02.08.2017

Nigeria: Rückkehrer ohne Heimat

Seit Anfang des Jahres versuchen immer mehr nigerianische Flüchtlinge vor allem aus Kamerun in ihr Heimatland zurückzukehren. Oft sind die Dörfer jedoch völlig zerstört oder die Sicherheitslage ist noch immer prekär, so dass die Menschen nicht in ihre Häuser zurückkehren können.

Immer mehr Flüchtlinge aus Kamerun kehren nach Nigeria zurück, obwohl die Sicherheitslage dort noch immer prekär ist.

Magdalena hofft, mit ihrem zwei Wochen alten Sohn ald nach Hause zurückkehren zu können. Foto: UNHCR/R.Gambo

“Dies ist eine neue Notlage, um die wir uns dringend kümmern müssen", erklärt der stellvertretende UN-Flüchtlingshochkommissar Volker Türk. "Viele Rückkehrer können nicht in ihre Häuser zurück, weil es noch zu gefährlich ist. Sie werden erneut vertrieben und leben unter den schlimmsten humanitären Bedingungen. Auch wenn UNHCR die Rückkehr im Moment nicht unterstützt, müssen wir alles tun, um diesen Menschen zu helfen."

Kein Wasser, keine Lebensmittel oder Medikamente
Viele Rückkehrer kommen in überfüllten Flüchtlingssiedlungen unter. Im Städtchen Banki, im Nordosten Nigerias, schlafen viele Menschen unter freiem Himmel und haben kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe.

“Es gibt nichts zu essen, kein Wasser, keine Seife, wir leiden wirklich. Wenn es regnet, haben wir keinen Ort, um uns unterzustellen und keinen Platz zum Schlafen. Wir wollen nach Hause", berichtet die 35-jährige Magdelena Yohanna, die mit ihrem zwei Wochen alten Sohn Musa vor einer Woche nach Banki kam.

Rückkehrer erzählen, dass die Lebensmittelrationen im Flüchtlingslager Minawao in Kamerun um ein Viertel gekürzt wurden und dass sie nur zurückgehen wollen, um ihr Land zu bestellen.

“Bei meinem letzten Besuch in der Region war ich nicht nur über das Ausmaß der humanitären Not erschrocken, sondern auch tief erschüttert über das Maß an Trauma, sozialer Teilung und Misstrauen”, berichtet Türk. “Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, dieser komplexen Situation mehr Aufmerksamkeit zu widmen.”

2,5 Millionen Flüchtlinge am Tschadsee
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) unterstützt mehr als 2,5 Millionen Flüchtlinge, die in der Region um den Tschadsee aufgrund von bewaffneten Konflikten flüchten mussten. Zwischen Januar und Juni 2017 sind fast 135.000 Flüchtlinge nach Nigeria zurückgekehrt - ein Großteil von ihnen Frauen und Kinder.

UNHCR plant, weitere Mitarbeiter in die Grenzregion zu entsenden, Aufnahmeeinrichtungen zur Verfügung zu stellen und Flüchtlinge über die Situation in ihren Heimatregionen zu informieren. Dafür sind weitere Finanzmittel vonnöten. Bislang hat die Organisation von 179,5 Millionen US-Dollar, die für die Hilfe für Flüchtlinge aus Nigeria in Kamerun, Niger und Tschad  vorgesehen waren, nur 41,1 Millionen erhalten.