20.04.2018

Bangladesch: Rohingya-Witwen brauchen Unterstützung

Unter den Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch gibt es mindestens 31.000 Familien, die sich ohne männliches Familienoberhaupt durchschlagen müssen. Oft wurden die Männer getötet oder sind in Myanmar vermisst. Die Frauen müssen sich um eine Unterkunft, um Essen und um die Zukunft ihrer Familie kümmern. Seit August 2017 sind mehr als 687.000 Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflohen.

Eine Rohingya-Witwe steht mit ihren drei Kindern auf einer Anhöhe.

Sufia Khatun ist Witwe, nachdem ihr Mann im August in ihrem Dorf mit einer Machete erschlagen wurde. Sufia floh mit ihren fünf Kindern und einem Enkel nach Bangladesch. Dort ist sie nun allein für die Familie verantwortlich.

Sufia sitzt auf dem Boden ihres Unterstandes, ihren dreijährigen Enkel Mohammad Hossen im Schoss und erzählt : “Unsere größte Sorge sind die Lebensmittel … Die Rationen, die wir jeden Monat bekommen, sind nicht groß genug für uns und wir mussten 10 Kilo Reis von unseren Nachbarn leihen.”

Auch die 40-jährige Khatemunnesa, die in einem mit Plastik verstärkten Bambusunterstand lebt, berichtet, dass ihr Mann Rahmat Ullah getötet wurde, als der Mob ihr Heimatdorf in Brand steckte. Als sie Hals über Kopf floh, sah sie noch, wie ihr Schwiegersohn in ihrem Vorgarten angegriffen wurde. “Vorher hätte mein Mann das Haus wetterfest gemacht und jetzt, wo der Monsun kommt,  muss ich das selber versuchen”, sagt sie.

Rehena Begum, 45, braucht Feuerholz zum Kochen, aber ihre Töchter will sie nicht schicken, weil sie fürchtet, dass die Flüchtlingssiedlung nicht sicher ist. “Sie sind schon jetzt von der Gewalt in Myanmar geschockt. Sie haben gesehen, wie Menschen gedemütigt wurden”, sagt Rehena und spielt damit auf Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe an. „Ich habe Angst um sie, wenn sie jetzt rausgehen.”

Vom Kampf ums Überleben zur Gestaltung der Zukunft
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), Partnerorganisationen und die Regierung in Bangladesch haben die Aufgabe übernommen, Flüchtlingsfrauen, Sufia, Khatemunesa und Rehena dabei zu unterstützen, ihr Leben mit Selbstbewusstsein in die eigene Hand zu nehmen, nachdem sie ihr Haus und ihre Angehörigen verloren haben. Das reicht von Ausbildungsangebote, medizinischer Unterstützung und frauen- und kinderfreundliche Zentren bis hin zu Freiwilligendiensten für den Transport von Baumaterial und Hilfen bei der Errichtung von Unterkünften.

“Es ist sehr wichtig, diesen Flüchtlingsfrauen, vor allem Witwen und alleinerziehenden Müttern, die Stärke zurückzugeben, die sie vorher hatten, um eine Familie zu führen” sagt UNHCR-Mitarbeiterin Shirin Aktar. “Wir müssen sie unterstützen, sie weiterbilden und ihnen das Selbstvertrauen und die Würde zurückgeben, damit sie ihr Leben weiterleben können, weil wir nicht immer da sein werden, um sie zu unterstützen.”

Hoffnung ist lebenswichtig
Sufia wünscht sich, dass ihr Enkelsohn viel lernt, damit er ein gutes Leben hat. Ganz zaghaft beginnt sie zu lächeln: „Ich muss positive denken, weil mich, wenn ich mir erlaube mir Sorgen zu machen der Tod auflauert. Man muss Hoffnung haben - das ist lebenswichtig.”