14.01.2019

Libanon: Flüchtlingssiedlungen stehen unter Wasser

Nachdem der Sturm Norma mit hohen Windgeschwindigkeiten und viel Regen über den Libanon hinweggefegt war, versuchen die Flüchtlinge in ihren Unterkünften das wenige Hab und Gut zu retten, das ihnen bleibt. Das Wasser steht überall knöchelhoch. Über 11.000 Flüchtlinge in 360 Siedlungen sind betroffen. Ein Flüchtlingsmädchen ertrank in den Fluten.

Das Wasser steht knöchelhoch in der Flüchtlingssiedlung und allen Unterkünften. Foto: UNHCR/D.I.Sánchez

Juriya Ramadans Unterkunft im Bekaa Valley im Libanon steht seit drei Tagen unter Wasser. Die junge Frau aus Syrien trägt ihren barfüßigen Sohn auf dem Arm, als sie durch das knöchelhohe, braune Wasser watet. Es ist kalt. Denn der Holzofen der Familie ist kalt, weil das Feuerholz nass geworden ist. Juriya setzt den Jungen auf eine Holzplanke und wickelt ihn in eine Decke, bevor sie den Schaden in ihrem Heim betrachtet.

“Die Leute werden krank. Überall ist Wasser.”

„Wir können nachts nicht schlafen. Drei Tage geht das jetzt so. Nachts sitzen wir da und betrachten die Kinder und wir können nichts für sie tun. Ihre Situation ist sehr schlecht”, erklärt die 34-Jährige, die aus Deir Ez-Zor fliehen musste.

Mehrere Tage tobte der Sturm über der Region. Nicht nur die Flüchtlingssiedlungen stehen unter Wasser. Auch Dörfer und Städte im Umland wurden überschwemmt. Im Libanon leben fast 950.000 Flüchtlinge aus Syrien – oftmals in provisorischen Unterkünften aus Plastikplanen, Holzlatten und Baumaterial. Sie sind für die winterlichen Wetterbedingungen in der Region nicht geeignet. Mindestens 600 Flüchtlinge wurden jetzt wegen hoher Fluten oder weil die Unterkünfte nicht mehr bewohnbar waren, umgesiedelt.

“Wir fahren herum und sehen nach den Familien und tun alles, um ihnen zu helfen”, erklärt UNHCR-Mitarbeiterin Hiba Fares. “Die Situation ist sehr schwierig. Bei manchen sind die Zelte zerrissen oder zusammengebrochen. Bei anderen Leuten wurden die Zelte überschwemmt. Wir versuchen mit unseren Partnerorganisationen für die Familien, deren Zelte zerstört sind, alternative Unterkünfte zu finden.“

Winterhilfsprogramm des UNHCR
Seit Monaten bereitet das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Flüchlinge in der Region im Zuge seines Winterhilfsprogramms auf die harschen Winterbedingungen vor. Darunter fällt die Verteilung von Decken und Winterkleidung sowie zusätzlichem Baumaterial, wie Plastikplanen und Holzplanken, um die Unterkünfte zu stabilisieren und zu isolieren. Familien bekommen finanzielle Unterstützungen für Heizmaterial, Medikamente oder Kleidung. Bislang konnten fast 2,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak sowie Binnenvertriebene unterstützt werden.

Um auf besondere Wettervorkommnisse, wie den jetzigen Sturm Norma, vorbereitet zu sein, wurde zusätzliches Nothilfematerial eingelagert, das jetzt verteilt werden kann. Bevor der Sturm losbrach, wurden außerdem Flüchtlinge über ein vorbereitetes SMS-Netzwerk gewarnt. Dies konnte natürlich nicht verhindern, dass durch den Sturm Schäden entstanden. Jetzt muss den Betroffenen so schnell wie möglich geholfen werden.

Die 60-jährige Amina Al Darak sieht erschöpft aus. Sie sitzt auf einer feuchten Matratze auf einem Holzstapel, nur wenige Zentimeter über dem Wasser, das jede Ecke ihrer Unterkunft überschwemmt. “So etwas haben wir noch nicht erlebt”, erzählt sie. “Die Matratzen und Bettdecken sind nass geworden, wir haben die ganze Nacht nicht geschlafen. Ich musste die Decken auf Holzbretter legen. Ich kann mir wegen der Überschwemmung noch nicht einmal eine Tasse Tee machen.”