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News

Irak: Erinnerungen an Folter und Tod

Mehr als 100.000 Einwohner von Mossul haben die Stadt seit Beginn der Offensive im Oktober 2016 verlassen. Nun in Sicherheit, finden manche von ihnen den Mut, von ihren traumatischen Erlebnissen zu berichten.

Die Erinnerung an die traumatischen Erlebnisse sind schmerzhaft. Ein Flüchtling berichtet von Folter und Gewalt, die er in Mossul ertragen musste. Foto: UNHCR

Weder Haidar* noch seine Schwester dachten, dass sie die Folter der Extremisten überleben würden. Jedes Mal, wenn er nun ein schwarzes Auto durch das Flüchtlingslager fahren sieht, hat der 20-jährige Angst, dass sie wiederkommen, um ihn zu kidnappen. Es ist erst fünf Monate her, dass ihn Extremisten in seiner Heimatstadt Mossul auf der Straße aufgriffen und ihn vor ein Gericht zerrten.

“Meine Augen waren verbunden und ein Richter warf mir vor, Hetzgedichte ins Internet gestellt zu haben,” erinnert sich Haidar. “Ich habe alles abgestritten und ich wusste, dass sie mich nur verhaftet hatten, weil mein Vater für die irakische Armee arbeitete. Ich wusste nicht, dass sie auch meine Schwester Zaineb hatten, bis ich sie in einem anderen Raum hörte, wie sie bettelte uns freizulassen.”

18 Tage im Foltergefängnis

Haidar wurde vom Gericht in ein Gefängnis gebracht. “18 Tage lang brachten sie Elektrokabel an meiner Zunge an und gaben mir Stromstöße. Dabei sagten sie, es wäre, weil ich etwas gegen sie gesagt hätte. Sie hängten mich kopfüber und schlugen mir mit Schläuchen ins Gesicht, gegen den Rücken und die Beine. Es tat so weh, dass ich darum bat, mich mit einer Kugel zu töten. Aber sie sagten, dass sie mir dieses Geschenk nicht machen würden, ich aber eines Tages hingerichtet würde.”

In einem anderen Teil des Gefängnisses wurde Zaineb beschuldigt, eine Hexe zu sein. Sie musste mit ansehen, wie Mitgefangene exekutiert wurden. Die 23-Jährige spricht sanft und traurig: “Sie köpften zwei Frauen vor mir. Eine von ihnen war eine Polizistin.”

“Ich selbst bekam Stromstöße auf den Kopf, die Nase und an den Beinen - viele Male. Der Schmerz war nicht zu ertragen. Nachts legte ich mich schlafen und ich wusste, ich würde am nächsten Tag aufwachen und wieder gefolgert werden,” erzählt Zaineb. “Ich war mir jeden Tag sicher, dass ich sterben würde.”

1.000 Dollar Lösegeld

Während ihrer Gefangenschaft ging ihre Mutter, Rima, jeden Tag ins Gerichtsgebäude der Extremisten und bat um die Freilassung ihrer Kinder. Nach 20 Tagen wurden Haidar und Zianeb ohne Erklärung entlassen. Rima musste 1.000 US-Dollar für ihre Freilassung zahlen.

Die Familie floh aus der Stadt. Jetzt sind sie zusammen mit 16 anderen Familienmitgliedern in einem UNHCR-Flüchtlingslager. Die beiden kämpfen noch immer mit den Erinnerungen an Folter und Gewalt, die sie erleben mussten.

“Ich fühle, dass es noch nicht zu Ende ist und dass sie wiederkommen werden, um mich zu holen,” sagt Zaineb. “Ich brauche einen Arzt. Wegen der Elektroschocks tut mir alles weh. Ich brauche jemanden, mit dem ich reden kann.”

Ihr Bruder bestätigt: “Ich muss auch einen Arzt sehen, weil ich nach den Elektroschocks auf der Zunge nicht mehr richtig sprechen kann.”

UNHCR verstärkt psychologische Beratung in Flüchtlingslagern

Viele der Binnenvertriebenen, die sich aus Mossul retten konnten, haben miterlebt, wie Verwandte, Freunde und Nachbarn gestorben sind und kämpfen mit dem Erlebten. In den Flüchtlingslagern, die in den vergangenen zwei Monaten errichtet wurden, verstärkt UNHCR die Angebote an psychologischer erster Hilfe.

Auch Haidar und Zaineb nehmen diese Hilfsangeboten wahr. Durch eine lokale Hilfsorganisation bekommen sie auch medizinische Hilfe, so dass sie nach ihren traumatischen Erlebnissen wieder anfangen können, in die Zukunft zu blicken.

“Wir sind so glücklich im Flüchtlingslager,” sagt Haidar. “Es ist der beste Moment seit zwei Jahren. Wir haben mit dem Tod und der Hölle gelebt. Jetzt fühlen wir uns wie wiedergeboren.”

* Alle Namen aus Sicherheitsgründen geändert.

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