01.03.2017

Europa: 2016 das tödlichste Jahr im Mittelmeer

Nach der „Schließung“ der Balkanroute und dem Abkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei im März 2016 ist die Zahl der Ankünfte in Griechenland über das östliche Mittelmeer drastisch gesunken. Viele Menschen nehmen jedoch nun die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Italien auf sich und begeben sich in die Hände von Schleppern, weil legale Einreisemöglichkeiten nach Europa fehlen, so ein neuer UNHCR-Bericht.

Bootsfluechtlinge, die aus ihrem völlig überfüllten Schlauchboot im November 2016 auf dem Mittelmeer gerettet wurden. Foto: UNHCR/G.Carotenuto

180.000 Neuankünfte in Italien
Die Überfahrt über das zentrale Mittelmeer von Nordafrika nach Italien ist zur Hauptroute Richtung Europa geworden. Gleichzeitig steigt die Zahl derjenigen, die Europa über die westliche Mittelmeerroute zu erreichen suchen. Sie kommen entweder von Marokko und Algerien über das Meer nach Spanien oder durch den Grenzübertritt in die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 181.436 Menschen über das Mittelmeer in Italien an; über 90 Prozent von ihnen per Boot aus Libyen. Es sind Flüchtlinge und Migranten, die zum großen Teil aus Nigeria (21%) und Eritrea (11%) kommen.

Auffallend ist die zunehmende Anzahl unbegleiteter oder von ihren Begleitpersonen getrennter Kinder, die sich auf den Weg nach Italien machten – über 25.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge waren es im vergangen Jahr.

2016 das tödlichste Jahr im Mittelmeer
Nie zuvor wurden mehr Todesfälle im Mittelmeer gezählt als in 2016. Damit ist die Überfahrt nach Italien besonders gefährlich. Von den 5.096 toten oder vermissten Personen, sind 90 Prozent über das Meer nach Italien gekommen. Dies bedeutet, dass jeder 40. Mensch, der die Überfahrt riskiert, sein Leben verliert.

Balkanroute von Flüchtlingen genutzt
Die große Mehrheit derjenigen, die über die Türkei und Griechenland kommen, sind Menschen mit Schutzbedarf. Im vergangenen Jahr stammten 87 Prozent der Ankömminge in Griechenland aus den zehn größten Herkunftsländern von Flüchtlingen. In Serbien beispielsweise, kommen 82 Prozent der ankommenden Personen aus Afghanistan, Irak und Syrien. Knapp die Hälfte unter ihnen sind Kinder – 20 Prozent sind unbegleitete Kinder, wenngleich diese Zahl seit April 2016 gesunken ist.

Als Folge der verschärften Grenzmaßnahmen verlassen sich viele Menschen auf Schmuggler und nehmen große Gefahren auf sich, die 2016 zu vielen Todesfällen führten.

Zehntausende Menschen sind Berichten zufolge von Grenzbeamten an europäischen Grenzen zurückgedrängt worden. In vielen Fällen wurde mutmaßlich Gewalt angewendet, um die Menschen von einem erneuten Grenzübertritt abzuschrecken.

Berichte über Menschenrechtsverletzungen
UNHCR ist besorgt über Berichte, wonach Flüchtlinge und Migranten entführt worden seien, gegen ihren eigenen Willen über Tage festgehalten würden, physisch und sexuell missbraucht und von Schmugglern und kriminellen Banden an verschiedenen Punkten entlang der Route gefoltert würden.

„Der Bericht zeigt deutlich, dass Flüchtlinge und Migranten ohne legale und sichere Einreisemöglichkeiten große Risiken auf sich nehmen, um nach Europa zu gelangen. Dies schließt auch jene Menschen mit ein, die einfach versuchen wieder mit ihrer Familie vereint zu sein“, sagt Vincent Cochetel, Direktor des UNHCR Europa-Büros.