Katia ist 76. Sie schläft auf einer alten Badewanne im Keller ihres Apartmentblocks in Donezk. In der Badewanne sind Katias Sachen verstaut, darüber liegt eine Holzplatte mit einer dünnen Matratze. Das sei nicht gerade bequem, sagt Katia,  aber allemal besser als auf der Straße zu schlafen.

50 Jahre lang hat Katia in einer Asphaltfabrik gearbeitet, sie per Hand Asphalt geschaufelt und verteilt. Stolz zeigt sie uns die Einmachgläser mit Gemüse, Gurken und Kirschen, die auf dem Kellerregal stehen.

Sie besteht darauf, dass ich ein Glas mit Gurken nehme. Als ich protestiere und sage, sie bräuchte sie dringender als ich, wehrt sie ab: "Nein, nein. Und nimm´ auch noch ein Glas mit Tomaten."  Als wir die Kellertreppe nach oben steigen, kommt Katia hinter uns her, in der Hand ein großes Glas mit Himbeeren. “Du brauchst auch noch etwas Süßes,” sagt sie zum Abschied.

Das ist nicht nur Würde, denke ich, das ist Großzügigkeit unter großem Druck.