Tschad

Flüchtlingssituation im Tschad

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Eine von Konflikten geprägte Region

Der Tschad gilt, trotz seiner Ölvorkommen, als eines der ärmsten Länder der Welt. Das Land ist von Armut, Konflikten und den Auswirkungen des Klimawandels geprägt und leidet seit 2015 unter eine Wirtschaftskrise.

Andauernde gewaltsame Konflikte im Gebiet um den Tschadsee und die Instabilität der Nachbarländer Zentralafrikanische Republik, Libyen, Nigeria und Sudan sind Gründe für die angespannte Sicherheitslage im Tschad. Auch ist die die radikalisalmistische Terrormiliz Boko Haram in manchen Teilen des Tschad aktiv.

2016 verdreifachten sich die Flüchtlingszahlen und steigen seither Jahr für Jahr. Im Tschad leben ungefähr 480.000 Flüchtlinge und fast 340.000 Binnenvertrieben. Die größte Gruppe der Flüchtlinge kommt aus dem Sudan, gefolgt von Flüchtlingen aus der Zentralafrkanischen Republik und Nigeria. Zudem gibt es etwa 100.000 Rückkehrer, die sich in die Zentralafrikanische Republik und die Region um den Tschadsee geflüchtet hatten, die auf Unterstützung angewiesen sind.

480
Tausend

Flüchtlinge

340
Tausend

Binnenvertriebende

100
Tausend

Rückkehrer

Der Tschad als Fluchtroute

Der Tschad liegt in Zentralafrika in der Sahelzone, durch die viele Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Norden unterwegs sind. Der Tschad ist für viele Flüchtlinge ein Transitland auf dem Weg nach Libyen und ist Teil der mediterranen Fluchtroute innerhalb Afrikas. Viele sehen den Weg über Libyen und das Mittelmeer nach Europa als Weg in ein sicheres Leben.

Der UNHCR arbeitet mit Flüchtlingsgemeinschaften im Tschad zusammen, um Flüchtlinge über die Risiken der Flucht aufzuklären.

Konflikte in den Nachbarländern und ihre Auswirkungen

Seit Ende 2019 flüchtet eine zunehmende Zahl an sudanesischen Flüchtlingen vor ethnischen und religiösen Auseinandersetzungen. Die meisten der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Insgesamt finden über 365.000 sudanesische Flüchtlinge im Tschad Sicherheit.

Die Unsicherheit im Nachbarland Zentralafrikanische Republik hat etwa 95.000 Menschen zur Flucht in den Tschad gezwungen.

Die Gewalt der Terrormiliz Boko Haram im Norden Nigerias greift auch immer weiter auf die Region um den Tschadsee über und führt immer wieder zu Massenvertreibungen. Insbesondere um den Tschadsee leben seit 2014 rund 15.000 nigerianische Flüchtlinge.

Herausforderung COVID-19

Die hygienischen Bedingungen in den Flüchtlingslagern und -siedlungen sind in den meisten Fällen schwierig und eine ausreichende medizinische Versorgung der Flüchtlinge bei einer schnellen Ausbreitung der Krankheit kaum möglich. Der UNHCR hat mit der Verbesserung der medizinischen Kapazitäten und der Verteilung von notwendigem Material, wie Hygieneartikel und Desinfektionsmittel, begonnen.

Zudem informierte der UNHCR die Flüchtlinge über die Gefahren des Virus und welche Möglichkeiten die geflüchteten Menschen haben um die weitere Verbreitung zu verhindern. Mit speziellen Hygienekonzepten ermöglicht der UNHCR in Zusammenarbeit mit der Regierung Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an den schulischen Abschlussprüfung und stellt so sicher, dass sie weiter in die Schule gehen können.

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Integration und Bildung

Die Regierung des Tschad steht trotz des schwierigen Umfeldes und begrenzter Ressourcen den Flüchtlingen positiv und gastfreundlich gegenüber. Flüchtlinge sollen auf regionaler und nationaler Ebene in die Gesellschaft eingebunden werden. Dies wird durch die Angliederungen der Flüchtlingslager an die Gemeinden und die Aufnahme von Flüchtlingskindern in das nationale Bildungssystem bewerkstelligt. Der UNHCR unterstützt hier insbesondere die Koordinierung der Flüchtlinge, der nationalen Behörden und aller beteiligten Akteure. Eine  große Herausforderung ist dabei die mangelnde technische Ausstattung in einigen Regionen.

