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DRKongo: Geflüchtete Kinder zur Arbeit gezwungen
Update

DR Kongo: 1,3 Millionen Menschen fliehen vor der Gewalt in Kasaï

In der Provinz Kasaï im Herzen der im Herzen der Demokratischen Republik Kongo verbreiten seit fast einem Jahr verschiedene Milizengruppen Angst und Schrecken. Die Gewalt hat sich auch in mehrere Nachbarprovinzen ausgebreitet. 1,3 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Binnenvertriebene aus der Region Kasaï in DR Kongo.

Bernard floh mit seinen beiden Söhnen vor der Gewalt in Kasaï. Foto: UNHCR/UNHCR/J.Wessels

Bernard* ist 25 Jahre alt. Der Vater von drei Kindern sieht nicht aus wie einer, der leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Aber jetzt gerade scheint Bernard völlig verloren zu sein.“Die Kinder fragen mich die ganze Zeit, »Papa, wo ist Mama«? Sie denken viel an sie und weinen”, erzählt Bernard. “Ich nehme manchmal mein Handy und tue so, als wenn ich sie anrufe und dann sage ich ihnen, dass sie bald kommt. Aber es beruhigt sie nicht mehr wirklich.”

Bernards Leben wurde an einem Tag im April auf den Kopf gestellt. Er saß in seinem Büro und ging den Kalender für die Abschlussexamen der Schule durch, an der er als Verwaltungsangestellter arbeitete. “Plötzlich hörte ich Menschen schreien nd panisch herumlaufen.” Eine Milizengruppe hatte in der Nähe angegriffen.

Voller Angst verließ er das Büro und rannte nach Hause. “Als ich in unsere Straße einbog, sah ich unser Haus in Flammen stehen”, erzählt er. “Alles war verloren und völlig verbrannt. Ich fand meine beiden Jungen allein, weinend und völlig verängstigt.” Als er mit den beiden floh, sah er seine Frau auf der Straße liegend. Sie war von den Milizen brutal ermordet worden. Ein Dutzend von ihnen waren noch in der Nähe.

Bernard legt seine Arme um seine zwei Söhne Raoul, 2, und Ramazani, 5, während er weitererzählt. Seine siebenjährige Tochter Ngalula konnten sie nicht wiederfinden. Bernard weiß nicht, was aus ihr geworden ist.

Bernard sitzt auf einer Holzbank vor der ehemaligen Krankenstation in Idiofa. Während seine beiden Jungen herumrennen, erinnert er sich an sein Leben vor drei Monaten: “Wir hatten ein richtig gutes Leben. Ich habe am Monatsende meinen Lohn bekommen. Unser Haus hatte vier Zimmer, ein Dach aus 53 Blechplatten und einen Fernseher. Nie zuvor in unserem Leben hatten wir Gewehrschüsse gehört."

1,3 Millionen Binnenvertriebene
Die Region Kasaï, die so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland, war bislang für Stabilität bekannt. Hier lebte Bernard mit seiner Familie. Im August 2016 brachen in Kasaï Unruhen aus, nachdem ein traditioneller Führer von kongolesischen Truppen bei Kämpfen ums Leben kam. Mehr als 1,3 Millionen Menschen haben ihre Dörfer und Häuser seither verlassen.

Nach dem Angriff floh Bernard mit anderen Einwohnern der Stadt in den Urwald. Sie versuchten Hauptstraßen zu vermeiden, um nicht auf Milizen zu treffen. Lebensmittel und Trinkwasser war knapp. In Dörfern bekamen sie immer wieder Hilfe oder konnten dort schlafen. Mehrere Menschen starben auf dem zweiwöchigen Marsch in die Sicherheit.

In Idiofa kommen täglich etwa 100 Menschen an. Bei der ehemaligen Krankenstation, in der auch Bernard mit seinen Söhnen geblieben ist, leben mittlerweile 350 von ihnen. In manchen Räumen schlafen bis zu 50 Menschen. Andere sind in Kirchen, Moscheen oder bei Anwohnern untergekommen.

UNHCR verteilt mit Hilfe einer lokalen Organisation warmes Essen und Wasser an die Neuankömmlinge. “Wir arbeiten mit lokalen Partnern zusammen. Es ist wichtig für uns, besonders verletzliche Menschen zu identifizieren, wie unbegleitete Flüchtlingskinder, die besondere Unterstützung brauchen”, sagt Ann Encontre, UNHCR-Repräsentantin in DRC.

“Wir wissen nicht, welches Ziel dieser Krieg hat. Wir sind Opfer von etwas, das wir nicht kennen.”

Bernard ist dankbar, dass ihnen geholfen wurde, auch wenn er noch immer nicht versteht, warum sie überhaupt angegriffen wurden. Er ist froh am Leben zu sein, auch wenn der Schmerz über den Verlust seiner Tochter groß ist. “Ich habe sie so geliebt, aber ich weiß nicht, ob ich sie jemals wiedersehe. Vielleicht ist sie mit einer Frau geflohen, die ein gutes Herz hat.”

* Namen aus Sicherheitsgründen verändert.

Weitere Informationen zur Lage in Kasaï finden Sie unter: www.unhcr.org/dach/de/15791-vertreibung-dr-kongo-kein-ende-sicht.html