11.07.2017

Irak: Rückkehrer beginnen mit dem Wiederaufbau in Mossul

Nach monatelangen Kämpfen wurde die bisherige IS-Hochburg Mossul offiziell für befreit erklärt. Bei den Gefechten um Mossul wurden den UN zufolge mehr als 900.000 Menschen aus der Stadt vertrieben. Flüchtlinge kehren vor allem in den Ostteil der Stadt zurück und setzen damit ein Zeichen gegen die Gewalt. Die Infrastruktur ist schwer beschädigt, überall lauern Minen und nicht explodierte Munition. In der stark zerstörten Stadt sind die Rückkehrer und diejenigen, die während der Kämpfe dort ausharrten, auf Unterstützung angewiesen.

Mädchen in Mossul.

Ein kleines Mädchen sitzt in den Trümmern in der Stadt Mossul. Foto: UNHCR/H.Hariri

Als die Kämpfe immer näherkamen, wurde die Familie von Rabah Mahmoud Ali von bewaffneten Milizen aus ihrem Haus vertrieben. Nachdem die irakischen Truppen den Stadtteil wieder erobert hatten, kehrten sie zurück.

Das Dach und die erste Etage ihres Hauses sind durch Bomben zerstört, das Haus geplündert und die Fenster kaputt.  Doch Ali ist entschlossen, sein Leben so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Der Physiklehrer hat sich Geld geliehen und Bauarbeiter gefunden, die die Schäden ausbessern.

"Ich sehe optimistisch in die Zukunft", sagt Ali.

Nach Angaben der irakischen Regierung sind fast 90 Prozent der über 170.000 Menschen, die aus dem Ostteil der Stadt geflohen waren, schon wieder zurückgekehrt. Sie reparieren ihre Häuser, eröffnen die Läden und Unternehmen.

Als die IS-Milizen Mossul 2014 unter ihre Kontrolle brachten, begannen sie damit viele Schulen zu schließen. In anderen wurde ein neuer Lehrplan eingeführt. Die meisten Eltern nahmen ihre Kinder aus der Schule, um sie vor dem Einfluss der Extremisten zu schützen.

Ali ist froh, dass er nun wieder als Lehrer arbeiten kann und erzählt, dass die Schüler kaum warten können, wieder in die Schule zu gehen. “Ich kann in den Augen meiner Schüler sehen, wie entschlossen sie sind gute Schüler zu sein und zu lernen”, erzählt er. “Es ist, als wenn die Menschen ein neues Leben beginnen.”

Große Zerstörungen im Westen Mossuls
Die heftigen Kämpfe haben viele Straßen im Westen Mossuls in Schutt und Asche gelegt. Im Osten der Stadt ist die Zerstörung nicht ganz so dramatisch. Während die Menschen ihre Häuser reparieren, kehre so etwas wie Normalität ein, sagt ein Mitarbeiter einer Partnerorganisation von UNHCR. Unter ihnen seien auch viele Familien aus dem Westen Mossuls, die bei Freunden oder Bekannten unterkommen, weil sie nicht in die Flüchtlingslager außerhalb der Stadt ziehen wollen.

Taysir Mohammed Mahmoud besaß ein Restaurant in der Altstadt und lebt jetzt hier mit Frau, zwei Kindern, seinem Bruder und seiner Mutter. Mahmoud erzählt, dass sie von den Milizen als menschliche Schutzschilde missbraucht worden seien und gezwungen wurden, fünf Monate lang mit zehn anderen Familien in einem Keller zu wohnen.

“Gott sei Dank sind wir hier. Wir feiern unsere Wiedergeburt. Und das erste, was ich gemacht habe, ist mich zu rasieren”, berichtet Mahmoud, dessen Haus bei den Kämpfen zerstört wurde. “Aber wir werden Hilfe brauchen… Hilfe, damit wir zurückgehen können, aufbauen und wieder arbeiten können.”

"Wir sind verstreut, wir leben jetzt überall, aber wir wollen hierher kommen und zusammenleben", sagt Ayad Ahmed Ali.

Ali will sein Elternhaus mit einem Laden wieder aufbauen. Das würde einige Monate dauern, meint der 25-Jährige. Doch es wäre ein wichtiges Zeichen gegen den Extremismus. "Wir alle hoffen und wollen, dass Mossul wieder auf die Beine kommt", sagt er. "Was wir jetzt tun, ist ein Signal, eine Herausforderung für die Extremisten. Wir sind entschlossen, ihre Zerstörung wieder aufzubauen."