollte sich beweisen. Er floh über das Meer, erreicht die griechische Insel Samos und schaffte es bis in das belgische Gent. Hier trainiert er neun Mal in der Woche mit der ehemaligen Olypiaschwimmerin Carine Verbauwen.

“Mit der Energie, die ich habe, kann ich die besten Ergebnisse erzielen,” sagt Rami. “Es wird ein tolles Gefühl sein, Teil von Olympia zu sein.”