UNHCR-Report

Syrien: Zwangsrekrutierung, Kinderarbeit, Diskriminierung und Einsamkeit

Viele syrische Flüchtlingskinder sind auf sich alleine gestellt oder von ihren Eltern getrennt, die meisten gehen nicht zur Schule und illegale Arbeit ist an der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kommt eine UNHCR-Studie über die Lebensbedingungen der syrischen Flüchtlingskinder, die heute am 29.11.2013 in Genf vorgestellt wird.

„Wenn wir nicht schnell handeln, wird diese Generation der Unschuldigen langfristig zu Opfern eines entsetzlichen Krieges“, so UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

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Syriens Kinder: Sie können nicht in die Schule gehen. Sie müssen den Lebensunterhalt ihrer Familie verdienen. Viele sind traumatisiert und brauchen psychologische Hilfe. Einige sind im Exil geboren und haben keine Papiere.

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Mahmoud ist 15. Seit drei Jahren geht er nicht mehr in der Schule. In Syrien hatten seine Eltern wegen des Bürgerkrieges Angst, den Sohn in die Schule zu schicken. Vor einem Jahr mussten sie ihr Dorf dann verlassen, nachdem eine Bombe das Nachbarhaus zerstört hatte. Die Familie floh Hals über Kopf, nur mit dem Notwendigsten, in den Libanon. Ihr Haus und die Schule wurden kurz darauf zerstört.

Im Libanon findet der Vater keine Arbeit und die Familie kann kaum die Miete für den kleinen Raum bezahlen, in dem sich die elfköpfige Familie drängt. Seit einem Monat hilft Mahmoud nun in dem Fischhändler nebenan. Er bekommt dafür 60 US-Dollar im Monat und unterstützt damit seine Familie. Mahmoud ist stolz darauf.

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  • Mahmoud in den Kellerräumen, in denen er mit seinen Eltern und den acht Geschwistern auf nur 2,5 x 3,5 Metern lebt. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
    Mahmouds Zuhause
    Mahmoud in den Kellerräumen, in denen er mit seinen Eltern und den acht Geschwistern auf nur 2,5 x 3,5 Metern lebt. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
  • Mahmoud hilft dem Fischhändler von nebenan, Fisch zu säubern. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
    Mahmouds Arbeit
    Mahmoud hilft dem Fischhändler von nebenan, Fisch zu säubern. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
  • Mahmoud war seit drei Jahren nicht in der Schule. Stattdessen hilft er den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
    Lebensunterhalt verdienen
    Mahmoud war seit drei Jahren nicht in der Schule. Stattdessen hilft er den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
  • Mahmoud mit seinen Freunden. Die Hälfte der 500 Bewohner dieser Kellerräume in El Akbiya, Libanon, sind Kinder. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
    Mahmoud und seine Freunde
    Mahmoud mit seinen Freunden. Die Hälfte der 500 Bewohner dieser Kellerräume in El Akbiya, Libanon, sind Kinder. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
  • Mahmoud mit seinem Vater in ihrem gemieteten Wohnraum. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
    2,5x3,5m zum Leben
    Mahmoud mit seinem Vater in ihrem gemieteten Wohnraum. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
  • Mahmoud vor dem Eingang zum Wohnraum. Vor zwei Monaten wurde er auf der Straße von zwei Männern mit einem Messer bedroht und beschimpft. Ihm gelang es zu fliehen und nach Hause zu rennen. Jetzt hat Mahmoud Angst auf die Straße zu gehen und bleibt lieber im Keller. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
    Mahmouds Angst
    Mahmoud vor dem Eingang zum Wohnraum. Vor zwei Monaten wurde er auf der Straße von zwei Männern mit einem Messer bedroht und beschimpft. Ihm gelang es zu fliehen und nach Hause zu rennen. Jetzt hat Mahmoud Angst auf die Straße zu gehen und bleibt lieber im Keller. (Foto: UNHCR/S. Baldwin)
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UNHCR-Report

