07.10.2017

Burundi: Hilfe für Flüchtlinge unterfinanziert

In Burundi herrscht seit 2015 Gewalt, nachdem Präsident Pierre Nkurunziza ankündigte, für eine dritte Amtszeit zu kandidieren. Mehr als 400.000 Flüchtlinge haben Sicherheit in den Nachbarstaaten gesucht. Für ausreichende Hilfe für die Neuankömmlinge fehlen die finanziellen Mittel.

Flüchtlinge aus Burundi in Ruanda

Charlene mit ihrer Familie im Flüchtlingslager Mahama. Foto: UNHCR/A.Karumba

Alles, was Charlene und ihrem Mann Jean-Marie bleibt, ist in einer einzigen Tasche verstaut. Die beiden flohen mit ihren zwei Kindern als sie kein Geld mehr hatten, um die Milizen zu bestechen und die Drohungen immer weiter zunahmen. In einer kalten Nacht im Juni gelangten sie über die Grenze nach Ruanda.

Dort ist die Familie vorerst sicher im Flüchtlingslager Mahama untergekommen. Doch Charlene macht sich weiter Sorgen: "Wir haben nur ein paar Kleider mitgenommen", erzählt Charlene. "Man konnte nicht viel mitnehmen."

Hilfe dramatisch unterfinanziert
Bislang sind über 400.000 Flüchtlinge in den Nachbarstaaten Burundis, Ruanda (88.000), Uganda (37.000), Tansania (246.000)  37,000 in Uganda, Kenia (7.000) und der Demokratischen Republik Kongo (DRC) (40.000) aufgenommen worden. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat einen Hilfsplan erstellt, um die Flüchtlinge in der Region zu unterstützen. 429 Millionen US-Dollar werden für die dringendsten Hilfsgüter benötigt. Doch bislang sind nur 12 Prozent von den finanziellen Mitteln eingegangen.

“Durch die chronische Unterfinanzierung ist die Aufnahmesituation für Flüchtlinge aus Burundi  und ihr Schutz in den Gastländern stark beeinträchtigt”, sagt UNHCR-Koordinatorin in Burundi Catherine Wiesner.

Die Flüchtlinge leben in überfüllen Notunterkünften und es mangelt an sauberem Wasser und Lebensmitteln. In Tansania musste das Welternährungsprogramm (WFP) die Lebensmittelversorgung auf 60 Prozent reduzieren. In Ruanda leben die Flüchtlinge unter Plastikplanen, die heftigen Regenfällen nicht standhalten. Die Schulen für zehntausende Flüchtlingskinder sind überfüllt.

Gleichzeitig sei die medizinischen Versorgung nicht ausreichend, so Wiesner. “In vielen Gebieten, in denen Flüchtlinge untergebracht sind, steigt das Risiko der Ausbreitung übertragbarer Krankheiten wie Malaria oder Durchfall",  fügt sie hinzu. Es gibt oftmals nicht genug Latrinen.

"Wir haben keinen Platz mehr."

Im Flüchtlingslager Mahama leben mittlerweile mehr als 54.000 Flüchtlinge. "Der Platz, den wir haben, ist mittlerweile mit Unterkünften ausgefüllt", erklärt UNHCR-Mitarbeiterin Janet Pima. "Weil immer mehr Neuankömmlinge kommen, wird der Bedarf immer größer. Wir haben keinen Platz mehr, das ist im Moment unsere Hauptsorge."

Neu angekommene Flüchtlinge müssen deshalb in Mahama manchmal wochenlang warten, bis sie einen Platz zugewiesen bekommen - manchmal auch monatelang. Für ein kleines Land wie Ruanda ist die Zahl von Flüchtlinge aus Burundi ein großes Problem. UNHCR arbeitet deshalb auch mit Regierungsstellen zusammen, um eine Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen.

Doch die meisten Flüchtlinge aus Burundi, wie Charlene, denken noch nicht an die Rückkehr. Die Familie hat eine Unterkunft bekommen, Lebensmittel und andere Hilfsgüter und haben nun die Hoffnung, zu einem einigermaßen normalen Leben zurückzufinden. “Ich denke, wir werden uns an die Dinge gewöhnen, wenn wir sehen, dass es hier o.k. ist”, sagt Charlene.

“Wenn wir keinen weiteren Platz bekommen, werden die Flüchtlinge in den Notunterkünften zusammengepfercht und für längere Zeit im Aufnahmezentrum bleiben müssen”, fürchtet Pima. “Wir bitten dringend um finanzielle Mittel, um den Flüchtlingen aus Burundi zu helfen.”