Nothelferin in Bangladesch

"Ich bin dazu bestimmt, mit Flüchtlingen zu arbeiten"

Robina im Warenlager in Bangladesch. Foto: UNHCR

Fast 11.000 Menschen arbeiten für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). Eine von ihnen ist Robina Kolok aus dem Südsudan. Sie arbeitet seit sieben Jahren für UNHCR in Kenia, Äthiopien und dem Südsudan. Momentan hilft Robina in Bangladesch im Logistikbereich.

Warum bist Du Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation geworden?
Ich denke, ich war dazu bestimmt, mit Flüchtlingen zu arbeiten. Ich kam selbst als Flüchtling nach Kenia. Den Südsudan habe ich verlassen, als ich noch sehr klein war. Ich habe selbst von UNHCR profitiert – UNHCR hat meine Grundschulbildung finanziert. Ich habe also schon früh UNHCR gekannt.

Dazu kam, dass meine Mutter später für das Welternährungsprogramm im Südsudan gearbeitet hat. Wenn ich sie bei der Arbeit besucht habe, war sie immer sehr beschäftigt, zum Beispiel bei der Verteilung von Lebensmitteln. Ich habe gesehen, wie die Leute etwas zu Essen bekamen und wie dankbar sie waren und so wollte ich machen, was sie machte. Ich habe gesehen, wie viel Befriedigung sie aus dieser Arbeit bekam. Und das hat mich motiviert in ihre Fußstopfen zu treten.

Ist Dein Job eine Herausforderungen ?
Innerhalb von drei Monaten sind über 600.000 Rohingya-Flüchtlinge vor der Gewalt in Myanmar in Sicherheit nach Bangladesch geflohen. Mich hat es schockiert, wie schnell diese Notsituation angewachsen ist. Es wird immer größer und unsere Ressourcen kommen nicht nach. Wir tun was wir können, und trotzdem fühlt es sich an, wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Für die Logistik heißt das, das wir im Lager viel mehr Arbeit haben, weil wir viele verschiedene Hilfsgüter zusammenpacken müssen, wie Wasserkanister, Plastikplanen, Moskitonetze, Kochtöpfe und Solarlampen. Aber bei der Verteilung ist das so viel einfacher. In den Flüchtlingslagern müssen die Flüchtlinge lange Strecken zu Fuß gehen, um die Hilfsgüter zu erhalten. Sie bekommen die Sachen dann fertig in einem Paket und das ist für sie einfacher zu tragen.

Für meinen Job muss man stark sein und autoritär sein. Man ist immer mit Leuten zusammen, vor allem Männer mit unterschiedlichem Hintergrund – von Arbeitern, Trägern und LKW-Fahrern bis zu Managern. Man muss alle diese Fähigkeiten haben – ich denke, Frauen können das.

Welches war der schönste Tag bei Arbeit ?
Ich hatte gerade bei den Vereinten Nationen angefangen und wir waren mit der Rückkehr von Flüchtlingen von Uganda in den Südsudan beschäftigt. Ich sah, wie die Rückkehrer das Gefühl hatten, nach Hause zurückzukehren. Sie hatten alle ihre Sachen mitgebracht und sie waren so froh zurück in ihrem eigenen Land zu sein.

Wir haben nicht viel für sie getan – wir haben Werkzeug und Saatgut verteilt – aber ich habe in ihren Gesichtern die Hoffnung auf eine neue und bessere Zukunft gesehen. Das war der beste Tag meines Lebens. Vor allem, weil ich zu ihnen gehörte und das Gefühl hatte, das die Dinge sich zum Besseren wendeten.

Welches war der schlimmste Tag ?
Ach, das hängt eigentlich mit dem besten Tag zusammen. Das war, als ich sah, wie alle Hoffnung Ende 2013 langsam zerfiel, als die Kämpfe im Südsudan wieder aufflammten. Ich fuhr die Straße entlang und sah all diese Familien, die mit Matratzen auf den Köpfen, Eimern und all ihren Habseligkeiten die Straße entlang kamen – sie verließen den Südsudan und versuchten über die Grenze nach Uganda zu kommen. Sie waren vor nur wenigen Jahren zurückgekommen und nun mussten sie erneut ihre Heimat verlassen. Das war für mich sehr schmerzhaft.