30.07.2013

Syrienkrise: Flüchtlingslager Zaatari wird ein Jahr

Vor einem Jahr wurde das Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien eröffnet. Zunächst standen nur ein paar Zelte. Strom und befestigte Straßen gab es nicht. Heute leben in Zaatari 120.000 Flüchtlinge. Das Lager breitet sich über eine riesige Fläche aus. Es ist das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt und eines der größten urbanen Zentren Jordaniens geworden.

Der 53-jährige Issak* war unter den ersten 450 syrischen Flüchtlingen, die in dem Camp Zuflucht fanden und noch an einen kurzfristigen Aufenthalt glaubten. „Ich dachte, dass ich nach einem Monat nach Syrien zurückkehre“, erinnert sich Issak. Leider kam es anders.

Planung und Aufbau des expandierenden Camps stellten eine gigantische Herausforderung dar. Vergleichbar mit dem Aufbau einer Stadt der Größe von Ulm, Ingolstadt oder Bremerhaven – in einem einzigen Jahr.

Mittlerweile sind tausende Latrinen und Duschen gebaut. Täglich werden über 500.000 Fladenbrote ausgegeben und fast vier Millionen Liter Wasser per LKW in das trockene Gebiet eingefahren.

Mehr als 270 jordanische Lehrer arbeiten in den Grund- und weiterführenden Schulen, unterstützt von 90 Syrern. 33 Spielplätze wurden errichtet. Jeden Tag werden hier zehn Kinder geboren. Zehntausende der Kinder im Camp wurden gegen Masern geimpft.

„Es war ein Jahr der gemischten Gefühle“, berichtet Andrew Harper, UNHCR Repräsentant in Jordanien. „Wir haben so viel geschafft, aber die Anforderungen sind gewaltig.“

Großes Engagement der Flüchtlinge

Der Großteil der syrischen Flüchtlinge arbeitet mit UNHCR und seinen Partnern zusammen, um das Beste aus der Situation zu machen und ein so normales Leben wie möglich zu führen.

Als klar wurde, dass der Syrienkonflikt noch lange anhalten wird, entwickelten die syrischen Flüchtlinge schnell Eigeninitiative. Sie engagieren sich in allen Bereichen: Von der Bildung von Gesundheitskomitees, über gemeinschaftliche Müllentsorgung, bis hin zur Organisation der Stromversorgung.

Auf der Hauptstraße Zaataris, von den Flüchtlingen ironisch Champs-Elysee genannt, eröffnete der 28-jährige Mohammed* ein Eisenwarengeschäft. Die Gewinne sind mager, dennoch spendet er einen Teil an Witwen und behinderte Menschen.

Vor ein paar Wochen begann einer der Flüchtlinge einen Garten anzulegen. Nun sprießen hier Bohnen-, Tomaten- und Maispflanzen. Ein Huhn wandert über die Fläche um seinen Wohnwagen. „Ich möchte wieder etwas Grünes sehen“, erklärt der 24-jährige Gassem*. Vor seiner Flucht, vor einem halben Jahr, arbeitete er als Gemüsehändler in der nahegelegenen syrischen Stadt Dara’a. „Das Grün erinnert mich an Zuhause.“ Gassem weiß, dass er erst mal in Zaatari bleiben muss. „Der Krieg wir immer schlimmer. Wir sind dankbar, hier zu sein“, sagt er.

So lange die Gewalt in Syrien anhält, ist die Sicherheit das größte Geschenk für die Neuankömmlinge, wie die 34-jährige Fatima*, die sich erst vor 24 Stunden als Flüchtling registrieren ließ. Nachdem ihr Dorf Babel Amar zerbombt wurde, floh sie mit ihren sieben Kindern. Sie zogen von Dorf zu Dorf. Doch der Krieg holte sie überall ein.

Auf ihrem Marsch durch die Wüstengebiete Syriens waren sie auf die Hilfe der lokalen Bevölkerung angewiesen, bis sie endlich die Grenze überquerten und Zaatari erreichten. Sie sagt: „Wir leben nur durch die Gnade Gottes.“

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert