Griechenland

Flüchtlinge in Griechenland

Teilen

Wenn Sie dieses Video abspielen, werden Informationen über Ihre Nutzung an den Betreiber des Videos übertragen und unter Umständen gespeichert.

Feuer in Moria


+++ Verheerendes Feuer zerstört Flüchtlingslager Moria +++

Was ist passiert? Aktuelle Infos finden Sie hier:

Update

 

Volle Flüchtlingscamps und ein überlastetes Aufnahmesystem

Seit Beginn des Konfliktes in Syrien im Jahr 2011 sieht sich Griechenland mit einem vermehrten Flüchtlingszustrom konfrontiert. 115.600 Flüchtlinge und Migrant*innen leben in Griechenland, 74.400 auf dem Festland und 41.200 auf den Inseln. (Januar 2020)

2019 kamen 74.600 Flüchtlinge und Migrant*innen in Griechenland an -  50 Prozent mehr als im Vorjahr. 59.700 Menschen kamen über den Seeweg auf den Ägäais-Inseln Lesbos, Kamos, Chios, Leros und Kos an. 14.900 erreichten Griechenland über den Landweg. Zwischen Januar und April 2020 kamen 7.591 Menschen über den Seeweg nach Griechenland. Es sind hauptsächlich Familien mit Kindern aus Afghanistan und Syrien. Über ein Drittel von ihnen sind Kinder.

Das griechische Asylsystem ist stark überlastet. Derzeit gibt es fast 90.000 noch nicht bearbeitete Fälle. Die Regierung muss Asylverfahren beschleunigen, denn manchmal dauert die Bearbeitung mehrere Jahre. Gleichzeitig müssen Asylstandards und Schutzmaßnahmen beibehalten werden. Die Mehrheit der Asylbewerber*innen in Griechenland hat Flüchtlingsmerkmale und ist wahrscheinlich auf internationalen Schutz angewiesen.

Illegale Push-Backs an der griechischen Grenze?

Entsprechend der Genfer Flüchtlingskonvention darf ein Flüchtling nicht in ein Land zurückgewiesen werden, in dem er Verfolgung fürchten muss (Non-Refoulement Prinzip). Asylsuchenden darf demnach die Einreise nach Griechenland nicht verweigert bleiben. Dennoch gab es vor allem seit März dieses Jahres vermehrt Berichte über die Zurückweisung von Migrant*innen und Asylsuchenden an der griechisch-türkischen Landes- oder Seegrenze (sog. Push-Backs).

Griechenland hat das Recht, seine Grenzen zu kontrollieren und irreguläre Migration zu steuern. Gleichzeitig müssen die internationalen Menschenrechts- und Flüchtlingsschutzstandards und die Rechte von Asylsuchenden respektiert werden. Der UNHCR appelliert an Griechenland, die Vorwürfe ernst zu nehmen und zu untersuchen.

Auch während der besonderen Grenzmaßnahmen zur Corona-Zeit fordert der UNHCR die Staaten dazu auf, die internationale Norm zum Schutz von Flüchtlingen einzuhalten.

Katastrophale Zustände auf den griechischen Inseln

Die Verhältnisse in den völlig überfüllten Aufnahmezentren auf den griechischen Inseln sind besorgniserregend. Mehr als 36.000 Menschen wohnen derzeit in den fünf Aufnahme- und Identifikationszentren (RICs) auf den griechischen Inseln. Die Zentren waren ursprünglich für 5.400 Menschen konzipiert und sind zum Teil um das Zehnfache überfüllt. (Januar 2020)

Tausende Menschen müssen in Zelten leben, ohne ausreichenden Zugang zu sanitären Einrichtungen. Zusätzlich haben die Menschen oftmals keinen Zugang zu wichtigen Informationen über das Asylverfahren und laufen Gefahr, in unsichere Gegenden abgeschoben zu werden. Die Situation ist sehr belastend für Geflüchtete, Helfer*innen und Einheimische. Immer wieder gibt es in den Lagern Proteste von Menschen, die sich gegen die dortigen Bedingungen wehren möchten.

Moria auf Lesbos war das größte der fünf Aufnahmezentren auf den ägäischen Inseln. Das Zentrum auf der Insel Lesbos wurde ursprünglich für 2.500 Menschen gebaut, doch im Februar 2020 lebten dort 18.000 Menschen. Die Schutzsuchenden mussten täglich mehrere Stunden anstehen, um Lebensmittel und Wasser zu bekommen. Sanitäre Einrichtungen waren nicht ausreichend.

Nach dem Brand, der Moria vollständig zerstörte, wurde auf Ersuchen der griechischen Behörden ein Notfall-Lager errichtet, um die obdachlosen Flüchtlinge und Migranten zu versorgen.

Informationen zur Situation auf Lesbos
 

 

Schaut, unter welchen Umständen wir hier leben. Insekten kommen ins Zelt. Wenn es regnet, werden wir nass, überall ist Schlamm und wir haben keine Privatsphäre. Ist das menschlich?

Ibrahim floh mit Kindern und Enkeln aus Syrien, als ihr Haus von Bomben zerstört wurde. Doch auch in Griechenland hören seine Sorgen nicht auf.

