Ukraine

Ukraine: Hilfe für Binnenvertriebene

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Brüchiger Waffenstillstand gefährdet Zivilist*innen

Auch sechs Jahre nach Ausbruchs des Konfliktes in der Ukraine ist die Situation zwischen den Konfliktparteien angespannt. Durch die Kämpfe wurden UN-Schätzungen zufolge seit Beginn des Konfliktes mehr als 13.000 Menschen getötet.

Obwohl man sich schon Anfang 2015, mit der Annahme des Minsker Abkommens, auf einen teilweisen Waffenstillstand entlang der rund 450 Kilometer langen Frontlinie geeinigt hatte, scheiterten rund zwei Dutzend Anläufe für eine Waffenruhe nach kurzer Zeit. Ende Juli 2020 einigten sich das ukrainische Militär und die von Russland unterstützten Separatisten nach vielen Anläufen auf eine erneute Waffenruhe. Es bleibt abzuwarten, ob die Konfliktparteien diesmal ihre Verpflichtungen erfüllen.

Herausforderung COVID-19

Entlang der Kontaktlinie in der Ukraine stehen Gesundheitsdienste nur beschränkt zur Verfügung. Auch sauberes Wasser, um Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen einzuhalten, ist nicht ausreichend vorhanden. Durch die Einschränkungen der Transportmittel während der Quarantäne können die Rentner*innen nicht mehr ihre Rentenzahlungen abholen. Lebensmittelläden und Apotheken sind nur schwer zu erreichen.

Der UNHCR unterstützt lokale Organisationen, um Präventionsmaßnahmen in den Regionen um Donezk und Luhansk zu fördern, verteilt medizinisches Material sowie Elektorräder für medizinisches Personal.

Weitere Informationen

Für Millionen Menschen, die entlang der Kontaktlinie leben, ist die Angst vor Beschuss, gewaltsamen Zusammenstößen oder die Gefahr durch die vielen Landminen und Blindgänger eine tägliche Realität. Die Ost-Ukraine wurde als eines der am stärksten von Minen verseuchten Gebieten der Welt eingestuft. 2018 waren über 40 Prozent der Verletzungen bei Zivilisten auf Landminen und Blindgänger zurückzuführen.

Im Sommer 2014 geriet Luhansk, wo ich damals wohnte, unter Beschuss und es war nicht mehr sicher. Im August verbrachte ich zehn Nächte im Keller. Wir hatten keinen Strom oder Wasser und es war so kalt, dass ich mir warme Sachen anziehen musste, um dort schlafen zu können. Wir hatten keinen Handyempfang, so dass ich nicht wusste, was draußen vor sich ging. Es machte so Angst. Da beschloss ich zu fliehen.

Oleksandra Lytvynenko aus Luhansk, Ukraine

 

Zivilist*innen sind die Leidtragenden

Der Konflikt in der Ukraine hat seit 2014 viel Leid für die zivile Bevölkerung gebracht. Noch immer konnten 734 Tausend Menschen nicht in ihre Häuser und Dörfer zurückgekehrt und leben als Binnenvertriebene im eigenen Land.

Viele hunderttausende Menschen leben entlang der Kontaktlinie, an der es noch immer zu gewaltsamen Zusammenstößen kommt. 3,5 Millionen Menschen dort benötigen dringend humanitäre Hilfe und Schutz – vor allem in den kalten Wintermonaten mit Temperaturen mit bis zu – 30 C°. Laut einer Studie, leiden fast 40 Prozent der Einwohner*innen der Regionen um Donezk und Luhansk an traumatischen Belastungsstörungen, Stress, Depressionen, Angstzuständen.

Wenn alles still ist, fühle ich, dass sich nichts jemals ändern wird. Ich denke dann, der Konflikt ist endlos.

Maryna, Schneiderin und Mutter von zwei Kindern, lebt wie viele Millionen Menschen in der Konfliktzone in der Ost-Ukraine. Sie erzählt, dass die Schüsse und Einschläge, die sie draußen hört nicht so beängstigend sind, wie die Stille zwischen den Kämpfen.

Was macht der UNHCR vor Ort und wie hilft die UNO-Flüchtlingshilfe ?

Seit Beginn des Konfliktes arbeitet der UNHCR in der Ost-Ukraine, um für die 1,5 Millionen Binnenvertriebenen und denjenigen, die in der Nähe der Kontaktlinie leben, Unterstützung und Schutz anzubieten. Dazu zählt die Bereitstellung von Notunterkünften und Hilfsgütern sowie die Hilfe bei der Unterbringung (Renovierungs- und Reparaturarbeiten von Unterkünften, sowie Ausstattung). Gleichzeitig arbeiten UNHCR-Mitarbeiter*innen im Bereich der Rechtsberatung und Lobbyarbeit für eine Verbesserung ihrer rechtlichen Situation.

Gleichzeitig werden über 2.400 Asylbewerber*innen und 2.200 Flüchtlinge sowie mehr als 35.600 staatenlose Menschen in der Ukraine vom UNHCR unterstützt.

Die UNO-Flüchtlingshilfe hat 2019 die Arbeit des UNHCR für Binnenvertriebene, Flüchtlinge und Staatenlose in der Ukraine mit 30.000 Euro unterstützt.

Frau mit UNHCR Decke und Winterkleidung in der Ukraine Ukraine.JPG