11.06.2018

DRKongo: Geflüchtete Kinder zur Arbeit gezwungen

Die jahrzehntelangen Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo gehören zu den vergessenen Krisen dieser Zeit. Mehr als fünf Millionen Menschen sind entwurzelt – fast 800.000 leben als Flüchtlinge in diversen afrikanischen Staaten und 4,5 Millionen als Vertriebene im eigenen Land. Die Gewalt zerstört Menschenleben und die Hoffnung der nächsten Generationen auf eine friedliche Zukunft. Kinder und Jugendliche gehen nicht zur Schule weil sie ihren Familien helfen müssen.

Portrait der 14-jährigen Francoise. Sie hilft ihrem Vater Geld für die Familie zu verdienen.

“Ich wünschte, wir könnten aufhören Sand zu schleppen und wieder in die Schule gehen.” Die 14-jährige Francoise hilft ihrem Vater Geld für die Familie zu verdienen. Foto: UNHCR

An den Ufern des Lake Tanganjika packt die 14-jährige Françoise Sand in einen 25-Kilo Sack. Dann balanciert sie ihn vorsichtig auf dem Kopf bis zur einer Baustelle. In den vergangenen Monaten ist sie darin immer besser geworden.

Françoise ist nicht allein. Jeden Morgen kommt eine ganze Armee von Kindern an die Ufer des Sees – manche gerade mal 5 Jahre alt. Wie Françoise sind sie mit ihren Eltern vor der Gewalt in ihren Heimatgebieten geflohen. Sie können nicht mehr in die Schule gehen, weil sie ihre Familien mit schlecht bezahlten Jobs unterstützen müssen.

“Wir alle hier waren mal in der Schule; jetzt arbeiten wir, um Geld für etwas zu Essen zu verdienen,” sagt Françoise, während sie sich die Sandkörner aus den Haaren sucht. “Alle Kinder jammern, weil der Sand schwer ist und wir müde werden. Ich fühle mich krank, meine Beine schmerzen und mein Kopf tun die ganze Zeit weh.”

Sand ist in der Region ein beliebtes, weil billiges Baumaterial. An guten Tagen verdient Françoise bis zu 30 Cents für einen 25 Kilosack. Aber es ist nicht genug, damit die Familie gut leben kann, erzählt ihr Vater, Philippe Kika Malisawa, der neben seiner Tochter Sandsäcke trägt. “Unsere Eltern haben uns nie zu solch einer Arbeit gezwungen”, erinnert er sich. “Wir lehnten uns zurück und unser Vater brachte uns zu Essen. Aber jetzt, wo wir vertrieben wurden, leiden wir sehr.”

“Ich wünschte, wir könnten aufhören Sand zu schleppen und wieder in die Schule gehen”, meint Francoise.

In und um die Hauptstadt der Provinz Tanganjika, Kalemie, leben viele Binnenvertriebene in schmutzigen und überfüllten Lagern. UNHCR und Partnerorganisationen versorgen die Vertriebenen mit Baumaterial für Unterkünfte sowie anderen Hilfsgütern. Unterfinanzierung und neue Vertreibung aufgrund des Konflikts machen es jedoch immer schwieriger, auch nur die grundlegendsten Bedürfnisse der Binnenvertriebenen zu befriedigen. Die Menschen kämpfen um ihr Überleben und ihre Kinder tragen die Hauptlast dieser aussichtslosen Situation.

“Mein ganzes Leben bin ich vor dem Krieg geflohen”, sagt Françoise und wischt sich den Schweiß von der Stirn.