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Unbegleitete Minderjährige in Deutschland

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Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - auf Hilfe angewiesen

1992 trat in Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft. Die Konvention besagt, dass das Kindeswohl bei allen staatlichen Handlungen im Vordergrund stehen muss. Zunächst galt sie jedoch nur eingeschränkt - ausländer- und asylrechtliche Fälle waren nicht erfasst. Im Juli 2010 wurden diese Vorbehalte durch die Regierung zurückgenommen. Jetzt steht auch unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein ganzer Katalog von Rechten zu. Faktisch hängt das Schicksal der Kinder aber oft noch von willkürlichen Behördenentscheidungen ab.

Erste Schritte in einem fremden Land

Viele Kinder, die nicht an Grenzkontrollen scheitern, werden von Schlepperbanden irgendwo in Deutschland ausgesetzt. Im besten Fall zeigt man ihnen noch den Weg zur Erstaufnahmeeinrichtung, dann sind sie ganz allein in einem fremden Land. Sie sprechen die Sprache nicht und haben weder Geld noch etwas zum Essen. Wie sich das Schicksal der Kinder von nun an entwickelt, hängt davon ab, wo sie angekommen sind.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die ohne ihre Eltern nach Deutschland einreisen, gelten als unbegleitet. Sie genießen während ihres Asylverfahrens in Deutschland eine besondere Betreuung. Die Versorgung läuft relativ Unabhängig vom Aufenthaltsstatus und die Betroffenen durchlaufen ein abgewandeltes Asylverfahren. 2019 waren 47,3 % der einen Asylantrag stellenden Personen minderjährig. Ende 2019 lebten insgesamt 29.900 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und junge, volljährige Flüchtlinge in Deutschland. Nur 9,5 Prozent von ihnen waren Mädchen und junge Frauen.

Nach der UN-Konvention müssten unbegleitete Minderjährige nach ihrem ersten Behördenkontakt in Deutschland direkt an das Jugendamt verwiesen werden. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Etwa die Hälfte der Bundesländer hat sogenannte Clearinghäuser eingerichtet, in denen die Kinder versorgt werden und unter anderem ermittelt wird, warum sie geflohen sind und ob es Verwandte gibt.
 

Das Verfahren bei der Ankunft minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge sieht wie folgt aus:

Erste Inobhutnahme und Erstscreening

Verteilung und weitere Inobhutnahme

Bestellung eines Vormundes

Aufenthaltsstatus

Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Kinder

Neben dem Jugendamt können sich auch Privatpersonen um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern und die Aufgaben eines Vormunds übernehmen. Ein Vormund ist der rechtliche Vertreter eines Minderjährigen bis zum 18. Geburtstag. Er übernimmt die elterliche Sorge, wobei der Jugendliche meist weiterhin in einer vom Jugendamt zugewiesenen Einrichtung wohnt.

Ein Vormund hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht, das Erziehungsrecht und die Sorge für die Sicherstellung der Gesundheit. Der Vormund

  • hilft bei gesundheitlichen Problemen und vereinbart beispiels­weise Arzt­termine,
  • steht als Ansprech­partner für Schule oder Ausbildungs­betrieb zur Verfügung,
  • kümmert sich um den recht­lichen Aufenthalts­status, beispiels­weise das Asyl­verfahren.


Jugend­ämter oder Vereine, die auf unbe­gleitete Flücht­linge spezialisiert sind, schulen und qualifizieren Vormünder. Flücht­lings­initiativen vermitteln Rechts­beratung. UNHCR und der Informationsverbund Asyl und Migration haben eine Handreichung für Personen erstellt, die eine Vormundschaft übernommen haben oder übernehmen wollen. Dort wird Grundwissen zu einer Vielzahl von asyl- sowie zu aufenthaltsrechtlichen Fragen bereitgestellt, um den Einstieg in die komplexe aufenthalts- sowie asylrechtliche Materie zu vereinfachen. Weitere Informationen sowie einen Download-Link finden Sie hier.

Weitere Informationen finden Sie auch beim Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Zahlreiche Missstände

Seitdem Deutschland die Vorbehalte gegen die UN-Kinderrechtskonvention zurückgenommen hat, sind mehr Minderjährige kindgerecht in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Zu viele müssen aber noch immer in Flüchtlingsheimen am Rande der Gesellschaft ausharren.

Die Umsetzung von Kinderrechten verläuft in vielen Regionen mangelhaft. Deutsche Gesetze wurden den UN-Standards noch nicht angepasst. Von einer Gleichstellung mit deutschen Kindern wie die Kinderrechtskonvention sie verlangt, kann nicht die Rede sein.

Oft fehlen auch klare Anweisungen an die Behörden, und nur wenige Mitarbeiter*innen sind für den Umgang mit Flüchtlingskindern ausgebildet. Die Beamt*innen glauben gerade Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren häufig nicht, dass sie ihr richtiges Alter angegeben haben. Dann werden sie als volljährig eingestuft und unterliegen nicht mehr dem Abschiebeschutz, der nur für Minderjährige gilt. Es gibt auch kein absolutes Verbot der Inhaftierung von Flüchtlingskindern, sodass manche von ihnen sogar in Abschiebegefängnissen landen.

Besondere psychische Belastungen

Nach den Asylgesetzen sind Kinder mit 16 Jahren verfahrensfähig. Völlig verunsichert müssen sie oft in stundenlangen behördlichen Anhörungen ihre traumatischen Erlebnisse schildern. Übermitteln sie ihre Geschichte nicht glaubwürdig genug, kann sich das entscheidend auf ihre weiteren Möglichkeiten in Deutschland auswirken. Das ist besonders für Kinder tragisch, die bereits von schrecklichen Erlebnissen mit der Polizei und den Behörden in ihrer Heimat geprägt sind. Solche Erfahrungen allein durchzustehen, ist einem jungen Menschen kaum möglich.

Abschiebung von minderjährigen Flüchtingen

Vor einer möglichen Abschiebung von unbegleiteten Minderjährigen müssen sich die zuständigen Behörden vergewissern, dass im Rückkehrstaat eine sorgeberechtigte Person oder eine geeignete Aufnahmeeinrichtung die Betreuung der Minderjährigen übernimmt. Dies ist in der Praxis schwer erfüllbar, so dass Abschiebungen unbegleiteter Minderjähriger kaum vorkommen. Bis zur Volljährigkeit wird unbegleiteten Minderjährigen daher in der Regel eine Duldung erteilt.

Viele Chancen

Wenn die Kinder Glück haben, gibt es in ihrer Nähe eine Einrichtung, die soziale, psychologische und rechtliche Beratung in effektiver Teamarbeit anbietet. Hier werden die Kinder in allen Lebenslagen untersützt und zum Lernen motiviert. Sie werden kindgerecht behandelt und haben eine echte Chance auf ein neues Leben in Deutschland.

Minderjährige Asylsuchende haben ein Recht auf Bildung und dürfen laut Gesetz deutsche Schulen besuchen.

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt verschiedene Projekte in Deutschland, die sich auf die psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen spezialisiert haben. Therapien sind besonders bei Kindern dringend nötig, damit ein Neuanfang gelingen kann.

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