Spendenaktion über Twitter

Interview mit Paralympics-Teilnehmerin Manuela Schmermund

Die Sportschützin Manuela Schmermund engagiert sich nach ihrem Erfolg in Rio für Flüchtlinge.

Die Sportschützin Manuela Schmermund, die es bei den Paralympics in Rio auf den 4ten Platz schaffte, sorgte für viel Trubel auf Twitter:

Was mit einer einfachen Versteigerung ihres Sport-Shirts anfing, endete in einer großen Spendenaktion.

Wir haben ein kurzes Interview mit ihr über Ihr Engagement geführt:

Wie war Rio?

Es war schon im Vorfeld irgendwie schwierig, ob der ganzen sportpolitischen und finanziellen Lage und für mich persönlich empfand ich diese Spiele irgendwie ambivalent. Für uns Athleten war vor Ort einiges nicht so schlimm, wie befürchtet. Gewisse Abstriche müssen wir immer machen und in Anbetracht der vorherigen Bedenken, lief alles soweit praktikabel und die Brasilianer haben sich, mit ihren Maßstäben, viel Mühe gegeben. Für unsereins, als Europäer, hätten einige Dinge nicht unbedingt just-in-time sein müssen.

Mich hat die extreme Spanne zwischen arm und reich, der ich tagtäglich auf dem Weg zur Sportanlage begegnet bin, schon sehr nachdenklich gemacht. Ich glaube, man sollte dieses gesamte System der Vergabe und des Strebens nach immer mehr Einnahmen, egal was es kostet, intensiv überdenken und zu den Kernbotschaften der olympischen Spiele zurückkehren.

Wie kam es zu der ungewöhnlichen Spendenaktion?

Angefangen hat alles damit, dass ich eines meiner Sport-Shirts zugunsten eines guten Zwecks versteigern wollte. Die Organisation der Versteigerung wurde dann von einem Twitter-Account namens @InfernoSchermi, meinem eigenen kleinen Fanclub, über den ich selbst leider nicht viel weiß, übernommen.

Aber es kamen immer mehr Anfragen von Leuten, die gerne etwas dazu beitragen wollten und so steigerte sich das, bis am Ende ganze 3.250€ Spenden gesammelt wurden.

Spendenaktion über Twitter

Welche Tweets haben Ihnen besonders gefallen?

Besonders witzig fand ich, dass die Leute so kreativ wurden: Einige haben 10 Euro gespendet für jedes Tor, das Ihre Fussballmanschaft an diesem Bundesliga Spieltag geschossen hat. Andere spendeten das Gründungsjahr ihres Lieblingsvereins als Betrag, also z. B. 18,87 Euro, weil der Hamburger SV im Jahr 1887 gegründet wurde.

Dann kam die Berlin Wahl dazu und jemand spendete 10 Cent für jeden Prozentpunkt, den die AfD bei den Wahlen in Berlin nicht bekommt. Das fand ich eine super Aktion!

Warum engagieren Sie sich für Flüchtlinge?

Ich habe als Kind unter anderem für zwei Jahre in Nigeria gelebt, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Dort und auf meinen vielen Reisen habe ich die Situation der Menschen vor Ort miterlebt und gesehen, wie schlecht es diesen geht. Da muss man etwas gegen tun.

Wie geht es für Sie nun weiter, sportlich und im sozialen Engagement?

Nun ja, ich hatte eine schwierige Zeit vor den Spielen, war lange verletzt und hatte in rund zwei Jahren gerade einmal einen einzigen internationalen Wettkampf, um mich überhaupt wieder an solche Wettkampfsituationen zu gewöhnen. Dies ist natürlich zu wenig, dennoch hat es für einen 4. Platz gereicht. 4. der Welt, mit diesen Voraussetzungen, sind für mich positiv zu bewerten. Eine gute Grundlage weitere sportliche Herausforderungen Richtung Tokio 2020 anzunehmen.

Mein soziales Engagement, welches ich bereits seit Jahren in unterschiedlicher Weise ausübe, wird auch zukünftig fester Bestandteil meines Lebens bleiben. Vielleicht kommen ja auch noch weitere Aktionen, gemeinsam mit der UNO-Flüchtlingshilfe hinzu?

Das wäre schön. Vielen Dank für das Gespräch.