Corona-Pandemie verschärft die Bedingungen auf den Inseln

Diese ohnehin katastrophalen Lebensbedingungen werden durch die Gefahr des Corona-Virus noch einmal verschärft und bedrohen das Leben der Geflüchteten. Im Rahmen der beschlossenen Präventionsmaßnahmen wurden mehrere Camps zeitweise unter Quarantäne gestellt. In den überfüllten Camps ist es zum Teil nicht möglich, die Abstandsvorgaben eizuhalten. Zudem ist der Zugang zu Wasser, Hygieneprodukten und Gesundheitsversorgung beschränkt.

Corona-Virus: Flüchtlinge besonders schutzbedürftig

Die Bedingungen auf den Inseln sind erschreckend und beschämend zugleich. Griechenland muss, mit europäischer Unterstützung, jetzt handeln, um die unhaltbare Situation zu verbessern. Gleichzeitig müssen langfristige Maßnahmen umgesetzt werden.

UN-Flüchtlingskommissar, Filippo Grandi

Um die Situation jetzt nachhaltig zu entschärfen, müssten Zehntausende Menschen von den Inseln ​auf das griechische Festland geholt ​und Überbelegung künftig konsequent ausgeschlossen werden.

Umsiedlung von Flüchtlingskindern ist ein erster Schritt

Fast 2.100 unbegleitete Kinder sind im Jahr 2019 in Griechenland angekommen. Im April 2020 lag die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen in Griechenland bei 5.099. 13% der Kinder auf den griechischen Inseln sind unbegleitet oder von ihren Eltern getrennt. Sie leben oftmals in Unterkünften und unter Bedingungen, die ihrem Alter nicht entsprechen. Eine erste Gruppe von unbegleiteten Flüchtlingskindern aus Griechenland ist bereits am 18. April nach Deutschland gekommen. Laut Bundesinnenministerium sollen weitere Minderjährige folgen. Auch weitere europäische Länder, wie Finnland, Luxemburg, Portugal und Großbritannien erklärten sich bereit, Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Der UNHCR…

  • …unterstützt die griechische Regierung, NGO´s und andere Organisationen, um die Betreuung der Asylbewerber*innen zu verbessern.
  • …leitet das von der EU gegründete „Emergency Support to Integration and Accommodation Programme (ESTIA)“. Dadurch können anerkannte Flüchtlinge und Asylsuchende in Städten untergebracht werden und erhalten durch das  „Cash Assistance Programme“ finanzielle Hilfe.
  • …stellt sicher, dass die Grundbedürfnisse Schutzsuchender erfüllt werden können und dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen entsprechend betreut werden. So wird je nach Bedarf Rechtshilfe oder psychosoziale Unterstützung zur Verfügung gestellt. Auch über die Zuordnung der Unterkunft kann auf besondere Bedürfnisse reagiert werden. Eine Unterbringung in der Stadt erleichtert zum Beispiel den Zugang zu Schulen und medizinischer Hilfe.
  • …informiert und berät Asylbewerber*innen und bereitet sie auf das Asylverfahren vor.
  • …fördert Bildungszentren, in denen die Kinder umfangreich betreut werden. Ziel ist, dass alle Flüchtlingskinder regelmäßig zur Schule gehen können.
  • .…fordert die griechischen Behörden dazu auf, Asylbewerber*innen aus den gefährlich überfüllten Lagern auf den griechischen Inseln auf das Festland zu bringen.

 

Als zusätzliche Corona-Hilfsmaßnahme

  • ... unterstützt der UNHCR die Behörden verstärkt dabei, die Wasser- und Sanitärkapazität zu erhöhen, Hygieneartikel zu liefern sowie medizinische Einheiten und Räume für Screening, Isolierung und Quarantäne einzurichten.
  • ... stellt der UNHCR für Asylsuchende auch den Zugang zu Informationen über Hotlines und Dolmetschleistungen sowie durch die Mobilisierung von Freiwilligen sicher.

 

Auch die Spender*innen der UNO-Flüchtlingshilfe zeigen, dass sie die Schutzsuchenden in Griechenland nicht alleine lassen wollen. Bereits im April 2020 konnte die UNO-Flüchtlingshilfe dank Ihrer Hilfe eine halbe Millionen Euro für die Corona-Soforthilfe des UNHCR in Griechenland zur Verfügung stellen.

Was Ihre Spenden vor Ort bewirken, erfahren Sie hier:

500.000 Euro für Corona-Soforthilfe

 

Das haben wir in Griechenland bereits erreicht

Unterkunft

Seit Januar 2015 konnte der UNHCR in Griechenland Wohnungen für über 64.000 Flüchtlinge organisieren.


Stand: Januar 2020

Rechtsberatung

Im Januar 2020 haben der UNHCR und seine Partner über 2.300 Asylsuchenden und Flüchtlingen Beratung und rechtliche Hilfe zur Verfügung gestellt.

Stand: Januar 2020

Bargeldhilfe

Seit April 2017 erhielten über 166.000 anspruchsberechtigte Flüchtlinge und Asylsuchende in Griechenland finanzielle Unterstützung vom UNHCR.

Stand: Januar 2020

Flüchtlinge kommen an Mittelmeerküste an

So können Sie helfen

Sie möchten Menschen auf der Flucht zur Seite stehen?
Dann unterstützen Sie unsere lebensrettende Hilfe noch heute mit Ihrer Online-Spende. Jeder Beitrag hilft!

  Jetzt spenden
Flüchtlingscamp, Zelte Griechenland.jpg