Sudan KInder im Arm

Flüchtlinge im Sudan

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Ein Land kommt nicht zu Ruhe

Der Staat Sudan ist mit einer der kompliziertesten und größten Flüchtlingsbewegungen in Afrika konfrontiert. Einerseits ist der Sudan eines der größten Aufnahmeländer in Afrika - rund 1,1 Millionen Flüchtlinge suchen hier Schutz. Andererseits leben 1,8 Millionen Binnenvertriebene im Land und 700.000 Sudanesen sind in andere Länder geflohen.

Wer sucht Zuflucht im Sudan?

Die meisten Flüchtlinge  - rund 80 Prozent - stammen aus dem Südsudan. Viele von ihnen flohen vor dem bis heute anhaltenden Bürgerkrieg in das Nachbarland. 33 Prozent der im Flüchtlinge und Asylsuchenden sind im Schulalter von 6 bis 17 Jahren. Frauen machen 52 Prozent der Flüchtlinge und Asylsuchenden aus.

Der Großteil der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen (etwa 70 Prozent) im Sudan lebt außerhalb von Flüchtlingslagern in Dörfern, Städten und Siedlungen in einigen der ärmsten Regionen des Landes. Die Mehrheit der Flüchtlinge und Asylsuchenden lebt in großer Armut und hat nur begrenzten Zugang zu Existenzgrundlagen.

1,1
Millionen

Flüchtlinge

1,8
Millionen

Binnenvertriebene

33
Prozent

der Flüchtlinge und Asylsuchenden sind Kinder

Geschichte des Konfliktes

Jahrzehntelang wurde der Sudan von einem Bürgerkrieg um die Unabhängigkeit des Südsudans erschüttert. Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben. Ursachen der Konflikte in der Region sind die Auseinandersetzung um Rohstoffvorkommen, ethnische und religiöse Konflikte sowie der Klimawandel und seine Folgen.

Im Jahr 2003 eskalierte der Konflikt in der im Westen gelegenen Region Darfur. Die Region wurde nicht in die Friedensgespräche zwischen Norden und Süden des Landes eingebunden und wurde in der Ressourcen- und Machtverteilung benachteiligt. Hundertausende flohen vor den Gewaltausbrüchen verschiedener Rebellengruppen in den Tschad. 2020 leben dort noch immer 360.000 Flüchtlinge aus dem Sudan.

Am 09. Juli 2011 wurde der Bürgerkrieg im Sudan mit einem internationalen Referendum beendet. Die Bürger des Südens des Landes stimmten für die Unabhängigkeit des Südsudans. Am 9. Juli 2011 wurde Südsudan unabhängig. 2013 flammte der Bürgerkrieg in dem jungen Staat jedoch erneut auf und es kam zu Ausschreitungen. Dieser Konflikt wurde ausgelöst durch ethnische und wirtschaftliche Auseinandersetzung, insbesondere über die Ölförderung und die damit verbundenen Einnahmen.

Die Sicherheitslage im Sudan wird von der UN bis heute als kritisch eingestuft. Die Bevölkerung leidet unter Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Eine Befriedung der Region ist schwierig, da es eine starke Fragmentierung der Rebellengruppen gibt, die zudem wirtschaftlich von dem Konflikt profitieren.

Ich habe die Rückkehr als Neustart für mich und meine Kinder gesehen. Aber als wir im Sudan ankamen, haben mir Nachbarn erzählt, dass mein Land von anderen Menschen besetzt worden sei.

Rawda Yusuf ist 42 Jahre alt und in ihre Heimat, den Sudan, zurückgekehrt. 2005 floh sie vor Gewalt aus der Krisenregion Darfur in den Tschad. Mit ihren vier Kindern kam sie im November 2019 zurück. Doch in ihr Dorf kann sie nicht, es ist besetzt und für Rawda zu gefährlich. Seit ihrer Rückkehr lebt sie in einem Camp für Binnenvertriebene in Kutum.

