30.10.2017

Bangladesch: Registrierung von Flüchtlingen schreitet voran

Damit Hilfsorganisationen eine Grundlage für ihre wichtige Arbeit haben, werden die Flüchtlinge in Bangladesch, die aus dem Nachbarland Myanmar geflohen sind, von UNHCR-Teams gezählt und registriert.

Stolz hält Dolu die neue Karte in der Hand, die ihr UNHCR-Mitarbeiterin Zakia gegeben hat. Foto: UNHCR/R.Arnold

Die 75-jährige Dolu kommt an den Eingang ihrer Notunterkunft und erzählt der UNHCR-Mitarbeiterin Zakia wie sie heißt, woher sie kommt und wie viele Menschen bei ihr wohnen. Zakia notiert alles in ihr Smartphone, vermerkt den GPS-Standort und macht schließlich noch ein Foto von Dolu und ihrer Tochter Reza. Dann bekommen die beiden eine gelbe Plastikkarte, die von der Regierung Bangladeschs ausgegeben wird und auf der eine Familiennummer vermerkt ist.

Zakia bindet eine weitere Plastikkarte an den Bambuspfahl am Eingang und verabschiedet sich. “Endlich habe ich eine Adresse”, sagt Dolu. “Ich bin alt, ich bin krank und ich bin es leid herumzuziehen. Mein Leben wird nun etwas ruhiger.”

Mutter und Tochter gehören zu mehr als einer halben Million Rohingya, die seit August aus Myanmar geflohen sind. Die meisten der Flüchtlinge halten sich in der Nähe der Flüchtlingslager Kutupalong und Nayapara im Südosten Bangladeschs auf.

Systematische Zählung der Flüchtlinge
Die systematische Familienzählung begann mit 120 Mitarbeitern, die in 10 Teams aufgeteilt durch die Flüchtlingssiedlungen gehen und an jedem Zelt die Menschen registrieren. Innerhalb von zwei Wochen, so das Ziel, sollen etwa 105.000 Haushalte mit rund 525.000 Personen erreicht werden.

“Bei so einer großen Bevölkerung sind die Daten  für die Verteilung von Hilfe besonders wichtig – egal ob es Lebensmittel, Küchensets, Planen oder irgendetwas anderes ist”, erklärt die Registrierungsspezialistin vom UNHCR, Laura Giammarinaro. ”Wenn du nicht weißt, wer die Leute sind, wie viele zu der Familie gehören und wo sie sind, ist es nicht möglich, effizient zu organisieren.”

Für die Zählung werden die Hügel, die zum Teil chaotisch mit Zelten, Schuppen und Unterständen bebaut sind, in Zonen und Blocks aufgeteilt. UNHCR arbeitet eng mit den Flüchtlingskomittees zusammen, die Listen mit den Einwohnern angelegt haben, um die Menschen zu finden. Durch die Registrierung können insbesondere die Personen erfasst werden, die besondere Unterstützung brauchen.

“Die Leute zu finden, ist manchmal recht schwierig. Mit den Daten wissen wir später, wo die Familien sind und welche Bedürfnisse sie haben”, sagt Giammarinaro. “Später können die ausgebildeten Helfer dann zurück zu den Familien gehen. Sie können dann die Hütte finden, in der zum Beispiel unbegleitete Flüchtlingskinder, alleinstehende Eltern oder Flüchtlinge mit Behinderungen leben.”

Ein Zeichen der Hoffnung und der Zukunft
Etwas unterhalb von Dolus Hütte wohnt Jafur Alam. Für ihn ist die neue Plastikkarte ein Zeichen der Hoffnung, denn er sucht seine 17-jährige Tochter, die seit mehreren Tagen vermisst wird. “Wenn ich meine Familiennummer bei den Behörden angebe, können sie mich sofort benachrichtigen, wenn sie sie finden”, erklärt er.

Neben den praktischen Vorteilen, die die Karte bietet, ist sie auch ein erster Schritt hin zu einer Art Ausweis für die Flüchtlinge. Es wird geschätzt, dass etwa eine Million Rohingya staatenlos sind. “Ich hatte noch nie so eine Karte”, sagt der 80-jährige Mohammad Busho, der vor seinem Zelt sitzt. “Vielleicht bekommen wir jetzt Hilfe.”