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Presse

UNO-Flüchtlingshilfe blickt auf sieben Krisen weltweit

80 Millionen Menschen auf der Flucht

Binnenvertriebene im Jemen

Im Jemen sind 80 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. © UNHCR

Die UNO-Flüchtlingshilfe stellt sieben Krisen vor, die auch in 2021 wieder Millionen Menschen zur Flucht zwingen werden und für die es neben politischen Lösungen ein verstärktes humanitäres Engagement braucht. In Syrien, im Jemen, der Sahel-Zone, in Äthiopien, Lateinamerika, Bangladesch sowie an den europäischen Außengrenzen verschlechtert sich die Situation für Geflüchtete zunehmend. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt als nationaler Partner das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), um den Menschen vor Ort direkt in der Not zu helfen. Gleichzeitig fördert die Organisation Projekte, um Geflüchteten eine Perspektive für eine bessere Zukunft zu geben.

„Corona bestimmt aktuell weltweit die Lebensrealität der Menschen sowie die globale Berichterstattung. Doch die weltweiten Krisen stehen deswegen nicht still, im Gegenteil. Für Millionen Menschen bedeuten sie den Verlust der Heimat. Diese Menschen dürfen wir nicht alleine lassen“, fordert Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe.

Ungefähr 12 Millionen Syrer*innen hat der andauernde Bürgerkrieg zu Flüchtlingen oder zu Vertriebenen innerhalb ihres Landes gemacht. Sie bilden damit die größte Flüchtlingsgruppe der Welt. Heftige Regenfälle und Schnee erschweren die Bedingungen für Geflüchtete, ein Schutz gegen Corona ist praktisch nicht vorhanden. Hoffnung macht, dass Jordanien beispielsweise die weltweit erste Impfkampagne für Flüchtlinge gestartet hat.

Der Dauerkonflikt im Jemen hat das Land in die größte humanitäre Katastrophe der Welt geführt: 80 Prozent der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen. Die Gewalt hält an, Frieden ist derzeit nicht in Sicht. 3,6 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

Ein innerstaatlicher Konflikt in Äthiopien führt aktuell dazu, dass innerhalb weniger Wochen etwa 60.000 äthiopische Flüchtlinge die Grenze zum Sudan überquert haben. Die Lebensbedingungen in Tigray verschlechtern sich zusehends. Es häufen sich Ausfälle bei der Energieversorgung. Nahrungsmittel und Treibstoff, der u.a. auch für die Wasserversorgung wichtig ist, werden knapper. Kommunikationssysteme wurden zeitweise gekappt, was die Koordination der Hilfe stark beeinträchtigt. Mitarbeiter*innen des UNHCR hatten im Januar 2021 lediglich Zugang zu zwei der vier Flüchtlingslager in der äthiopischen Region Tigray. Um Hilfe zu leisten, braucht es jedoch ungehinderten Zugang.

Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit entwickelte sich die Krise in der Sahelzone 2020 in Ländern wie Mali, Tschad oder Niger dramatisch: Mehr als 2,9 Millionen Menschen sind dort derzeit auf der Flucht. Hinzu kommt, dass die Route für Flüchtlinge und Migranten durch die Sahara und nordafrikanische Länder sowie über die Seewege nach Italien, Malta und Spanien weiterhin einen verheerenden Tribut an Menschenleben fordern.

Obwohl sich die Zahl der Ankünfte über das Mittelmeer in Europa in 2020 im Vergleich zu 2019 deutlich verringert hat (72.751 im Vergleich zu 123.663) ist die Zahl der Menschen, die bei der Überfahrt ums Leben gekommen sind oder als vermisst gelten, nur geringfügig gesunken (1335 in 2019 und 1166 in 2020). Das Mittelmeer bleibt die tödlichste Außengrenze Europas. Insgesamt 23.023 Flüchtlinge und Migranten erreichten im letzten Jahr auch die Kanarischen Inseln. 480 Menschen starben bei dem lebensgefährlichen Versuch oder werden vermisst. Die Situation in den Aufnahmelagern auf den griechischen Inseln bleibt zudem besorgniserregend: Noch immer sind viele der Lager überbelegt und unzureichend ausgestattet.

Der größte Exodus in Lateinamerikas jüngerer Geschichte: Aus vielen Ländern der Region flüchten Männer, Frauen und Kinder vor Verfolgung, Gewalt und Perspektivlosigkeit. Politische Krisen, wie in Venezuela und Nicaragua, verstärken die soziale und wirtschaftliche Misere. Mangelnde Lebensmittelversorgung, ein zusammengebrochenes Gesundheitssystem und die steigende Kriminalität treiben die Menschen zur Flucht.

Rund 860.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar leben derzeit in Bangladesch. Ein Großteil von ihnen floh im August 2017 dorthin. Fast 80 Prozent der Geflüchteten sind Frauen und Kinder. Die Hilfsprojekte vor Ort sind allerdings stark unterfinanziert, nur etwas mehr als die Hälfte der benötigten Mittel stehen zur Verfügung. Hinzu kommen Bestrebungen der Regierung von Bangladesch, Rohingya-Flüchtlinge in Lager auf einer abgelegenen und vor allem überschwemmungsgefährdeten Insel zu bringen. Dies erschwert die Situation der Flüchtlinge zusätzlich.

Der UNHCR ist in allen Regionen vor Ort, um den Menschen vor Ort zu helfen, sei es eine medizinische Erstversorgung, Rechtsberatung oder um die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. Insgesamt wies das Budget des UNHCR in 2020 jedoch eine Finanzierungslücke von 43 Prozent auf. Es braucht aus Sicht der UNO-Flüchtlingshilfe daher ein erhöhtes Engagement, um den Menschen in den Krisenregionen zu helfen und eine Perspektive zu geben.

Unterstützungsmöglichkeiten unter www.uno-fluechtlingshilfe.de

Pressestelle: 
Marius Tünte
0228-90 90 86-47
[email protected]