Buchempfehlung: Fluchtgeschichte aus dem Iran

33 Bogen und ein Teehaus

Titelseite 33 Bogen und ein Teehaus

Die kleine Mehrnousch wächst wohlbehütet im Iran der 70er Jahre auf. Der Sturz des Schahs und die Machtergreifung der Ayatollahs verändert jedoch das Leben der Familie. Als ihr Bruder in Gefahr ist, in den Krieg geschickt zu werden, flieht die Familie über Istanbul und Ostberlin nach Westdeutschland.

Das Schulmädchen Mehrnousch erzählt von ihrem Leben in der iranischen Stadt Isfahan, von ihren Lieblingsplätzen, der Dreiunddreißig-Bogen-Brücke, den Geschichten, die die Mütter ihren Kindern erzählten. Gleichzeitig beobachtet sie genau, wie die Erwachsenen mit den politischen Ereignissen im Land, den Auswirkungen der Revolution auf das tägliche Leben und ihrer Flucht umgehen.

Obwohl sie nicht alles versteht, berichtet Mehrnousch ganz nüchtern - ohne zu beschönigen oder zu dramatisieren - was dies alles für sie selbst bedeutet. Aus Kindersicht wird die Absurdität von Krieg, Flucht und Willkür deutlich. Es ist eine Geschichte, die von Trauer und Zweifel erzählt, die aber gleichzeitig voller Hoffnung ist. Eingebettet in einen lyrischen Erzählrahmen, schlägt die Autorin gekonnt einen Bogen von der eigenen Geschichte hin zu Fluchtgründen und Flüchtlingsschicksalen.

In Deutschland erfährt die Familie die Ohnmacht gegenüber Behörden und der fremden Umgebung. Nach einer Odyssee durch viele Flüchtlingsheime finden sie schließlich in Heidelberg eine neue Heimat.

Fazit:

Ein wunderschönes Buch - wäre da nicht das traurige Thema - das durch eine märchenhafte Erzählkunst besticht. Durch die einfache Sprache ist das Buch für Kinder geeignet. Jugendliche und Erwachsene erfahren, eingebunden in die poetische Erzählweise des Buches, etwas über ein Kapitel der Geschichte, das bis in unsere Zeit hinein wirkt.

Für Leserinnen und Leser ab 12 Jahren.

2016, Peter Hammer Verlag
Autorin: Mehrnousch Zaeri-Esfahani
ISBN 978-3-7795-0522-8
EUR (D) 14.90