05.07.2018

Die Furcht vor dem Monsun in Bangladesch: Eine Million Menschen in Not

Das Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch ist mittlerweile das größte Flüchtlingslager der Welt. Es liegt in einer der anfälligsten Regionen für Naturkatastrophen. Die Angst vor dem Monsun ist daher groß. UN-Generalsekretär und UNHCR-Chef Grandi waren vor Ort, um den Menschen die Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft auszudrücken – gerade in dieser schweren Zeit.

Ein Flüchtling rennt durch das von Naturkathastrophen heimgesuchte Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch.

Es donnert. Draußen prasselt Regen, drinnen sammelt sich der Schlamm. „Ein Sturm reicht, um uns alle wegzuschwemmen“, sagt Ayesha Begum in ihrer winzigen Notunterkunft, „Ich habe Angst um meine Kinder. Der Rest liegt in Gottes Hand!“

Ayesha Begum ist 45, Geflüchtete und hat als Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya Schutz in Bangladesch gefunden, wo sich das mittlerweile größte Flüchtlingslager der Welt, Kutupalong, kilometerweit in der Region erstreckt. Wie ihr geht es über 900.000 Flüchtlingen, die seit letztem August aus Myanmar nach Bangladesch geflohen sind. Vor Gewalt, Unterdrückung und Ausgrenzung. Doch auch wenn sie vor menschlich gemachtem Grauen auf der Flucht sind – der Natur sind sie und knapp eine Millionen weitere Menschen weiterhin ausgeliefert. Und dies in einer Region, die als eine der anfälligsten für Naturkatastrophen weltweit gilt.

Der UNHCR vor Ort: Hoher Kommissar Filippo Grandi besucht Kutupalong


Der Hohe Kommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, besuchte gemeinsam mit Generalsekretär António Guterres und Weltbank-Chef Jim Yong Kim vor Kurzem Kutupalong, um die Menschen vor Ort zu unterstützen und ihnen zu zeigen, dass die Welt in dieser schweren Zeit an ihrer Seite steht.

Das Engagement zeigt vorsichtig erste Wirkung. 18.000 Menschen konnten bereits umgesiedelt und in Sicherheit gebracht, 400 neue Zelte aufgebaut sowie Hygiene- und sanitäre Einrichtungen gebaut werden. Dennoch bleibt die Situation schwierig, die Nothilfeoperationen sind dramatisch unterfinanziert: runtergerechnet heißt das, wenn ein Euro gebraucht wird, sind nur 26 Cent davon vorhanden.

Auch Frauen, die vor sexueller Gewalt fliehen mussten, sind in großer Not, ebenso wie junge Mütter. Tausende Babys wurden unter größter Not im Lager selbst geboren, ohne ausreichende medizinische Versorgung. Auch hier tut der UNHCR unter den schwierigen Bedingungen sein Möglichstes: Gemeinsam mit den Partnern konnte eine Nothilfeklinik für Neugeborene errichtet werden.

Weiterhin schwierige Bedingungen


Es ist ein weiterer Schritt für Nothilfe vor Ort, die kurzfristig so dringend gebraucht wird. Immer noch kommen wöchentlich bis zu 50 Flüchtlinge in Bangladesch an. Als Teil einer mittel- und längerfristigen Lösung setzt sich der UNHCR dafür ein, in Myanmar die Bedingungen für eine sichere und dauerhafte Rückkehr der vielen Geflüchteten aus Bangladesch zu ermöglichen. „Wir wollen so schnell wie möglich nach Myanmar zurückkehren“, sagt einer der Ankommenden. Dafür braucht es menschenwürdige und sichere Voraussetzungen. Bis diese geschaffen sind, sind die Flüchtlinge weiterhin auf die Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft angewiesen, wofür sich der UNHCR heute und in Zukunft einsetzt.