08.02.2016

Afghanistan: Der Traum von der Rückkehr

Sonita ist im Iran zur Welt gekommen. Ihr Heimatland hat sie immer nur durch die Augen anderer gesehen: auf den Mobilfunkgeräten der Verwandten, in Filmen und im Internet. Trotzdem will sie dieses Land nicht aufgeben, will zurückkehren, auch wenn gleichzeitig immer mehr junge Afghanen ihr Leben riskieren, um nach Europa zu gelangen.

Sonita unterrichtet ehrenamtlich afghanische Flüchtlingskinder. Foto: UNHCR/S.Reichwährend eines

“Ich war ein sehr schüchternes Mädchen,” erzählt die 25-jährige Sonita, und erinnert sich, dass sie sich geschämt hat, ein Flüchtling zu sein. “In der Schule habe ich mit niemandem geredet – ich hatte Angst, dass sie herausfinden würden, dass ich aus Afghanistan bin.”

Heute fällt es nicht leicht sich vorzustellen, dass Sonita so zurückgezogen gelebt hat. Die junge Frau arbeitet jetzt als Grafikdesignerin und arbeitet ehrenamtlich als Lehrerin. Sie ist selbstsicher, wortgewandt und hat einen Blick voller Energie. Sonita glaubt an ihre wichtige Rolle, die sie beim Aufbau ihres Landes spielen wird. Sie träumt davon, in ihr Heimatland zurückzugehen und die nächste Generation davor bewahren dieses Gefühl der Isoliertheit empfinden zu müssen.

“Wenn wir tagsüber über Afghanistan reden, träume ich nachts davon.”

Mit 15 weckte eine Lehrerin in Sonita den Willen sich zu ändern. Sie erinnert sich lächelnd: “Am ersten Schultag, las die Lehrerin meinen Namen vor, ich stand auf und sagte der Klasse, dass ich aus Afghanistan komme.” Sie fürchtete, in diesem Schuljahr keine Freunde zu finden, doch “sie kamen alle während der Pause zu mir. Einige dieser Mitschüler sind noch immer meine Freunde.”

Sonitas Eltern waren aus Afghanistan geflohen und ließen sich in Rey, südlich von Teheran nieder.  Nach der High School fehlte das Geld, um Sonita zur Universität zu schicken. “Wir sind zwei Schwestern und zwei Brüder,” erklärt sie. “Meine Familie konnte die Studiengebühren nur für eine von uns zahlen, also konnte nur meine Schwester gehen.”

Eine Ausbildung für eine eigene Zukunft

Aber die finanziellen Probleme hielten Sonita nicht davon ab, bei einer japanischen Nichtregierungsorganisation NICCO Kurse zu besuchen. Hier können Flüchtlinge eine Ausbildung machen und sich auf die Rückkehr vorbereiten. Sonita machte eine Ausbildung als Grafikdesignerin und designt den Newsletter der Organisation. Das Geld, das sie verdient, spart sie für ihre Universitätsausbildung.

“Mein Bruder will nicht, dass ich arbeite. Er hat für ein paar Tage nicht mit mir gesprochen, aber meine Eltern unterstützen mich,” sagt sie stolz.

Wenn Sonita zurück nach Afghanistan geht, wird sie eine von mehr als 66.400 Rückkehrern sein, die sich seit 2008 vom Iran aus auf den Weg gemacht haben. 2,6 Millionen Menschen waren vor den Kriegen und der Instabilität im Land geflohen - die meisten in den Iran und nach Pakistan. Viele der Flüchtlinge sind jetzt in der zweiten oder gar dritten Generation und hatten nie die Möglichkeit ihr Land zu besuchen.

Pakistan und Iran beherbergen seit Jahrzehnten Millionen von Flüchtlingen. Die Haushalte und Gesellschaften beider Ländern werden stark beansprucht. Dennoch hat die iranische Regierung in diesem Jahr beschlossen, auch Kindern ohne gültige Ausweispapiere den Besuch von Schulen zu erlauben. Ein größeres Engagement der internationalen Gebergemeinschaft in der Region ist dringend erforderlich, um jungen Afghanen, wie Sonita, die Entscheidung zu erleichtern und ihnen die Möglichkeit zu geben, nach Afghanistan in Sicherheit und Frieden zurückzukehren.