Burundi Frauen

Flüchtlinge und Vertriebene in Burundi

Teilen

Vergessene Not in Burundi

Seit vielen Jahrzehnten kommte es in Burundi zu ethnischen Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutsi. Das Friedensabkommen von Arusha im Jahr 2000, bei denen u.a. eine Rotation zwischen Hutu und Tutsi im Amt des Staatsoberhaupts und die Verteilung der Sitze im Parlament festgeschrieben wurden, sollte die Spannungen beenden. Doch das Land ist seitdem nicht zur Ruhe gekommen. Immer wieder kommt es zu  Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern der Regierungs- und Oppositionsparteien.

Die politisch instabile Lage im Land hat negative Auswirkungen auf die sozio-ökonomische Situation. Burundi gilt als eines der ärmsten Länder weltweit. UN-Organisationen berichten zudem von Menschenrechtsverletzungen und Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Die Bevölkerung Burundis ist mit einer humanitären Krise konfrontiert, die durch wirtschaftlichen Zusammenbruch, extreme Nahrungsmittelknappheit und den Ausbruch von Krankheiten gekennzeichnet ist.

2015 stieg die Zahl der Menschen, die aus Burundi flohen, wieder stark an. Die meisten Flüchtlinge sind in die vier Nachbarländer Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Tansania und Uganda geflohen. Die Zahl der dort lebenden Flüchtlinge wird mit 322.651 angegeben:

Flüchtlinge aus Burundi (Stand September 2020)

  • Tansania        155.667
  • DRKongo         48.051
  • Ruanda            70.094
  • Uganda            48.839


Freiwillige Rückkehr

Zwischen 2017 und 2019 kehrten fast 80.000 Flüchtlinge freiwillig in ihr Heimatland zurück - die Mehrheit aus Tansania. Seit den Präsidentschaftswahlen im Mai 2020 unterstützt der UNHCR die freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen nach Burundi. Bis Ende 2021 werden voraussichtlich weitere 50.000 Flüchtlinge nach Burundi zurückkehren.
 

323
Tausend

Flüchtlinge aus Burundi in den Nachbarländern

33
Tausend

Binnenvertriebende

48
Prozent

der burundischen Flüchtlinge leben in Tansania

Nachbarländer stark belastet

Die Nachbarländer verfolgen unterschiedliche Aufnahmeregeln für Flüchtlinge aus Burundi. Während in Tansania einige Grenzübergänge und Aufnahmestellen für burundische Asylsuchende geschlossen wurden, erhalten in Ruanda alle asylsuchenden Menschen grundsätzlich den Flüchtlingsstatus.

Die Arbeit von Hilfsorganisationen zur Unterstützung von Flüchtlingen in den Nachbarländern, insbesondere in der DR Kongo, wird durch Konflikte und gewaltsamen Auseinandersetzungen erschwert.

Gefahren für Frauen und Kinder

Mehr als der Hälfte der burundischen Flüchtlingsbevölkerung ist minderjährig. Der Schutz von unbegleiteten Kindern bleibt eine Schlüsselpriorität des UNHCR. Zu den Hauptrisiken für Kinder und Jugendliche gehören neben Gewalt und Ausbeutung, die Trennung von Familien, Zwangsrekrutierung als Kindersoldaten, der fehlende Zugang zu Bildung sowie sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt.

Insbesondere der Zugang zu Bildung ist für geflüchtete Kinder und Jugendliche wichtig. 87 Prozent der Kinder besuchten eine Grundschule. Eine besondere Herausforderung sind die stark überfüllten Klassenräume, in denen sich bis zu 100 Kinder drängen. Die wenigsten (27 %) schaffen es, eine höhere Schulbildung zu erhalten.

Flüchtlingsfrauen und -mädchen sind aufgrund der überfüllen Unterkünften einem erhöhten Risiko sexueller Übergriffe und Gewalt ausgesetzt. Ein großes Problem bei der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt ist, dass  sexuelle Übergriffe nicht gemeldet werden, und somit Täter nicht identifiziert und verfolgt werden und Opfern nicht geholfen werden kann.

"Vor dem Basketballprojekt habe ich nie mit den Einheimischen interagiert. Ich dachte, sie seien Menschen, mit denen ich Nichts anfangen könnte. Dank des Basketballs ist mir klar geworden, dass sie gute Menschen sind, mit denen ich befreundet sein kann."

Odille floh aus Burundi in die DR Kongo. Dort lebt sie im Flüchtlingslager Lusenda und ist Kapitänin einer Basketballmannschaft, die auch gegen einheimische Mädchen spielt.

Burundi als Aufnahmeland

Gleichzeitig ist Burundi auch Aufnahmeland von Flüchtlingen. Im Land gibt es fünf Flüchtlingslager sowie acht Transitzentren für Flüchtlinge. Die meisten der rund 80.000 Flüchtlinge in Burundi stammen aus der Demokratischen Republik Kongo.

Trotz der schwierigen politischen Umstände bleibt die burundische Regierung gegenüber Flüchtlingen und Asylsuchenden weiterhin freundlich und offen. Neuankömmlinge werden aufgenommen und ihnen wird der Zugang zu sozialen Grunddiensten wie medizinischer Versorgung und Bildung gewährt.

Herausforderung COVID-19

Die hygienischen Bedingungen in Flüchtlingslagern sind in den meisten Fällen schwierig und eine ausreichende medizinische Versorgung der Flüchtlinge bei einer schnellen Ausbreitung der Krankheit kaum möglich.

Der UNHCR hat mit der Verbesserung der medizinischen Kapazitäten und der Verteilung von notwendigem Material begonnen. Gesundheitsstation wurden mit Quarantänezentren und Isolierstationen erweitert. Gleichzeitig wird Personal ausgebildet und Informationskampagnen für die Bevölkerung durchgeführt, um die notwendigen Hygieneregeln - Händewaschen, Abstand halten - einzuhalten.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!

Jetzt spenden

Unterfinazierung der Hilfsmaßnahmen

Der Gesamtbedarf des UNHCR für Hilfen in Burundi im Jahr 2020 beträgt 189,9 Millionen US-Dollar. Es fehlen (Stand September 2020) 122,3 Millionen US-Dollar für die Finanzierung der Hilfsmaßnahmen. Somit sind nur 36% des Bedarfs gedeckt.

Aufgrund der fehlenden Finanzierung ist der UNHCR gezwungen, Programme und Aktivitäten für burundische Flüchtlinge innerhalb Burundis und in den Nachbarländern zu kürzen. Dies betrifft Projekte im Bereich der Rückkehr, der Versorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen, der Bildung sowie Bargeldhilfen.

Dies führte beispielsweise dazu, dass der geplante Bau von 20 Klassenzimmer in Ruanda verschoben werden musste und Flüchtlingskinder weiterhin in überfüllten Klassenzimmern lernen. Insbesondere mit Blick auf die Corona Pandemie stellt dies ein Risiko dar.

Sollte die Finanzierung weiterhin so niedrig bleiben, müssen weitere Projekte eingestellt werde. So könnten zum Beispiel in drei Flüchtlingslagern, die in einer Region in Tansania mit den höchsten Malariaerkrankungen liegen, keine Moskitonetze mehr verteilt werden. Ohne diese Netze sind die Flüchtlinge einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Auch die Verteilung von Standard-Sets, die unter anderem Hygieneartikeln für geflüchtete Frauen und Mädchen enthalten, wäre eingeschränkt. Die mangelnde Finanzierung wirkt sich negativ auf das Überleben und die Lebensqualität der Flüchtlinge aus.

Die burundischen Flüchtlinge werden vergessen. Die Welt muss diesen Flüchtlingen und den Ländern, die sie aufnehmen, dringend helfen.

Catherine Wiesner, Regionale Flüchtlingskoordinatorin und Verfechterin des Comprehensive Refugee Response Framework für die Situation in Burundi

Wie hilft der UNHCR?

Der UNHCR

  • unterstützt Flüchtlinge aus Burundi in den Aufnahmeländern und bei der Rückkehr.
  • stellt sicher, dass burundische Flüchtlinge und Rückkehrer Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen mit schrittweiser Einbeziehung in das nationale Gesundheits- und Bildungswesen, den sozialen Schutz und andere Dienste haben.
  • fördert die friedliche Koexistenz und den sozialen Zusammenhalt zwischen Aufnahmegemeinschaften und Flüchtlingen.
  • unterstützt die langfristige Wiedereingliederung von Rückkehrern.
  • informiert Rückkehrer über die Situation in ihren Heimatregionen.

Was macht die UNO-Flüchtlingshilfe?

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt die Hilfsmaßnahmen für Burundi und die Nachbarländer im Jahr 2020 mit einer Millionen Euro. Unterstützt werden rund 121.000 potentielle Rückkehrer und 175.000 weitere burundische Flüchtlinge in den Nachbarländern.

Die Maßnahmen umfassen:

  • Stärkung von Schutzmaßnahmen (Sicherheit, Schutz von Kindern, Schutz vor sexueller Gewalt).
  • Zugang für burundische Flüchtlinge, Rückkehrer und sonstige Betroffene zum Gesundheits- und Bildungssystem sowie weiteren zentralen Dienstleistungen.
  • Sicherung des friedlichen Zusammenlebens zwischen den Geflüchteten, Rückkehren und den Menschen in der Aufnahmeregion.
  • Einkommensschaffende Maßnahmen.

Um den Flüchtlingen weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung!

Burundi

So können Sie helfen

Sie möchten Menschen auf der Flucht zur Seite stehen?
Dann unterstützen Sie unsere lebensrettende Hilfe noch heute mit Ihrer Online-Spende. Jeder Beitrag hilft!

  jetzt spenden
Drei Frauen Wassertragen Burundi  RF2259770_IMG_2470_fin.JPG