Kinder im Tschad

Im Süden des Tschads ist die Hälfte der Geflüchteten unter 18 Jahre alt. Sie sind der Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung oftmals schutzlos ausgeliefert. Die sexuelle Ausbeutung von Mädchen ist ein großes Problem.

Der UNHCR unterstützt darum Bildungsprogramme und Initiativen gegen Kinderarbeit und die Ausbeutung von Kindern, darunter auch die sexuelle Ausbeutung von Mädchen. Eine Tagesstätte „Child friendly Space" unterstützt z.B. jugendliche Flüchtlingsmütter.

"Ich gehe jeden Tag zur Schule Tag und ich bin glücklich zu lernen."

Die zehn Jährige Zoera lebt mit ihrere Familie im Djabal Camp im Tschad. Ihre Eltern flohen 2003 aus dem Sudan als in der Region Dafur Krieg ausbrach. Zoera und ihr Bruder haben dank eines UNHCR Programms Zugang zu Bildung. © UNHCR/Preston Ndinga

Klimawandel und erneuerbare Energien

Der Tschad ist in den letzten zehn Jahren immer stärker vom Klimawandel betroffen. Die Trockenheit in Wüstenregionen aber auch außergewöhnlich starke Regenfälle mit Überschwemmungen des Landes beeinträchtigen lokale Gemeinden und Flüchtlinge gleichermaßen. Die Zerstörung der Pflanzendecke, der dadurch fehlende natürliche Schutz für die Erde und mangelndes Wassermanagement sorgt für eine Absenkung des Grundwasserpegels, was große negative Folgen für Landwirtschaft nach sich zieht.

Der UNHCR unterstützt die Flüchtlinge, die mit den Folgen des Klimawandels kämpfen und setzt in seiner Arbeit auf klimafreundliche Lösung, beispielsweise die Nutzung erneuerbarer Energien. Auch werden die Flüchtlinge über den Klimawandel und seine Folgen sowie klimaneutrale Lösungen informiert.

Wir hatten Schwierigkeiten etwas zu essen und zu trinken zu finden. Unser Haus wurde niedergebrannt und mein Mann getötet. Meine Tochter wird ohne ihren Vater aufwachsen, aber ich bin entschlossen, ihr zu helfen etwas aus ihrem Leben zu machen, egal wo wir sind.

Die 25-jährige Damre Ibrahim floh mit ihrer Tochter vom Sudan in den Tschad. Sie legten 30 Kilometer mit einem Esel zurück, um in Sicherheit zu gelangen, nachdem ihr Dorf angegriffen wurde.

Wie hilft der UNHCR vor Ort?

Der UNHCR unterstützt vor allem Binnenvertriebene, aber auch Flüchtlinge und Asylsuchende, indem er sich für ihre Rechte und ihre Sicherheit einsetzt und die Behörden bei der Versrogung der Menschen und bei der  Suche nach langfristigen Lösungen unterstützt.

Der UNHCR

  • stellt Hilfsgüter, beispielsweise Unterkünfte und Hygieneartikel bereit,
  • bietet medizinische und psychologische Versorgung und Beratung von Opfern sexueller und geschlechtsspezifischen Gewalt in „Safe Spaces“ und mobilen Kliniken,
  • hilft beim Ausbau der Gesundheitsversorgung, wie z.B. bei der Behandlung und Isolation von Covid-19 Patienten,
  • baut Sanitäreinrichtungen,
  • unterstützt Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer, baut und saniert Schulen, hilft bei der Verbesserung von „Distanz-Unterricht"
  • fördert die Nutzung von sauberer Energie.
     

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützte die Hilfe des UNHCR im Tschad und der Sahelzone im Jahr 2020 mit 500.000 Euro.

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Familie im Tschad

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