Future of Syria - Refugee Children in Crisis

Den kompletten Report (in englisch) finden Sie multimedial aufbereitet unter:

unhcr.org/FutureOfSyria

Fluchtbewegung aus Syrien
Fluchtbewegung aus Syrien. (Quelle: UNHCR)

Meist ohne Vater oder ganz allein

Viele Kinder wachsen im Exil in zerrissenen Familien auf. Über 70.000 Flüchtlingsfamilien müssen ohne Vater zurecht kommen und 3.700 Kinder sind gänzlich auf sich allein gestellt oder wurden von beiden Eltern getrennt. Das führt dazu, dass Kinder häufig den Lebensunterhalt ihrer Familien bestreiten müssen.

Kinderarbeit alltäglich

Flüchtlingsfamilien ohne finanzielle Ressourcen schicken ihre Kinder in vielen Fällen arbeiten, um ein Überleben zu sichern. Sowohl  Libanon als auch in Jordanien gibt es Kinder, die zum Teil nicht älter als sieben Jahre sind und viele Stunden für wenig Geld arbeiten müssen, viele von ihnen unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Im Flüchtlingslager Zaatari beschäftigen die Mehrzahl der 680 kleinen Geschäfte Kinder. Die Hälfte aller Flüchtlingshaushalte in Jordanien sind teilweise oder völlig auf die Arbeit von Kindern angewiesen.

UNHCR-Sondergesandte Angelina Jolie sagte: „Die Welt muss eine Generation von traumatisierten, isolierten und leidenden Kindern vor der Katastrophe retten.“

Physische und Psychische Folgen

Der bereits 32-Monate andauernde Konflikt hinterlässt physische und emotionale Narben. Im Libanon wurden in der ersten Jahreshälfte 741 verwundete syrische Kinder behandelt. In Jordanien wurden im Flüchtlingslager Zaatari im letzten Jahr rund 1.000 Kinder mit Kriegsverletzungen versorgt.

Aggression und Wut auf die Krise sind ebenfalls weit verbreitet: In Diskussionen mit jugendlichen Flüchtlingen wurde deutlich, dass mehrere nach Syrien zurück und kämpfen wollen. Es gibt auch Berichte von Jungen, die explizit für einen Kampfeinsatz in Syrien trainieren.

Kein Schulbesuch, keine Dokumente

Die UNHCR-Studie dokumentiert für viele Flüchtlingskinder auch ein schmerzhaftes Leben voller Einsamkeit, Ausgrenzung und Unsicherheit. Von den interviewten Kindern gaben 29 Prozent an, ihr Zuhause nur einmal in der Woche oder seltener zu verlassen. „Zuhause“ bedeutet dabei zumeist ein überfülltes Apartment, eine provisorische Unterkunft oder ein Zelt. Viele Kinder haben keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. Im Libanon sind mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder nicht in der Schule, das sind rund 200.000.

Ein weiteres schwerwiegendes Problem ist die hohe Anzahl an Kindern, die im Exil geboren werden und keine Geburtsurkunden haben. Dabei sind diese wichtige Dokumente, um Staatenlosigkeit vorzubeugen. 77 Prozent von 781 Flüchtlingsbabies im Libanon hatte keine offiziellen Geburtsurkunden.

Internationale Hilfe und Unterstützung für Kinder nötig

Mitlerweile gibt es 1,1 Millionen syrische Flüchtlingskinder, die meisten von ihnen in den Nachbarländern. Um das Leid der Kinder zu lindern, werden enorme Anstrengungen von UN-Organisationen, NGOs und Aufnahmeländern unternommen.

Damit noch mehr Kinder Hilfe bekommen appellieren UN-Flüchtlingskommissar Guterres und Sondergesandte Jolie an die Staatengemeinschaft, Syriens Nachbarländer zu unterstützen, damit sie ihre Grenzen offen halten und Flüchtlinge entsprechend beherbergen können.

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