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Frau Huser, Kölner Flüchtlingsrat Interview

Rechtsberatung in Bonn

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Interview mit der Projektleitung

Die UNO-Flüchtlingshilfe finanziert mit 5 % der gesamten Spenden 2019 79 Projekte in Deutschland. Zu einem der neueren Projekte zählt „Meine Rechte! Mein Leben!“ vom Kölner Flüchtlingsrat, dass sich auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und junge Erwachsene mit Fluchterfahrung konzentriert. Wir haben mit Hannah Huser vom Kölner Flüchtlingsrat e.V. gesprochen, die das Projekt "Meine Rechte!, Mein Leben!" in Bonn leitet.

Seit ihrem Studium engagiert sich Frau Huser für Flüchtlinge. Sowohl im Inland als auch in der Humanitären Hilfe im Ausland. Seit Mai 2017 ist sie Teil des Flüchtlingsrates in Köln.

Was sind die Schwerpunkte des Projekts „Meine Rechte! Mein Leben!“?

Es gibt zwei Komponenten: zum einen die individuelle Einzelfallberatung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und junge Erwachsene. Hier variieren die asyl- und aufenthaltsrechtlichen Perspektiven nach verschiedenen Faktoren, u.a. nach Alter und Herkunftsland. Es geht darum, ihnen ihre Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sie in rechtlichen Belangen zu unterstützen, damit sie selbstbestimmt Entscheidungen treffen können. Zum anderen ist es aber auch sehr schwer, in der individuellen Beratung alle wichtigen komplexen juristischen Themen und Hintergründe zu vermitteln. Deshalb wollen wir bedarfsorientierte Workshops anbieten, in denen die jungen Menschen selbstbestimmt Themen auswählen und erarbeiten können. Unser Ziel ist es, dass sie über ausreichend Wissen über rechtliche Themen verfügen. Wir hoffen auch, dass sie sich untereinander stärken und ein Netzwerk aufbauen. Außerdem ist uns aufgefallen, dass es viele rechtliche Schulungen für Fachkräfte gibt, aber wenige Angebote sich an die Geflüchteten selbst richten.

Warum konzentriert sich das Projekt auf unbegleitete Flüchtlinge und Ehemalige?

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind eine Gruppe von Menschen, die einen besonderen Schutz brauchen. Sie sind meist von Beginn an einem enormen Druck ausgesetzt.

Es ist wichtig, dass ihre asyl- und aufenthaltsrechtlichen Perspektiven möglichst frühzeitig geklärt werden. Denn ab dem 18. Lebensjahr werden die Gesetze strenger und schwieriger zu verstehen. Auch entfällt die schützende Vormundschaft und die Schutzmechanismen der UN-Kinderrechtskonvention greifen nicht mehr. Man kann nur den Hut vor ihnen ziehen, wenn man bedenkt, was sie durchlebt und überlebt haben. Von den jungen Erwachsenen wird verlangt schnell selbstständig zu werden und mit komplexen gesetzlichen Lagen klarzukommen.

Wo sehen Sie die Chancen und Herausforderungen des Projektes?

Eine große Herausforderung ist vor allem, dass sich keine andere Rechtsgebiete in den letzten Jahren so schnell verändert haben, wie das Asyl- und Aufenthaltsrecht. Daher ist Beratung so wichtig. Die größte Chance ist es, für und mit jungen Menschen Perspektiven für ihr Leben zu gestalten. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und junge Volljährige erhalten wichtige Informationen über ihre Rechte und Möglichkeiten, um zu einem selbstbestimmten Handeln befähigt zu werden. In den Workshops können sie sich Wissen über ihre Rechte aneignen zu Themen, die sie interessieren. Das ist wichtig, weil viele Entscheidungen, die die Jugendlichen betreffen schnell von Erwachsenen getroffen werden und sie selber nicht genügend eingebunden werden, die sie betreffenden Gesetze und Prozesse zu verstehen.

In welche Richtung soll sich Ihre Projektarbeit entwickeln?

Wir hoffen, dass wir die Verfahrensberatung langfristig aufrechterhalten können und wir die Flüchtlinge im Übergang von der Minderjährigkeit in die Volljährigkeit besser betreuen können. Es wäre sehr schön, wenn sich in den nächsten Jahren aus den Workshops eine Art Rechtsbildungswerkstatt für junge Menschen mit Fluchthintergrund etablieren könnte.

Was motiviert Sie in ihrer Arbeit?

