Nothelfer Jemen

"Die Armut ist allgegenwärtig"

Christian Langehenke bei seiner Arbeit für UNHCR im Jemen.

Im Jemen sind Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seit einem halben Jahr arbeitet dort Christian Langehenke als Progamme Officer für UNHCR. Während seines Heimaturlaubes im Sommer hat er sich Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu seiner Arbeit zu beantworten.

Was sind Ihre Aufgaben im Jemen, Herr Langehenke?
Ich bin für die Planung und Durchführung von Programmen des UNHCR verantwortlich. Wir koordinieren die Verteilung von Hilfsgütern und sorgen für die Unterbringung und den Schutz der Binnenvertriebenen.

Schwierig hierbei ist, dass der Bedarf viel größer ist, als wir mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln stemmen können. Wir müssen also herausfinden, wer ganz besonders auf unsere Hilfe angewiesen ist, damit diese Menschen zuerst versorgt werden können. Bei Feldbesuchen bin ich außerdem dafür zuständig, Hilfsprojekte zu überwachen und innovative Maßnahmen, wie Bargeldhilfen, umzusetzen.

Wie gefährlich ist die Arbeit?
Im Land herrscht Krieg, ungefährlich ist es also nicht. Aber wir erwarten, dass alle Parteien sich an geltendes humanitäres Völkerrecht halten. Bei Einsätzen im Feld arbeiten wir eng mit lokalen Behörden zusammen, um ungehindert in die betroffenen Gebiete gelangen zu können. Wenn es Probleme bei der Ausstellung der hierfür nötigen Genehmigungen gibt, versuchen wir beständig humanitären Zugang zu ermöglichen. Nur so ist sicherzustellen, dass Menschen in Not so schnell wie möglich Unterstützung erhalten.

Ihre Arbeit ist bestimmt oft belastend, wie gehen Sie damit um?
Gerade im Jemen ist die Armut der Bevölkerung allgegenwärtig. Überall sieht man Menschen, die Not leiden. Krankheiten wie Cholera erschweren die Lage zusätzlich. Diese Eindrücke gehen einem schon nahe. Ich versuche aber, mich dadurch nicht in meiner Arbeit behindern zu lassen und professionell an die Sache heranzugehen, um so vielen Menschen wie möglich helfen zu können.

Was motiviert Sie weiterzumachen?
Trotz vieler Hindernisse und Anstrengungen ist es eine befriedigende Arbeit, denn man sieht, dass das eigene Tun als Teil des Teams das Leid der Menschen zumindest ein stückweit lindern kann. Die UN sind eine der letzten internationalen Organisationen, deren Mitarbeiter noch im Jemen vor Ort sind. Diese Präsenz, auch als Beobachter, ist ein wichtiges Signal.