Mudther - Flüchtlinge aus Südsudan, überlebte Bootsunglück auf dem Mittelmeer

Mudther wartet darauf seine Mutter anzurufen. Seitdem er aus dem Südsudan nach Libyen geflohen ist, hat er noch nicht mit ihr gesprochen und er freut sich darauf, ihre Stimme zu hören. In seiner Hand hält er ein weißes Stück Papier fest - ihre Telefonnummer.

Vor drei Tagen hatte er alle Hoffnung aufgegeben, dass er diese Stimme je wieder hören würde, sie gar wiedersehen würde. “Es waren vielleicht so 300 Menschen auf dem Boot”, erzählt er während er darauf wartet, dass sein Freund sein Telefonat beendet. Der überladene Fischkutter fuhr über das raue, offene Meer. Mudther hatte oft Angst, der Kutter würde kentern. Aber schließlich erreichten sie die Ufer von Lampedusa.

Ein normales Leben ist für Mudther noch lange nicht in Sicht. Im Moment hat er ganz andere Pläne. “Ich will nach London”, sagt er. “Von Calais in Frankreich. Ich weiß schon wie.” Doch bis er auf das Festland gebracht wird, lebt Mudther gemeinsam mit über 1.000 anderen Flüchtlingen im Auffanglager auf Lampedusa.

Als der Freund den Hörer auflegt, nimmt Mudther ihn auch schon auf und lächelt. Nach einer kurzen Stille das einfache Wort: “Mutter?”