Aktuelle Situation

Seit der Absetzung des Langzeitpräsidenten Bashir im Jahr 2019, wird der Sudan von einer Übergangsregierung geleitet. 2022 soll diese von einer gewährlen Regierung abgelöst werden. Trotzdem verschlechtert sich Sicherheitslage im Sudan zunehmen. Das Land leidet unter einer schlechten Wirtschaftslage, Liquiditätsprobleme, der Treibstoffkrise und der Inflation.
 

Herausforderung Covid-19

Der Ausbruch der Corona-Pandemie führt in dem auch so schon instabilen Land zu einem Domino-Effekt: Durch die Corona-Maßnahmen haben viele Flüchtlingshaushalte ihr weniges Einkommen verloren.
Der UNHCR hilft in Kooperation mit der sudanesischen Regierung bei der Prävention und der Kontrolle der Infektionen. In den Flüchtlingslagern werden Helfer für die Gesundheitszentren ausgebildet. Zusätzlich wurden 2,2 Millionen Seifenstücke verteilt und über 240 weitere Sanitäranlagen in den Flüchtlingslagern gebaut.

Um auf die Gefahren und die Ansteckung der Krankheit aufmerksam zu machen, wurde eine Aufklärungskampagne gestartet.

Die Herausforderungen der Pandemie liegen für den UNHCR in der fehlenden finanziellen Unterstützung, den Engpässen bei medizinischer Ausstattung wie beispielsweise Masken und Handschuhen sowie der wachsenden Angst von Flüchtlingen vor einer Diskriminierung nach einer Ansteckung und der einhergehenden Stigmatisierung von Flüchtlingen.

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Wie hilft der UNHCR?

Der UNHCR operiert im Sudan in einem extrem schwierigen Umfeld. Das Hauptziel des UNHCR ist, die Sicherheit und den Schutz der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen zu garantieren. Neuankömmlinge werden darum registriert, um den genauen und individuellen Hilfsbedarf erfassen zu können. 2019 wurden 1,3 Millionen Hilfsgüter im Sudan verteilt, darunter Plastikplanen, Küchen Sets, Schlafmatten, Decken etc. – die das Leben der Flüchtlinge erleichtern.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Ausweitung des Zugangs zu Bildung für Flüchtlingskinder. Die Familien erhalten Unterstützung für Schulgeld, Schuluniformen, Schulbücher und Lernmaterialien und der UNHCR investiert in die Bildungsinfrastruktur (Bau und Ausstattung von Schulen) sowie die Einstellung von Lehrerinnen und Lehrern.

Die Förderung der Eigenständigkeit und Selbstversorgung der Flüchtlinge steht ebenfalls im Mittelpunkt der Hilfsmaßnahmen.

2019 war die UNHCR-Operation im Sudan eine der am schlechtesten ausgestatteten Operationen, da nur 32 Prozent der benötigten Mittel zur Verfügung standen. Das benötigte Budget für die UNHCR-Hilfsmaßnahmen im Sudan liegen für 2020 bei 275 Millionen US Dollar.

Wie hilft die UNO-Flüchtlingshilfe?

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützte die folgenden UNHCR-Hilfsmaßnahmen im Sudan in 2020 bisher mit einem Betrag von 270.000 Euro:

  • Schutz von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen (Registrierung, Dokumentation, Schutzüberwachung und Interventionen, Kinderschutz, Prävention sexueller Gewalt)
  • Unterstützung bei freiwilliger Rückkehr und Wiedereingliederung sudanesischer Flüchtlinge und Binnenvertriebener
  • Bereitstellung von Transport- und Unterkunftsmöglichkeiten für Rückkehrer
  • Bargeldhilfen für 36.000 Rückkehrer
  • Verteilung von Nothilfegütern und Notfallbereitschaft für Flüchtlingsströme, Binnenvertriebene und plötzlich auftretende Notfälle (z.B. Überschwemmungen, Cholera)

 

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