Die Arbeit mit Menschen im Allgemeinen. Die täglichen Erfahrungen, die ich während meines Arbeitsalltags mache; Ich erlebe viele traurige und schöne Augenblicke, aber auch viele Glücksmomente. Ich möchte dazu beitragen, geflüchteten Menschen eine Perspektive zu geben. Sie sind Menschen mit Wünschen und Rechten! Auch ist mir wichtig, mich auf politsicher Ebene für die Rechte von Flüchtlingen einzusetzen.

Was ist einer der berührenden Momente, die Sie in Ihrer Arbeit erlebt haben?

Die Aufarbeitung der Fluchtgeschichte für das Asylverfahren ist sehr bewegend und schwierig, weil die Betroffenen von oftmals traumatischen Erfahrungen erzählen müssen. Man kann nur den Hut vor ihnen ziehen, wenn man bedenkt, was sie durchlebt und überlebt haben. Glückliche Momente meiner Arbeit sind die Erfolge. Ich begleite z.B. seit über zwei Jahren einen jungen Mann, der seine Flucht überlebt hat und schwere traumatische Erfahrungen gemacht hat. Er war zu Beginn sehr eingeschüchtert und sehr verschlossen. Die Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte war sehr schwierig. Heute macht er eine Ausbildung, engagiert sich und sprudelt vor Energie.

Das mitzuerleben ist sehr schön!

Warum ist die UNO-Flüchtlingshilfe und der UNHCR so wichtig für Geflüchtete?

Es ist sehr wichtig, dass es die Organisation gibt. Der UNHCR, dessen nationaler Partner die UNO-Flüchtlingshilfe ist, hat das Mandat sich für die Belange der Flüchtlinge einzusetzen.Besonders wichtig ist der Einsatz des UNHCR in der Nothilfe und humanitären Hilfe und seine Unterstützung von Staaten. Und die UNO-Flüchtlingshilfe leistet einen wichtigen Beitrag, Projekte im In- und Ausland zu ermöglichen.

Warum sehen Sie es als wichtig an, sich für Flüchtlinge zu engagieren?

Flüchtlinge werden oftmals in vielerlei Hinsicht entrechtet. Als Menschenrechtsorganisation gilt für uns, Flüchtlinge zu ihrem Recht zu verhelfen. Wir machen mit unserer Öffentlichkeitsarbeit auf flüchtlingspolitische Themen aufmerksam. Wir setzen uns aktiv gegen alle Formen von Rassismus ein. Gerade in Zeiten verschärfter Gesetze, steigendem Rassismus und dem Sterben auf dem Mittelmeer ist dies wichtig.

Wie kann man die Flüchtenden in Deutschland am besten unterstützen?

Zum einen, durch die Stärkung der Flüchtlinge in ihren Rechten und in ihrem Selbsthilfepotenzial. Und zum anderen, durch eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit, um auf verschärfte Gesetze aufmerksam zu machen, Menschenrechtsverletzungen klar anzuprangern, und sich gegen politische Hetze und gegen Kriminalisierung von Geflüchteten und die Seenotrettung zu positionieren. Ich freue mich sehr, dass es immer noch viel Engagement von einzelnen Menschen und Vereinen innerhalb unserer Gesellschaft gibt.

Wie empfinden Sie die öffentliche Diskussion zum Thema Flüchtlinge in der deutschen Gesellschaft?

Ich finde die aktuelle Debatte sehr beängstigend. Durch die sozialen Medien sind stärkere Ressentiments zu beobachten. Rassismen sind nicht nur am rechten Rand zu beobachten, sondern auch aus der Mitte der Gesellschaft. Es macht mich sehr wütend, zu sehen, dass Unwissenheit und Ängste in der Bevölkerung instrumentalisiert werden. Falsche Annahmen wie z. B. „die (Flüchtlinge) kommen alle zu uns und nehmen uns unsere Jobs und Wohnungen weg“ stimmen ganz einfach nicht. Der Großteil der Flüchtenden wurde und wird von den jeweiligen Nachbarländern aufgenommen. Der schwierige Wohnungsmarkt ist nicht erst durch die Ankunft der Flüchtlinge ein Ergebnis falscher Wohnungspolitik. Viele Vorurteile führen zu einer verzerrten Wahrnehmung vom Alltag und dem Leben der Geflüchteten in Deutschland.

Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft für das Ankommen der Geflüchteten in Deutschland?

Mehr Toleranz, mehr Mut und mehr Offenheit für Vielfalt!

Ich wünsche mir einen verstärkten Einsatz gegen Rassismus und Ausgrenzung und ein größeres Verständnis für die Ursachen von Flucht; eine engagierte Bewegung wie wir sie bei den „Fridays for Future“, sehen sollte es auch für Menschenrechte geben, und das am besten jeden Tag.

 

 

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