Auf Hilfe angewiesen:

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland

Eine Gruppe von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
Eine Gruppe von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Bochum

1992 trat in Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft. Die Konvention besagt, dass das Kindeswohl bei allen staatlichen Handlungen im Vordergrund stehen muss. Zunächst galt sie jedoch nur eingeschränkt - ausländer- und asylrechtliche Fälle waren nicht erfasst. Im Juli 2010 wurden diese Vorbehalte durch die Regierung zurückgenommen. Jetzt steht auch unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein ganzer Katalog von Rechten zu. Faktisch hängt das Schicksal der Kinder aber oft noch von willkürlichen Behördenentscheidungen ab.

Erste Schritte in einem fremden Land

Viele Kinder, die nicht an Grenzkontrollen scheitern, werden von Schlepperbanden irgendwo in Deutschland ausgesetzt. Im besten Fall zeigt man ihnen noch den Weg zur Erstaufnahmeeinrichtung, dann sind sie ganz allein in einem fremden Land. Sie sprechen die Sprache nicht und haben weder Geld noch etwas zum Essen.

Wie sich das Schicksal der Kinder von nun an entwickelt, hängt davon ab, wo sie angekommen sind. Nach der UN-Konvention müssten unbegleitete Minderjährige nach ihrem ersten Behördenkontakt in Deutschland direkt an das Jugendamt verwiesen werden. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Etwa die Hälfte der Bundesländer hat sogenannte Clearinghäuser eingerichtet. Hier erhalten Kinder die nötige Grundversorgung, und es wird unter anderem ermittelt, warum sie geflohen sind und ob es Verwandte gibt.

Zahlreiche Missstände

Seitdem Deutschland die Vorbehalte gegen die UN-Kinderrechtskonvention zurückgenommen hat, sind mehr Minderjährige kindgerecht in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Zu viele müssen aber noch immer in Flüchtlingsheimen am Rande der Gesellschaft ausharren.

Die Umsetzung von Kinderrechten verläuft in vielen Regionen mangelhaft. Deutsche Gesetze wurden den UN-Standards noch nicht angepasst. Von einer Gleichstellung mit deutschen Kindern wie die Kinderrechtskonvention sie verlangt, kann nicht die Rede sein.

Oft fehlen auch klare Anweisungen an die Behörden, und nur wenige Mitarbeiter sind für den Umgang mit Flüchtlingskindern ausgebildet. Die Beamten glauben gerade Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren häufig nicht, dass sie ihr richtiges Alter angegeben haben. Dann werden sie als volljährig eingestuft und unterliegen nicht mehr dem Abschiebeschutz, der nur für Minderjährige gilt. Es gibt auch kein absolutes Verbot der Inhaftierung von Flüchtlingskindern, sodass manche von ihnen sogar in Abschiebegefängnissen landen.

Immer neue psychische Belastungen

Nach den Asylgesetzen sind Kinder mit 16 Jahren verfahrensfähig. Völlig verunsichert müssen sie oft in stundenlangen behördlichen Anhörungen ihre traumatischen Erlebnisse schildern. Übermitteln sie ihre Geschichte nicht glaubwürdig genug, kann sich das entscheidend auf ihre weiteren Möglichkeiten in Deutschland auswirken. Das ist besonders für Kinder tragisch, die bereits von schrecklichen Erlebnissen mit der Polizei und den Behörden in ihrer Heimat geprägt sind. Solche Erfahrungen allein durchzustehen, ist einem jungen Menschen kaum möglich.

Chancen

Wenn die Kinder Glück haben, gibt es in ihrer Nähe eine Einrichtung, die soziale, psychologische und rechtliche Beratung in effektiver Teamarbeit anbietet. Hier werden die Kinder in allen Lebenslagen untersützt und zum Lernen motiviert. Sie werden kindgerecht behandelt und haben eine echte Chance auf ein neues Leben in Deutschland.

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt verschiedene Projekte in Deutschland, die sich auf die psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen spezialisiert haben. Therapien sind besonders bei Kindern dringend nötig, damit ein Neuanfang gelingen kann.