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Update

Südsudan: Der Traum Pilotin zu werden

Nyahok Reath war in der Grundschule im Südsudan eine Musterschülerin. Nun ist sie zum Flüchtling geworden und der Besuch einer weiterführenden Schule ist in weite Ferne gerückt. Doch Nyahok bleibt dabei: sie will ihren Traum verwirklichen und Pilotin werden.

“Mein Traum war schon immer, Pilotin zu werden”, erzählt Nyahok. “Als ich klein war, sah ich immer Flugzeuge mit Hilfsgütern über Nasser fliegen und auf dem Flughafen landen, der nicht weit weg war. Ich sah die Piloten, wenn sie aus den Flugzeugen stiegen und ihre tollen Uniformen. Ich will alle Länder sehen.”

Jetzt lebt die 16-jährige Nyahok im Flüchtlingslager Kule in Äthiopien. Sie weiß, dass sie nur, wenn sie eine weiterführende Schule besucht, ihren Traum verwirklichen kann. Doch in der Region gibt es nur einen Jahrgang einer solchen Schule. Die Region ist eine der am wenigsten entwickelten in Äthiopien und jeden Tag kommen neue Flüchtlinge. Jugendliche Flüchtlinge haben dort kaum eine Chance.

Nyahok hatte Glück: ein Onkel bot an, ihre Schulgebühren in Nairobi, Kenia, zu bezahlen. Doch sechs Monate später konnte er nicht mehr zahlen. “Es fiel ihm immer schwerer, die Schulgebühren zu bezahlen”, erzählt Nyahok und starrt traurig auf ihre Füße.

“Ich hatte nie die Möglichkeit in die Schule zu gehen”, erzählt Nyahoks Vater. “Wir lebten in einer abgeschiedenen Gegend in Nasser und es gab dort keine Schulen. Ich möchte, dass Nyahok in die Schule geht. Ich bin sehr stolz auf sie, auf das, was sie in der Schule geschafft hat und auf ihren Ehrgeiz.”

Große Herausforderungen für das Gastland Äthiopien
Der Konflikt im Südsudan hat die am schnellsten wachsende Flüchtlingskrisen der Welt ausgelöst. 1,8 Millionen Menschen sind auf der Flucht. 62 Prozent von ihnen sind unter 18 Jahren. In Äthiopien - einem Land das als eines der am wenigsten entwickelten Länder auf der Welt gilt - leben fast 340.000 Flüchtlinge aus dem Südsudan.

Ziel der Regierung Äthiopiens ist es, den Zugang zu Bildung für die Bevölkerung und die Flüchtlinge zu verbessern. Doch die Hürden sind hoch: Nur 9 Prozent der älteren Flüchtlingskinder haben die Möglichkeit in eine weiterführende Schule zu gehen. (Weltweit sind es 23 Prozent. Der Prozentsatz für Nicht-Flüchtlinge liegt bei 84.)

UNHCR-Mitarbeiter Berhanu Geneti berichtet von Flüchtlingskindern und -jugendlichen, "die begierig sind zu lernen und etwas aus ihrem Leben zu machen”. Doch weil es an Geld mangelt, fehlen Klassenräume, Schulbücher und Lehrer.

Am Traum festhalten
Jugendliche wie Nyahok haben demnach kaum eine Chance, egal wie gut sie in der Grundschule waren. Nyahok konnte zwar das letzte Schuljahr nicht beenden, wird jedoch nun die 8. Klasse beginnen. Sie lässt sich durch den Rückschlag nicht beirren: “Ich wäre sehr traurig, wenn mein Traum Pilotin zu werden nicht wahr würde.”

Nyahok möchte die Welt sehen und gleichzeitig für ihre Familie sorgen. Außerdem möchte sie ein Vorbild für Mädchen aus dem Südsudan sein: “Ich will  ein Fürsprecher und Vorbild für sie sein. Jetzt ist das Wichtigste, dass ich die Schule beende. Wenn es sein müsste, würde ich für meine Bildung auch wieder weiterziehen.”