Kate aus Uganda

Filmdreh bringt neues Selbstvertrauen

Kate im Park in Genf
Kate im Park in Genf (Foto:UNHCR/H.Caux)

Nachdem ihr Vater im Osten Ugandas getötet und ihre Mutter entführt worden war floh Kate Ofwono über die Grenze in den Nordwesten Kenias.

In Kakuma hat die junge Frau mit der amerikanischen Hilfsorganisation FilmAid International zusammengearbeitet und einen Film über ihr Leben im Flüchtlingslager Kakuma gedreht.

Das folgende Interview führte UNHCR-Mitarbeiterin Hélène Caux, als Kate mit FilmAid International den selbst gedrehten Film in Genf vorstellte.

Warum musstest Du Uganda verlassen?

Während der Wahlen 2006 [in Uganda die ersten Wahlen mit mehreren Parteien seit 20 Jahren] nahm ich am politischen Wahlkampf teil und fühlte mich bedroht. Als mein Vater dann getötet wurde und meine Mutter entführt, musste ich flüchten.

Mein Vater war in der ugandischen Armee . . . er fühlte, dass ihm misstraut wurde und man warf ihm vor mit den Rebellen der Lord's Resistance Army zusammenzuarbeiten – etwas, dass er immer abstritt. Aber er fühlte sich nicht bedroht. Bis zu dem Tag, als sie kamen und ihn bei uns zuhause in Tororo töteten.

Ich war in der Schule und mein Cousin erzählte mir später, dass die, die meinen Vater getötet und meine Mutter mitgenommen hatten, auch nach mir gefragt hätten. Darum konnte ich nicht zu Hause bleiben.

Was hast Du gemacht?

Für mich war das Einleuchtenste das Land zu verlassen. Da wir nah an der kenianischen Grenze wohnten, bat ich meinen Cousin mich an die Grenze zu fahren. Dann ging ich hinüber und folgte den Eisenbahnschienen, weil ich die Grenzformalitäten vermeiden wollte. In der Stadt Malaba stand ich vor einem Laden und weinte. Jemand fragte, was los sei und als ich ihm alles erzählte, schickte er mich zum UNHCR-Büro in Nairobi, weil man mir dort helfen könne.

In der ersten Nacht in Nairobi wusste ich nicht, wo ich schlafen sollte. Darum legte ich mich auf der Straße hin. Ein Mann kam und schlug mich mit seinem Gürtel. Dann ließ er mich liegen. Es war gefährlich, in Nairobi draußen zu schlafen, aber ich hatte keine Wahl. Am nächsten Morgen fragte ich einen Mann nach dem Weg zum UNHCR und er brachte mich mit dem Bus bis vor die Tore des UNHCR-Gebäudes in Westland.

Die Mitarbeiter fragten mich, ob ich in Nairobi bleiben oder in ein Flüchtlingslager gehen wollte. Ich bat sie, dass zu entscheiden und sie gaben mir einen Transportausweis, mit dem ich nach Kakuma kam.

Wie war es, als Du in Kakuma ankamst?

Als ich ankam, dachte ich: "Dies wird mein Ende sein." Das Klima war schlimm. Ich war nicht an die Hitze gewöhnt. Und das Essen war nicht das, was ich von zu Hause kannte. Aber ich konnte mich nicht beklagen, weil alle das Gleiche bekamen.

Ich hatte großes Glück und fand Freunde bei FilmAid und ich traf andere Flüchtlinge, die ebenfalls aus Uganda kamen. Ich erzählte von meinen Problemen und dass ich einen Ort zum Wohnen brauchte. Eine Familie aus Uganda bekam einen Resettlementplatz und konnte in ein Drittland ausreisen. Als sie Kakuma verließen, konnte ich in ihre Hütte einziehen. Ich war froh, dass ich ein Zuhause in der ugandischen Nachbarschaft bekam.

Was machst Du bei FilmAid?

Ich wurde ausgesucht beim Participatory Video Project [PVP] mitzumachen. Wir lernten, wie man eine Kamera bedient, schauspielert, Drehbücher schreibt und Regie führt. Es hat mich alles sehr interessiert und ich habe mein Bestes gegeben. Ich war die Beste meiner Klasse.

Ich mag das Programm, weil ich so anderen Flüchtlingen helfen kann. Ich wurde ausgebildet und kann nun anderen etwas beibringen. Dadurch gewinnt man Selbstbewusstsein. Ich bin sehr stolz, weil nicht viele Mädchen so etwas tun können. Es ist auch eine schöne Art etwas zurückzugeben.

Wie ist das Leben im Flüchtlingslager? Fühlst Du Dich dort sicher?

Auf jeden Fall. Aber es gibt andere Probleme. Einige einheimische Leute finden, dass die Flüchtlinge eine Sonderbehandlung bekommen und dass sie Geld haben. In meiner Nachbarschaft gibt es auch Leute, die Bier brauen und wenn diese Leute, meist Männer, betrunken sind, versuchen sie sich die Mädchen zu schnappen oder sie pfeifen hinter ihnen her.

Was denkst Du über die Zukunft?

Ich will so viele Dinge machen. Ich möchte noch einmal in die Schule gehen. Ich würde gern mehr Musik machen. Das ist mir sehr wichtig. Und ich möchte eine Familie haben, ein gutes Leben, so viele Dinge!