02.05.2018

Berlin: IT-Kurs für Flüchtlingsfrauen

In Berlin können Flüchtlingsfrauen in kostenlosen Computer- und Programmier-Kursen ihre IT-Kenntnisse auffrischen und Kontakte zu anderen Frauen knüpfen, die im Technologiesektor arbeiten. So bekommen die Frauen die Möglichkeit, ihre Zukunft neu zu gestalten.

Flüchtlingsfrauen die in einem IT-Kurs ihre Kenntnisse auffrischen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Im IT-Kurs frischen Flüchtlingsfrauen ihre Kenntnisse auf, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Foto: UNHCR/G.Welters

Die syrische Ingenieurin Anan Jakich riskierte ihr Leben, um ihre Familie in Sicherheit zu bringen. Jetzt lebt sie als Flüchtling in Deutschland und hat nun die Möglichkeit, nach einer langen und schwierigen Zeit, in ihrem Beruf wieder Fuß zu fassen.

“Wir wollten nur Sicherheit haben.”

Anan sitzt an einem Samstagmorgen mit ihren Mitschülerinnen zusammen und lauscht einem Vortrag über Netzsicherheit. Viele ihrer neuen Bekannten sind wie sie vor der Gewalt in ihrem Heimatland Syrien geflohen. “Ich konnte nicht mehr mit dieser Angst leben, oder mit den Sorgen um die Zukunft. Ich konnte nicht einfach dasitzen und warten, bis meine Familie in die schlimmsten Schwierigkeiten geraten würde”, erzählt Anan von ihrem Entschluss zur Flucht vor vier Jahren.

Die vierfache Mutter wusste, dass sie ihre Kinder außer Landes bringen musste. Doch die Flucht schien genauso gefährlich wie dazubleiben. “Wir haben versucht, einen sicheren Weg zu finden, aber das war unmöglich. Es war schwierig und gefährlich.”

Anan reiste in die Türkei und wollte von dort nach Griechenland übersetzen. Doch das überladene Schlauchboot geriet in Seenot, als es das offene Meer erreichte. Die Passagiere wurden kurzerhand auf einer unbewohnten Insel ausgesetzt. Als die Sonne unterging und noch immer keine Hilfe gekommen war, war Anan sich sicher, dass sie sterben würde.

24 Stunden in Todesangst

“Ich hatte Panik ... der Gedanke, dort auf der Insel zu sterben und nicht in Syrien und meine Familie, die auf mich wartete. Das war zu furchtbar”, erinnert sich Anan. Nach 24 Stunden, ohne Essen oder Wasser, wurden sie von Freiwilligen gerettet und nach Griechenland gebracht. Zwei Wochen später kam Anan in Deutschland an. Ihr einziger Gedanke, dass sie ihre Kinder in Sicherheit bringen musste.

Anan beantragte Familienzusammenführung. Als sie erfuhr, dass dies lange dauern würde, war sie am Boden zerstört. Während der Wartezeit lernte Anan Deutsch und machte mehrere Praktika. Nach langen 18 Monaten durften die Kinder endlich nachreisen. Erst ab diesem Zeitpunkt konnte sich Anan an den Gedanken machen, ihr Leben wirklich neu aufzubauen.

Ein Neuanfang in der Fremde

Für Anan ist das Wichtigste, eine Arbeit zu finden. In Syrien hatte sie nach dem Studium eine eigene Firma gegründet. Doch Anan merkte, dass sie in den Jahren ohne Computer und Internetanschluss viel verlernt hatte. Darum griff sie sofort zu, als sie von dem IT-Schulungsprogramm hörte.

Mit Unterstützung der OECD und dem UNHCR werden Programme gefördert, die darauf abzielen, das wirtschaftliche Potenzial von Flüchtlingen voll auszuschöpfen und damit für Flüchtlinge, Arbeitgeber und Gastgeber eine Win-Win-Situation zu ermöglichen.

Um mehr Frauen für das Programm zu interessieren, werden neben Kinderbetreuung und Dolmetschern auch ein Catering-Service angeboten. “Frauen auszubilden, wirkt sich immer besonders auf die Gesellschaft aus”, resümiert die Direktorin des ReDI Digital Women Programms, Edlira Kasaj. "Der Nutzen wird durch Familienstrukturen an viele Menschen weitergegeben."

Anan war eine der ersten Teilnehmerinnen und nutzt ihre neuen Kenntnisse bereits in einem Job für die Deutsche Bahn. Samstags nimmt sie nun oft auch ihre Kinder mit zur Schulung, damit diese vom informellen Netzwerk profitieren können. “Die Schule ist wie eine Familie. Das sind alles gute Menschen, die sich um uns kümmern und uns unterstützen. Wir sind alle sehr viel selbstbewusster als früher.”