04.02.2019

Eritrea: Kinder finden ihre Mutter nach 8 Jahren Odyssee

Acht Jahre lang haben Kedija* und Yonas* ihre Mutter nicht gesehen. Acht Jahre versuchten sie alles, um zueinander zu kommen. Die Kinder durchlebten eine wahre Odyssee: Sie lebten allein im Flüchtlingslager, wurden gekidnappt und wagten die Flucht über das Mittelmeer, nur um danach in Libyen inhaftiert zu werden. Nach acht Jahren konnten sie ihre Mutter nun endlich in die Arme schließen.

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Die Schwierigkeiten begannen 2010, als ihre Mutter Semira* gezwungen war, das Land vor Verfolgung zu verlassen. Semira traf die für eine Mutter unendlich schwere Entscheidung, die Kinder bei den Großeltern zurückzulassen, weil sie sie dort in Sicherheit glaubte. Doch fünf Jahre später, mussten die Kinder ebenfalls außer Landes, weil die Unsicherheit zu groß wurde.

Flüchtlingslager

Kedija und Yonas fanden in einem Flüchtlingslager in Äthiopien nahe der Grenze zu Eritrea Zuflucht, wo sie ihr Onkel, der ebenfalls nach Äthiopien geflohen war, erst nach mehreren Monaten fand. Semira war mittlerweile in der Schweiz und hatte jeglichen Kontakt zu ihnen verloren.

“Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben, meine Kinder wiederzusehen”, sagt Semira.

Mitte 2017 brachen die Kinder mit dem Onkel auf, um irgendwie nach Europa und in die Schweiz zu gelangen. Hitze, Durst und Hunger nahmen sie in Kauf, während sie um die Mitfahrt in Bussen und LKWs bettelten. Ihr Ziel: die südliche Küste des Mittelmeeres.7

Menschenschmuggler

An der Grenze vom Sudan nach Libyen war ihr Glück zu Ende: Schmuggler nahmen die drei gefangen und als sie herausfanden, dass die Mutter in der Schweiz war, verlangten sie für ihre Freilassung Lösegeld. Doch Semira konnte die Forderungen der Kriminellen nicht erfüllen und so wurden die Kinder von ihrem Onkel getrennt und an andere Schmuggler weiterverkauft.

Kedija und Yonas waren nun allein und völlig hilflos. Nach mehreren Wochen fanden sie sich unvermutet irgendwo in der libyschen Wüste wieder.

Inhaftierung

Eine Gruppe Eritreer fand sie und nahm sie auf die nächste Etappe ihrer Flucht mit: mit dem Boot über das Mittelmeer. Doch das Boot wurde von der libyschen Küstenwache aufgebracht und alle Insassen in ein Internierungslager gebracht.

Dort hatte Kedija endlich die Gelegenheit, ihre Mutter anzurufen: „Ich verbrachte Tage und Nächte, für sie zu beten, obwohl alle Leute um mich herum begannen, die Hoffnung zu verlieren. Bis zu diesem Tag, als ich die Stimme meiner Tochter hörte – zum ersten Mal seit mehreren Monaten“, erinnerte sich Semira.

Die Mutter kontaktierte eine Schweizer Organisation in Libyen, die sich um Kinderrechte kümmert und zusammen mit den Kollegen des UNHCR begann eine schwierige Suche. „Es war wie die berühmte Nadel im Heuhaufen zu suchen“, erzählt UNHCR-Mitarbeiter Noor Elshin. Und als er in einem der Lager zwei magere, bleiche Kinder entdeckte, konnte er kaum glauben, dass dies die beiden Kinder von den uralten Fotos waren, die er bekommen hatte.

Die Schweizer Regierung erklärte sich dazu bereit, humanitäre Visa für die Kinder bereitzustellen. UNHCR erhielt von den libyschen Behörden die Einwilligung zur Freilassung der Kinder und von der tunesischen Behörden die Erlaubnis, sie über das Land in die Schweiz zu bringen. Und schließlich konnte Semira ihre Kinder nach acht Jahren wieder in die Arme schließen.

* Alle Namen aus Sicherheitsgründen geändert.