19.04.2017

Afrika: UNHCR warnt vor Hungerkatastrophe

UNHCR warnt vor dem zunehmenden Risiko einer Hungerkatastrophe am Horn von Afrika, Jemen und Nigeria. Grund dafür ist eine Dürre in der Region, die Vertreibung von Menschen durch Krieg und Gewalt sowie die Unterfinanzierung der humanitären Hilfsmaßnahmen, die eine Katastrophe verhindern könnten. Insgesamt sind rund 20 Millionen Menschen in diesen Ländern von einer Dürre betroffen. Unter ihnen 4,2 Millionen Flüchtlinge.

Hungersnot in Somalia, Südsudan, Jemen und Nigeria befürchtet.

Die zweijährige Nyanchau Teny trinkt eine Infusion aus Blättern des Neembaums in Rumbek im Südsudan. Pflanzenteile des Niembaums werden genutzt um Husten, Durchfall und Erbrechen zu behandeln. Foto: UNHCR/R.Nuri

Viele Flüchtlinge haben keinen vollen Zugang zu Existenzgrundlagen, Landwirtschaft oder selbstständiger Lebensmittelproduktion. Ihre Möglichkeiten für sich selbst zu sorgen und damit ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, sind stark eingeschränkt. Darum sind sie fast gänzlich auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Flüchtlingskinder leiden besonders
Kinder machen rund die Hälfte aller Flüchtlinge aus (sogar 62 Prozent unter Flüchtlingen aus dem Südsudan). Sie leiden in vielerlei Hinsicht unter der angespannten Finanzierungslage der humanitären Organisationen. Aufgrund der Finanzierungslücke werden Nahrungsmittelrationen auch für Flüchtlingskinder gekürzt. Viele Flüchtlingskinder können keine Schule besuchen. Allein in Kenia können aufgrund der Dürre 175.000 SchülerInnen nicht mehr die Schule besuchen. In Äthiopien mussten 600 Schulen schließen. Insgesamt könnten rund fünf Millionen Kinder in den nächsten Wochen und Monaten betroffen sein.

Südsudan
Große Einbrüche bei Ernten, der Konflikt im Südsudan in Kombination mit der Trockenheit führt zu Hungersnot und Fluchtbewegungen. Bereits im Februar warnten UN-Organisationen, dass die Kämpfe, die Sicherheitslage, der fehlende Zugang zu Hilfe und die zusammenbrechende Wirtschaft dazu führen, dass rund 100.000 Menschen akut vom Hungertod bedroht sind und eine weitere Million Menschen am Rande einer Hungersnot stehen.

Somalia
Die unsichere Lage in Somalia führt zu einer hohen Vertreibung innerhalb des Landes. Seit November 2016 sind 500.000 Menschen vertrieben worden. Mehr als 72.000 Flüchtlinge haben in der Hauptstadt Mogadischu Zuflucht gesucht. Rund 69.000 haben sich nach Baidoa im Südwesten des Landes aufgemacht.

In Somalia ist die Rate der Unterernährung sehr hoch, die besonders Kinder und stillende Mütter betrifft. In der Dollo Ado Region im Südosten Äthiopiens sind 50 bis 79 Prozent der neu ankommenden somalischen Flüchtlingskinder (im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren) von Mangelernährung betroffen.

Jemen
Im Jemen, wo sich mit 19 Millionen auf Unterstützung angewiesene Menschen die größte humanitäre Krise der Welt abspielt, sind rund 17 Millionen unter ihnen von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen. Der Nahrungsmittelbedarf wird als der entscheidende Faktor für Vertreibung in drei Viertel aller Regionen, in denen Binnenvertriebene leben, genannt.

Nigeria
Im Norden Nigerias sind sieben Millionen Menschen von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen und brauchen Unterstützung. Innerhalb Nigerias sind mittlerweile über zwei Million Menschen auf der Flucht vor der Gewalt der Boko Haram.

Finanzierungslücken müssen geschlossen werden
Bereits 2011 kostete eine Dürre am Horn von Afrika mehr als 260.000 Menschen das Leben – die Hälfte von ihnen waren Kinder unter fünf Jahren. Zusammen mit Partnern verstärkt UNHCR seine Anstrengungen vor Ort und erinnert die internationale Gemeinschaft daran, dass eine Finanzierung der Hilfsmaßnahmen dringend erforderlich sind. Für den Südsudan, Somalia und Jemen sind die Maßnahmen nur zwischen drei und elf Prozent finanziert.