Somalia

Flüchtlingssituation in Somalia

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Jahrzehntelanger Krieg und Gewalt

Die Republik Somalia liegt im äußersten Osten Afrikas - am Horn von Afrika - und kommt seit drei Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Vergessen vom Rest der Welt, erlebt die Bevölkerung eine humanitäre Krise. Die Menschen leiden unter den brutalen Kämpfen zwischen verschiedenen Clans und Warlords. Immer wieder werden sie zur Flucht gezwungen. Einige Regionen des Landes werden von der islamistischen Al-Shahaab Miliz kontrolliert. Gleichzeitig leidet das Land unter einer jahrelangen Dürre und Millionen Menschen mangelt es an ausreichender Nahrung. Doch aufgrund der gefährlichen Sicherheitslage, ist die Arbeit humanitärer Hilfsorganisationen extrem schwierig in Somalia.

Flüchtlingszahl steigt aufgrund neuer Gewalt

2019 flüchteten 188.000 Menschen vor Gewalt und Konflikten in Somalia. Allein im März und April 2020 mussten über 50.000 Menschen vor den Kämpfen fliehen. Gemeinden waren den Kämpfen, Bomben, Explosionen und Schusswechseln direkt ausgesetzt.  Berichten zufolge kam es zu willkürliche Verhaftungen, Vergewaltigungen und Zwangsrekrutierung von Kindern.

Ende 2019 waren fast 905.000 Somalier*innen außerhalb ihres Landes auf der Flucht. Damit liegt Somalia weltweit auf Platz sechs der Länder, aus denen die meisten Menschen fliehen mussten.

Zusätzlich lebten im Juni 2020 15.263 Asylsuchende und 14.732 Flüchtlinge in Somalia, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Binnenvertriebene leben in unbeschreiblicher Armut

Doch der Großteil der schutzsuchenden Menschen ist innerhalb des Landes auf der Flucht - rund 2,6 Millionen im Mai 2020. Damit nimmt Somalia Platz fünf in der Liste der Länder mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit ein. Sie leben in 2000  Flüchtlingssiedlungen, über das ganze Land verteilt. Über 60 Prozent von ihnen sind Kinder.

Die Dürre zwingt die Landbevölkerung zur Migration in die Städte. 80 Prozent der Binnenvertriebenen leben in städtischen Regionen, oftmals in überfüllten Siedlungen und selbstgebauten Unterkünften aus Plastiktüten, Pappe und Stöcken.

2,6
Millionen

Binnenvertriebene

900
Tausend

Menschen in andere Länder geflüchtet

2,2
Millionen

Menschen haben nicht genug zu essen

Extremes Wetter und Naturkatastrophen

In den letzten drei Jahren hat es in Somalia sehr wenig geregnet. 2019 ist die Zahl derjenigen, die wegen der schweren Dürre nicht wissen, wann sie das nächste Mal etwas zu Essen haben, auf über 5,4 Millionen Menschen angestiegen ist. Zusätzlich vernichten Heuschreckenschwärme in weiten Teilen des Landes die Ernten einer ganzen Saison. 2,2 Millionen Menschen haben akuten Lebensmittelmangel. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen schätzt die Zahl der Kinder mit akuter Unterernährung auf 180.000. Dies sind vor allem Binnenvertriebene.

Wenn der Regen kommt, dann kommt er in Massen. In den Regenmonaten leidet die somalische Bevölkerung unter Sturzfluten und Flüssen, die über die Ufer treten. Allein zwischen Oktober und Dezember 2019 wurden 363.000 Menschen durch Fluten vertrieben. Der UNHCR unterstützte als Nothilfemaßnahme 42.246 Betroffene in dieser Zeit mit Hilfsgütern oder Unterkünften.

 

Herausforderung COVID-19

Die hygienischen Bedingungen unter denen die Binnenvertriebenen in Somalia leben, sind prekär. Es ist so gut wie unmöglich unter den vorherrschenden Lebensbedingungen Abstand zu wahren. Auch ist kaum genug sauberes Wasser zum Trinken vorhanden, so dass regelmäßiges Händewaschen ein unglaublicher Luxus ist. In der momentanen Situation wird eine Ausbreitung des COVID-19-Virus kaum verhindert werden können.

Durch den Ausnahmezustand haben viele Menschen ihre Arbeit verloren, die oftmals die einzige Einnahmequelle in einer Familie darstellt.

Der UNHCR stärkt das somalische Gesundheitssystem, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Zudem soll die sozioökonomische Situation des Landes und der Menschen geschützt bzw. wiederhergestellt werden.

Im Zuge des Lockdowns wurden auch Grenzen, Häfen und der Luftraum gesperrt. Der UNHCR unterstützt die Regierung bei der Einhaltung der internationalen Menschenrechts- und Flüchtlingsschutzstandards. Vertriebenen und Flüchtlingen, die internationalen Schutz ersuchen, muss weiterhin geholfen werden.

Weitere Informationen

Rückkehr trotz der Unsicherheit

Trotz der extremen Bedingungen sind in den vergangenen Jahren über 120.000 Flüchtlinge nach Somalia zurückgekehrt. Die enorme Unsicherheit im Land hält jedoch viele von einer freiwilligen Rückkehr ab. Im Jahr 2019 waren es nur 6.200.

3.600 von ihnen kamen aus dem Jemen in ihr Heimatland zurück. Grund für die Rückkehr sind der anhaltenden Konflikte im Jemen und sich verschlechternder Lebensbedingungen. Seit den 1980er Jahren wagten etwa 253.000 somalische Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt über den Golf von Aden.

Die Hauptstadt Mogadishu wird immer wieder zum Ziel bewaffneter Auseinandersetzungen. Bewaffnete Gruppen der Al Shabaab führen Angriffe und Terroranschläge durch und gefährden so die Sicherheit der Zivilbevölkerung.

Kinder und Jugendliche haben geringe Bildungschancen

Die Lage in Somalia hat große Auswirkungen auf die Schulbildung von Kindern und Jugendlichen. Auf Grund von extremer Armut oder einer kritischen Sicherheitslage können die Kinder oftmals keine Schule besuchen.

2019 hatten von insgesamt 66.900 Flüchtlingen und zurückgekehrten Kindern im Land nur 12.400 (19%) Zugang zu Bildung. Der UNHCR sucht nach Möglichkeiten, online und über das Fernsehen Fernunterricht zu ermöglichen.

Wir sind gegangen, als die Dürre begann. Wir hatten 200 Schafe, jetzt sind nur noch 40 übrig. Ich kam mit meinen jüngeren Kindern und zwei Enkeln. Meine älteren Söhne versuchen die restlichen Schafe in der Stadt zu verkaufen. Wir brauchen vor allem etwas zu Essen.

Asha Iman Omar floh mit ihrer Familie vor der Dürre.

Wie hilft der UNHCR in Somalia ?

Der UNHCR verteilt an Binnenvertriebene in Somalia lebensrettende Hilfsgüter. Zudem unterstützt der UNHCR Maßnahmen, um die Bildungs- und Gesundheitssituation von Kinder zu verbessern und setzt sich für den Schutz  von Vertriebenen, Flüchtlingen und Rückkehrern ein und fördert deren Integration in die Gemeinden. Die Ausbreitung des Corona-Virus stellt dazu eine neue Herausforderung dar.

Die Erfolge des UNHCR in Zahlen

(Januar-Mai 2020)

270.000 Personen wurden über Präventions- und Reaktionsmaßnahmen zu COVID-19 informiert.

35.000 Personen erhielten Hygiene-Kits.

9.500 Personen erhielten Bargeldhilfe, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

48 Hygienestationen zum Händewaschen wurden vor öffentlichen Einrichtungen aufgebaut, die von rund 3000 Personen am Tag genutzt werden.

Um die Nothilfe im Land weiterhin aufrecht erhalten zu können, benötigt der UNHCR dringend Unterstützung. Anfang Juli 2020 waren erst 14% der benötigten 154,4 Millionen US Dollar finanziert.

 

 

 

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