Straße im Flüchtlingslager Zaatari

Hilfe für Flüchtlinge in Jordanien

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Folgen des Syrien-Konfliktes

Der UNHCR ist seit 1990 in Jordanien aktiv. Während sich die Arbeit anfangs auf wenige tausend Flüchtlinge und Asylsuchende aus Ländern des Nahen Osten, dem Irak und Nordafrikas konzentrierte kamen nach dem Ausbruch der Krise in Syrien 2011 hunderttausende Flüchtlinge über die Grenze nach Jordanien.

Jordanien ist eines der Länder, das am stärksten von der Krise in Syrien betroffen ist. Von den 750.000 Flüchtlinge in Jordanien, stammen 658.00 aus Syrien. Vergleicht man die Zahl der Flüchtlinge mit der Einwohnerzahl, hat Jordanien, nach dem Libanon, weltweit am zweitmeisten Flüchtlinge aufgenommen.

Die Ressourcen und die Infrastruktur im Land werden durch die hohe Zahl an Flüchtlingen stark strapaziert. Gleichzeitig kämpft das Land mit einer hohen Arbeitslosenzahl und einem geringen wirtschaftlichen Wachstum. Das führt dazu, dass viele Flüchtlinge in Armut leben. Sie müssen auf grundlegende Versorgung verzichten, Kredite für Lebensmittel aufnehmen oder mit schlechten Arbeitsbedingungen kämpfen.

750.000 Flüchtlinge leben in Jordanien

47
Prozent

der Flüchtlinge sind Kinder oder Jugendliche

88
Prozent

der Flüchtlinge stammen aus Syrien

83
Prozent

der Flüchtlinge leben in Städten

Leben in Armut

Die meisten Flüchtlinge in Jordanien leben in Städten (rund 83 %). Doch ihr Leben gestaltet sich schwierig. Die Mieten haben sich, seit der Ankunft der Flüchtlinge in der Hauptstadt Amman, fast verdoppelt. Die Arbeitslosigkeit ist in Jordanien sehr hoch. Viele Flüchtlinge finden nur im informellen Sektor Arbeit oder haben gar kein Einkommen, obwohl es seit 2016 möglich ist, mit einem Flüchtlingsausweis vom UNHCR eine Arbeitserlaubnis zu beantragen.

Viele Flüchtlinge leben darum unter der jordanischen Armutsgrenze von ungefähr 85 Euro im Monat und sind auf humanitäre Hilfe, wie z.B. Lebensmittelmarken angewiesen. Das Maß an humanitärer Unterstützung, wie zum Beispiel die medizinische Versorgung, ist in städtischen Gebieten erheblich niedriger als für die Bewohner von Flüchtlingslagern.

Ich helfe meiner Mutter dabei, die bunte Wäsche von der Weißen zu trennen und auf dem Markt helfe ich, die guten Früchte zu nehmen und nicht die Schlechten.

Abdallah und seine blinde Mutter leben in einer Wohnung in Amman. Sie mussten vor dem Krieg in Syrien fliehen. Seine Mutter verlor ihr Augenlicht als Folge der schrecklichen Erlebnisse. Beide sind von den monatlichen Bargeldhilfen des UNHCR abhängig.Das Geld ermöglicht ihnen, ihre Rechnungen zu zahlen, und Abdallah kann zur Schule, anstatt zu arbeiten.

Zwei große Flüchtlingslager

Es gibt in Jordanien zwei große Flüchtlingslager: Azraq und Zaatari.

Zaatari ist das größte Flüchtlingslager in Jordanien und wurde zu einem Symbol für die Folgen der Syrien-Krise. Es liegt an der nördlichen Grenze zu Syrien. Nach seiner Gründung im Jahr 2012 entwickelte es sich von einer kleinen Ansammlung von Zelten hin zu einer Siedlung mit ca. 80.000 Bewohnern im April 2020. Mit der Größe des Flüchtlingslagers stieg auch die Anforderung an eine vorausplanende und effiziente Nothilfe, die auf die Bedürfnisse und Wünsche der Flüchtlinge eingeht.

Über 55% der Flüchtlinge in Zaatari sind Kinder. Das bedeutet, dass es einen großen Bedarf an Schulen gibt. Bislang können 19.243 Kinder in insgesamt 32 Schulen lernen. Außerdem gibt es in Zaatari insgesamt 58 Gemeinschaftszentren für Freizeit- und Bildungsveranstaltungen.

