12.09.2017

Bangladesch: 313.000 Menschen brauchen dringend Hilfe

Seit Ausbruch der Gewalt in Rakhine in Myanmar im August sind 313.000 Rohingya in das benachbarte Bangladesch geflohen, schätzen UN-Organisationen. Berichten zufolge sind viele Menschen noch immer im Land auf der Flucht und versuchen durch unwegsames Gelände zur Grenze in Sicherheit zu gelangen. UNHCR hat eine Luftbrücke gestartet, die erste Hilfsgüter für 25.000 Menschen nach Bangladesch bringt.

Rohingya-Flüchtlinge warten in Bangladesch auf Unterstützung. Foto: UNHCR/A.Dean

“Ich habe nichts mehr”, sagt der 45-jährige Jaheed Hussain. Jaheed sitzt in einem offenen Unterstand aus Bambusstangen und einer Plane, die er von einer Familie aus dem Dorf bekommen hat. Diese soll die Familie vor den heftigen Regenfällen im Monsun schützen.

In der Hand hält Jaheed eine Schale mit wässrigem Brei. "Wir haben etwas zu Essen mitgebracht, als wir flohen. Es wird noch für zwei Tage reichen", fügt er hinzu. "Wir konnten kein Geld mitnehmen. Ohne die Leute im Dorf hätten wir jetzt nichts mehr."

Jaheed floh aus Debunia in Maungdaw, als dort Gewalt ausbrach. “Ich habe gesehen, wie fünf meiner Nachbarn erschossen wurden.” Vom Hügel kann man über die Grenze nach Myanmar sehen. Rauch steigt auf. "Das Dorf brennt", sagt Jaheed. Neuankömmlinge berichten, dass dort nichts mehr geblieben ist.

Warten auf Hilfe
Entlang der Straße sitzen viele Flüchtlinge mit den wenigen Habseligkeiten, die sie auf ihrer Flucht mitnehmen konnten. Manchmal halten Laster, nehmen Flüchtlinge mit oder verteilen Säcke mit gepufftem Reis.“Wir leben wie Bettler”, klagt Hotija. “Wir warten am Straßenrand und hoffen, dass uns jemand etwas gibt.”

Hotija floh mit den sieben Kindern und der kranken Mutter. Aus einem alten Reissack haben sie sich eine Unterkunft gebaut, die beim nächsten Regen zusammenzubrechen droht. Darunter liegen drei der Kinder mit Fieber. “Ich habe seit zwei Tagen nichts mehr gegessen”, erzählt ihr Mann Nur.

“Ich weiß nicht, ob er noch lebt oder tot ist.”

Als es Abend wird, sieht man überall das spärliche Licht von Mobiltelefonen und Fackeln. Am Fuße des Hügels sitzen hunderte Menschen im Matsch. Unter ihnen Aziza, die eine kleine Tasche an sich drückt, und  ihre Söhne.

“Wir warten hier”, sagt die 50-Jährige. “Ich hatte mehrere Planen, aber als die Kämpfe begannen, ließ ich alles fallen und rannte.” Ihr Mann wurde von einer Kugel getroffen. Aziza nimmt ein Foto und zeigt auf den Mann in der Mitte.

Doch im Moment sorgt sich Aziza vor allem um das Überleben ihrer Söhne. “Ich habe vor zwei Tagen das letzte Mal gegessen. Wenn uns niemand hilft, verhungern wir.” Sie kramt noch einmal in ihrer Tasche und holt zwei zerknitterte Ausweise von 1950 heraus. “Dies sind meine Großeltern.” Ihre Söhne blicken still vor sich hin. Sie sagen, sie hätten Zweifel, ob sie ihre Heimat jemals wiedersehen.

Nothilfe für über 300.000 Menschen
Auf den Hügeln von Thangkali stehen die Zelte der UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Dort werden die neu ankommenden Rohingya mit Lebensmitteln und Wasser versorgt und bekommen medizinische Hilfe. In den zwei Flüchtlingslagern Kutupalong und Nayapara hat sich die Zahl der Bewohner wegen dem Zustrom mehr als verdoppelt.

UNHCR hat eine Luftbrücke gestartet, die erste Hilfsgüter für 25.000 Menschen nach Bangladesch bringt. Weitere Flüge mit Material für die Unterstützung von bis zu 120.000 Menschen sind geplant.