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DR Kongo: Steigende Gewalt zwingt tausende Menschen zur FluchtDRKongo: Geflüchtete Kinder zur Arbeit gezwungenDR Kongo: Alarmierende Meldungen über Gräueltaten und Massenvertreibungen
Update

DRKongo: 22.000 Menschen flüchten über den Albertsee

In der vergangenen Woche überquerten über 22.000 Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo (DRKongo) den Albertsee, um nach Uganda zu gelangen. In kleinen Kanus oder alten Fischerbooten wagen die Menschen die gefährliche Überfahrt. Die Boote sind oft überladen, technische Probleme oder nicht ausreichende Benzinvorräte bringen die Passagiere in Lebensgefahr.

Ein überladenes Flüchtlingsboot auf dem Weg über den Albertsee nach Uganda.

Tausende Menschen flüchten in überladenen Booten über den Albertsee nach Uganda. Foto: UNHCR/M.Sibiloni

Seit Jahresbeginn hat sich die Zahl der Menschen, die wegen der zunehmenden Gewalt in der Provinz Ituri nach Uganda geflüchtet sind auf 34.000 erhöht. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten, dass an den Ufern tausende Menschen auf eine Möglichkeit zur Überfahrt warten.

Der 37-jährige Jack, der mit seiner Frau und den drei Kindern fliehen konnte, berichtet: "Wir haben die Körper unserer Brüder auf dem Boden gesehen. Menschen, die mit Macheten verstümmelt wurden. Die Menschen leiden wirklich. So viele müssen sich im Busch verstecken. Sie können nicht fliehen, weil sie kein Geld haben, um den See zu überqueren.“

Gewalt nimmt keine Ende
Am Wochenende wurde von weiteren Angriffen auf Dörfer in der Provinz berichtet. Flüchtlinge erzählen von Angriffen auf Zivilisten, von schrecklichen Gewalttaten, Tötungen und Zerstörung von Häusern und Besitz. UNHCR appelliert an die Konfliktparteien, den Hilfsorganisationen humanitären Zugang in der Region zu gewähren, um der Bevölkerung zu helfen.

Anita Mave hat ihr Leben retten können, doch die Erinnerungen an das Erlebte lassen sie auch in Sicherheit nicht los: „Manche sind verhungert, manche sind im See ertrunken. Es gibt keine Hilfe, es gibt kein Essen. Wir müssen uns - wie die Tiere - im Busch verstecken.“

UNHCR arbeitet mit den Behörden in Uganda zusammen, um die Flüchtlinge zu registrieren und sie weiter ins Landesinnere zu bringen, wo sie besser versorgt werden können. Mehr Unterstützung ist dringend erforderlich: “Die UNHCR-Mitarbeiter berichten, dass sauberes Wasser, Lebensmittel, Medikamente und Unterkünfte gebraucht werden“, so der Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, Peter Ruhenstroth-Bauer.

4,5 Millionen Binnenvertriebene - 630.000 Flüchtlinge
Im vergangenen Jahr sind 120.000 Menschen aus der DRKongo in die Nachbarländer geflohen, wo bereits 510.000 kongolesische Flüchtlinge im Exil leben. In der DRKongo leben darüber hinaus rund 4,5 Millionen Binnenvertriebene, die vor der Gewalt fliehen mussten und die auf Unterstützung angewiesen sind. UNHCR geht davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge 2018 noch steigen wird. Von den 368,7 Millionen US-Dollar, die in diesem Jahr für die Hilfe veranschlagt worden sind, sind bislang jedoch nur 1 Prozent eingegangen.