Sie glauben nicht, wie schwierig es ist, ohne Strom zu leben, für jemanden das gewöhnt ist. Wenn wir zum Beispiel etwas gekocht hatten, mussten wir die Reste wegschmeissen, weil wir sie nicht sicher aufbewahren konnten. Das ist schwer, wenn man nicht viel hat.

Das erzählt die 52-jährige syrische Flüchtlingsfrau, Fatima. Im Mai 2017 ging im Flüchtlingslager Azraq die erste großflächige Solaranlage ans Netz, um die rund 40.000 Bewohner in der unwirtlichen Wüstenregion mit Strom zu versorgen. Möglich wurde das Energieprojekt durch die Zusammenarbeit von UNHCR mit der Kampagne „Brighter Lives for Refugees“ der IKEA-Foundation.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Da Jordanien kein Unterzeichner der Genfer Flüchtlingskonvention ist, haben sich der UNHCR und die Regierung des Landes auf eine gemeinsame Absichtserklärung geeinigt, die die Zusammenarbeit regelt. Arbeitsschwerpunkte im Jahr 2020 sind vor allem die soziale Inklusion der Flüchtlinge, die Gestaltung nachhaltiger Schutz- und Eingliederungsprogramme und deren Vereinbarkeit mit den nationalen Systemen.

Der UNHCR

  • gibt Bargeldhilfen an Flüchtlinge zur Deckung der Grundbedürfnisse. Im April und Mai dieses Jahres wurden rund 11,5 Millionen US Dollar an 134.883 Personen ausgezahlt.
  • bietet Rechtsberatung für Flüchtlinge an. Zwischen Januar und April 2020 hat der UNHCR bereits 14.419 Menschen bei rechtlichen Fragen beraten und vertreten.<
  • bietet Flüchtingen kostenlose Gesundheitsversorgung an.
  • unterstützt Opfer sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt mit psychosozialer Hilfe und Bargeldhilfen. In Zusammenarbeit mit lokalen NGOs erhalten die Opfer medizinische Hilfe, Rechtsbeistand und sichere Unterkünfte.
  • fördert durch das DAFI-Programm junge Menschen mit Stipendien und Unterstützung bei ihrem Studium.
  • unterstützt Flüchtlinge bei der Arbeitssuche. Zwischen 2016 und November 2019 erhielten über 159.000 Flüchtlinge in Jordanien eine Arbeitserlaubnis, die es ihnen ermöglichte, vor allem im Bau- und Landwirtschaftssektor eine Arbeit zu finden. Eine offizielle Arbeitserlaubnis schützt Flüchtlinge vor Ausbeutung und ermöglicht es ihnen, ihr Leben selbstständiger zu gestalten.
  • sucht nach Möglichkeiten zur dauerhaften Umsiedlung in sicheren Drittländern. Trotz einiger zusätzlichen Hürden aufgrund der Corona Pandemie konnte der UNHCR zwischen Januar und April 2020 bereits 1.325 Menschen für ein Resettlement vermitteln.

Herausforderung COVID-19

Die hygienischen Bedingungen in Flüchtlingslagern und engen Unterkünften sind in den meisten Fällen schwierig und eine ausreichende medizinische Versorgung der Flüchtlinge bei einer schnellen Ausbreitung der Krankheit kaum möglich.

Flüchtlinge werden über das Coronavirus aufgeklärt und über Hygienemaßnahmen informiert. In den Flüchtlingslagern gelten Bewegungseinschränkungen und auch das Personal hat nur noch eingeschränkt Zugang. Die Flüchtlinge haben weiterhin Zugang zu nationalen Gesundheitsdiensten und erhalten bei einem Verdacht auf eine Infektion die entsprechende Behandlung.

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Seifenproduktion

Wie hilft die UNO-Flüchtlingshilfe?

Um die Flüchtlinge in Jordanien gezielt zu unterstützen, erhalten monatlich mehr als 30.000 Flüchtlingsfamilien finanzielle Zuschüsse im Rahmen des Bargeldhilfe-Programms. Im April und Mai 2020 waren es jeweils rund 33.000 Familien - 3.000 stammten davon nicht aus Syrien.

Die Familien nutzen die Bargeldhilfe, um Miete, Nahrung und medizinische Versorgung zu bezahlen sowie um ihre Kinder zur Schule schicken zu können. Zudem kommt die Bargeldhilfe auch der lokalen Wirtschaft zugute und baut somit Spannungen zwischen den Flüchtlingen und der Aufnahmegesellschaft ab. Seit 2015 hat die UNO-Flüchtlingshilfe das Bargeldhilfen-Programm für Flüchtlinge in Jordanien mit über 1 Millionen Euro unterstützt.

syrische Flüchtlingskinder

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