30.05.2018

Bangladesch: Rohingya-Flüchtlinge lernen andere in Not zu unterstützen

Im Flüchtlingslager Kutupalong wurden Freiwillige unter den Rohingya-Flüchtlingen ausgebildet, um Flüchtlinge bei Problemen zu unterstützen und sie sowohl praktisch als auch mental auf die kommende Monsunzeit vorzubereiten.

Die 18-jährige Formin hilft der Großmutter Hanibi in einem langen Gespräch.

Die 18jährige Formin hilft der Großmutter Hanibi in einem langen Gespräch. Foto: UNHCR/C.Gluck

Die siebzigjährige Hanibi kann nichts mehr essen und auch nicht mehr schlafen. Die Gedanken an die zwei Familienangehörigen, die erschossen wurden, verfolgen sie noch immer. Auch sorgt sie sich, ob ihre Bambushütte im Flüchtlingslager Kutupalong dem kommenden Monsun trotzen wird.

Die freiwillige Helferin Formin drückt ihr die Hand. “Sorg Dich nicht zu sehr. Hier bist Du sicher und Du must stark bleiben. Deine Enkelin ist auf Dich angewiesen. Hier gibt es Menschen, die Dir helfen“, versichert sie der alten Dame.

Formin ist zwar erst 18 aber sie ist eine selbstbewusste junge Frau. Zusammen mit mehreren hundert Rohingya-Flüchtlingen hat sie ein dreitägiges Training absolviert, bei dem unter anderem erste Hilfsangebote bei psychologischen Problemen erörtert wurden. Die Freiwilligen sollen nun ihre Mitflüchtlinge unterstützen.

“Nach dem Workshop habe ich erstmal realisiert, dass es hier viele Menschen gibt, die irgendeine Art von psychischer Unterstützung brauchen”, sagt Formin. “Die Leute hier tragen immer noch sehr starke Erinnerungen an die Gewalt mit sich herum, die sie in Myanmar erlebt haben. Viele haben männliche Familienmitglieder verloren und müssen sich nun allein durchschlagen und dazu kommt, dass die Menschen sich Sorgen wegen dem Monsun machen, über das tägliche Überleben.”

Vorbereitungen auf den Monsun
Die Ungewissheit, was die nächsten Monate bringen werden, erzeugt bei vielen Flüchtlingen Stress. Die Menschen, die in den überfüllten Flüchtlingssiedlungen wohnen, fürchten dass es bei heftigen Regenfällen zu Erdrutschen, Überschwemmungen kommen könnte und dass die zu erwartenden Stürme ihre Hütten beschädigen könnten.

UNHCR arbeitet mit Partnerorganisationen daran, die Gefahren in den überbelegten Siedlungen zu mindern. Flüchtlinge werden in sicherere Gebiete umgesiedelt, Unterkünfte, Steigungen, Wege, Straßen und Brücken verstärken.

“Alle haben Angst vor den Naturkatastrophen”, erzählt der 24-jährige Mohammed Mostafa Kamal, der auch an einem Training teilgenommen hat. “Wir wissen nicht, ob wir uns vor einer Katastrophe retten können.” “Jeder reagiert anders”, pflichtet sein Kollege Ayub Khan hinzu. “Menschen, die Familienangehörige zurücklassen mussten, wie ich, sind nicht im Frieden mit sich. Sie können das nicht vergessen. Die Sorgen über den Monsun verstärken diese Ängste.”

In den Trainingskursen lernen die Freiwilligen praktische Maßnahmen, um den Menschen die Ängste zu nehmen. Außerdem sollen sie lernen, solche Menschen zu identifizieren, die besondere Probleme haben und professionelle Hilfe benötigen.

“In solchen Flüchtlingssituationen, in denen die traditionellen Strukturen zusammengebrochen sind, die normalerweise Halt geben, ist es wichtig zu schauen, wie man das Selbsthilfepotential innerhalb der Flüchtlingsgemeinschaft stärken kann”, erklärt UNHCR-Expterte Mohamed Elshazly. “Dazu gehört, den Flüchtlingen einen sicheren Ort zu bieten, wo sie Erfahrungen austauschen, Lösungen suchen und sich gegenseitig unterstützen können.”

Das Wichtigste: Sich verstanden fühlen
Im Flüchtlingslager Kutupalong verabschiedet sich Formin von der Großmutter Hanibi. “Ich danke Formin, weil ich jetzt ein wenig Frieden habe”, sagt sie erleichtert. “Es hat gut getan mit ihr zu sprechen. Wir teilen die gleichen Erfahrungen, aus unsere Dörfern zu fliehen. Ich fühle mich ihr nah – es ist anders als zu einem Fremden zu sprechen.”

Freiwillige wie Formin sind stolz darauf anderen in der Gemeinschaft helfen zu können, obwohl sie selber Probleme haben. Formin erzählt, dass sie im Training gelernt hat, den Familien, die sie trifft, besser zuzuhören, ihre Probleme zu identifizieren und ihnen Rat zu geben. “Ich weiß, wie ich sie trösten kann, was ich ihnen raten kann, damit sie sich wegen der Zukunft etwas besser fühlen“, sagt sie.