22.02.2016

Europa: Jeden Tag ertrinken 2 Kinder im Mittelmeer

Seit September 2015 sind durchschnittlich zwei Kinder pro Tag im Mittelmeer ertrunken. UNHCR warnt zusammen mit IOM und UNICEF, dass immer mehr Kinder unter den Opfern im Mittelmeer sind. Zusammen rufen die Organisationen zu mehr Sicherheit für Menschen auf der Flucht vor Konflikten und Hoffnungslosigkeit auf.

Griechische Freiwillige helfen einem Flüchtlingskind auf der Insel Lesbos an Land.

Griechische Freiwillige helfen einem Flüchtlingskind auf der Insel Lesbos an Land. Foto: UNHCR/A.Zavallis

Der Teil der Ägäis zwischen der Türkei und Griechenland ist eine der tödlichsten Strecken für Flüchtlinge und Migranten weltweit. Die winterlichen Wetterbedingungen, überladene Boote, die ebenso wie die Schwimmwesten, häufig von schlechter Qualität sind, erhöhen das Risiko zu kentern, womit die Überfahrten noch gefährlicher werden. Seit September sind mehr als 340 Kinder im östlichen Mittelmeer, viele von ihnen Babys und Kleinkinder, ertrunken. Es wird befürchtet, dass die tatsächliche Opferzahl noch höher liegt.

Legale Wege nach Europa schaffen

„Die tragischen Tode im Mittelmeer sind unerträglich und müssen aufhören“, sagt der UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. „Es bedarf definitiv mehr Bemühungen, um Schmugglern und Menschenhändlern Einhalt zu gebieten. Viele der Kinder und Erwachsenen, die bei der Überfahrt gestorben sind, machten sich auf dem Weg, um ihre Familien in Europa wiederzutreffen. Die Schaffung legaler und sicherer Wege, wie z.B. Resettlementprogrammen und Familienzusammenführungen, müssen nun eine absolute Priorität einnehmen, wenn wir die Zahl der Todesopfer reduzieren wollen“, fügte er hinzu. Der UNO-Generalsekretär berief für den 30. März in Genf ein hochrangiges Treffen ein, um mehr legale Wege für die Aufnahme syrischer Flüchtlinge zu schaffen.

 „Wir dürfen uns nicht länger vor der Tragödie abwenden, dass so viele unschuldige junge Menschen zu Opfern werden – und wir dürfen nicht mehr versagen, die Gefahren, denen viele weitere Kinder ausgesetzt sein werden, zu adressieren“, sagt UNICEF-Direktor Anthony Lake. „Vielleicht sind wir momentan nicht in der Lage, die verzweifelte Situation, die diese Menschen zur Überfahrt über das Mittelmeer treibt, zu beenden, aber Staaten können und müssen dafür sorgen, ihre gefährlichen Reisen sicherer zu machen. Niemand setzt ein Kind in ein Boot, wenn es sicherere Alternativen gibt.“

Immer mehr Kinder flüchten über das Mittelmeer

Mittlerweile sind 36 Prozent der Flüchtlinge, die in Europa ankommen, Kinder und somit ist proportional das Risiko für Kinder bei den Überfahrten gestiegen. In den ersten sechs Wochen des Jahres ertranken 410 Menschen der 80.000 Personen, die über das Mittelmeer kamen. Das entspricht einer 35-fachen Steigerung im Vergleich zu 2015.

„Die Leben zu zählen ist nicht genug. Wir müssen handeln“, sagt William Lacy Swing, Generaldirektor der IOM in Genf. „Das Problem ist nicht nur auf das Mittelmeer beschränkt oder auf Europa. Wir steuern auf eine humanitäre Katastrophe zu, die das Engagement der ganzen Welt erfordert. Das Erdbeben in Haiti 2010 oder der Tsunami in Südostasien 2004 waren keine Katastrophe, die nur eine Hemisphäre betrafen. Diesen Katastrophen wurde mit humanitärer Hilfe aus der ganzen Welt begegnet. Dies ist auch in der aktuellen Situation nötig.“