29.08.2012

Syrien: Zahl der Flüchtlinge in Jordanien verdoppelt

In der vergangenen Woche hat sich die Zahl der Neuankömmlinge im Za'atri Lager im Norden Jordaniens verdoppelt.

Flüchtlingslager Zaatari

Das Flüchtlingslager Za'atri im Norden Jordaniens. Foto: UNHCR/A.McDonnell

Zwischen dem 21. und 27. August kamen 10.200 Menschen an, in der Woche davor waren es 4.500 Flüchtlinge. Seit der Eröffnung des Flüchtlingslagers Za'atri am 30. Juli wurden mehr als 22.000 Menschen empfangen.

Angriffe auf flüchtende Menschen

Flüchtlinge berichteten, dass noch viele Tausende darauf warten, die umkämpfte Gegend rund um Daraa überqueren zu können, so dass der  Zustrom an Flüchtlingen noch zunehmen könnte. Einige Flüchtlinge, die in den letzten Tagen die Grenze überquerten (vor allem am Freitag) berichteten, dass sie von Flugzeugen bombardiert wurden. Es gibt auch Berichte von Angriffen mit Granaten, Mörsern und anderen Waffen.

Normalerweise überqueren Flüchtlinge die Grenze in der Nacht und werden von IOM und der jordanischen Armee direkt in das Flüchtlingslager gebracht. 1.147 Flüchtlinge sind aber auch am (Montag) Morgen angekommen, gefolgt von anderen 1.400 in der Nacht von gestern auf heute bis in die frühen Morgenstunden.

Viele Flüchtlinge berichteten, dass sie fünf oder sechs Mal innerhalb Syriens geflohen sind, bevor sie endgültig das Land verließen.

Viele unbegleitete Kinder unter den Flüchtenden

In der vergangenen Woche wurde eine erhöhte Anzahl an unbegleiteten Kindern im Flüchtlingslager aufgenommen. Einige Kinder berichten, dass ihre Eltern gestorben sind, sich in Syrien um Verwandte kümmern müssen oder in anderen Ländern arbeiten. Einige Kinder, die keine Pässe besaßen, sagten, sie seien von ihren Eltern vorausgeschickt worden.

Die wachsende Flüchtlingsbevölkerung in Za'atri wird so schnell wie möglich mit Unterkunft, Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung versorgt. Neue Zelte werden aufgebaut und UNHCR arbeitet fieberhaft an einem gesamten Ausbau des Lagers. 17 Lastwagen aus den regionalen UNHCR-Lagern in Zarqa stocken die Zelt- und Deckenbestände auf.

Die hohe Anzahl an Neuankömmlingen erschweren es UNHCR, die Lebensbedingungen der Flüchtlingsbevölkerung zu verbessern. Flüchtlinge sollen bei der Verwaltung des Lagers mithelfen. Eine zweite Straße zum Lager soll die Staus auf der zurzeit einzigen schmalen Straße verhindern helfen.

Libanon

Die Sicherheitslage im Libanon hat sich entspannt. Das UNHCR-Registrierungszentrum in Tripoli hat wieder geöffnet und Flüchtlinge lassen sich jetzt registrieren. Die Versorgung im Norden wurde unterbrochen, aber mit der Wiedereröffnung der nördlichen Autobahn am Wochenende können unsere Lkws jetzt wieder Hilfsgüter liefern.

Im Bekaa-Tal haben Verteilung von Hilfsgütern, Registrierungen und Besuche vor Ort begonnen. Mit dem baldigen Beginn des neuen Schuljahres müssen für Flüchtlingsfamilien die bis jetzt in Schulen untergebracht wurden, neue Unterkünfte gefunden werden.

UNHCR wartet auf die Erlaubnis in 11 leersstehenden Schulen im Osten  Flüchtlinge unterbringen zu dürfen. Im Norden hat UNHCR alternative Unterkünfte für Familien, die derzeit noch in Schulen untergebracht sind, gefunden. Es sind nur kleinere Renovierungsarbeiten an der ehemlaigen Schule nötig.

Im Libanon haben sich mehr als 54.000 Menschen durch UNHCR registrieren lassen. Davon halten sich rund 22.000 im Norden, mehr als 16.600 im Osten und knapp 1.300 in Beirut auf.

Syrien

Trotz der anhaltenden Eskalation des Konflikts kann UNHCR seine Arbeit in Syrien aufrecht erhalten. 250 gefährdeten Flüchtlingsfamilien wurde durch Geldzuschüsse und neuen Wohngelegenheiten geholfen. Sowohl durch Telefon-Hotlines als auch die Beratungsstellen kann der Kontakt mit den Flüchtlingen aufrecht erhalten werden und für Unterstützung gesorgt werden, auch wenn aufgrund der Sicherheitslage die Arbeit eingeschränkt werden musste.

In Syrien werden dringend alternative Unterkünfte für die zunehmende Zahl von Vertriebenen gesucht, die bislang in Schulen untergebracht wurden, da am 16. September der Unterricht beginnen wird. In ganz Syrien werden 350 Schulen von Vertriebenen bewohnt, nach Angaben der Regierung haben mehr als eine Million Menschen in verschiedenen öffentlichen Gebäuden Zuflucht gefunden.

Die Menschen, die während der Festlichkeiten nach Ramadan vertrieben wurden, benötigten dringend Lebensmittel, Kleidung, Matratzen, Decken, Bettwäsche und Zugang zu sanitären Einrichtungen.

Irak

Seit dem 16. August ist im Irak der Al-Qaem Grenzübergang geschlossen, die Zahl der Flüchtlinge bleibt bei 15.898. Während die Al-Waleed und Rabiya Grenzübergänge offen bleiben, setzt sich UNHCR bei der Regierung dafür ein, den Al-Qaem Grenzübergang wieder zu öffnen. UNHCR hat angeboten, die Kapazität des Lagers zu erhöhen oder den Flüchtlingen anderswo Schutz zu bieten.

Das Flüchtlingslager Al Qaem beherbergt derzeit fast 2.000 Flüchtlinge und wird weiter ausgebaut. 1.700 Flüchtlinge müssen vor Schulbeginn aus den Schulen, in denen sie unterkamen, in das Flüchtlingslager verlegt werden.

Türkei

In der Türkei hat sich Zahl der Neuankömmlinge dramatisch erhöht, daher ist eine Erhöhung der internationalen Unterstützung entscheidend, um die große Zahl an syrischen Flüchtlingen aufnehmen zu können. Im Vergleich zu den vergangenen Wochen, an denen rund 400-500 Personen täglich ankamen, sind in den vergangen zwei Wochen bis zu 5.000 Flüchtlinge pro Tag angekommen.

In den letzten 24 Stunden überquerten mehr als 3.000 Syrer die Grenze zur Türkei und es werden voraussichtlich weitere 7.000 Flüchtlinge in den kommenden Tagen erwartet. Das neue Flüchtlingslager Karkamis in der Gaziantel-Provinz wurde eröffnet, so dass viele Neuankömmlinge dorthin übersiedelt werden.

Die türkischen Behörden planen zusätzliche 5-6 Flüchtlingslager um die Gesamtkapazität auf 150.000 Plätze zu steigern. UNHCR hat heute per Luftbrücke neue Zelte geliefert.

Zypern

UNHCR ist bestürzt über den Tod von sieben Syrern an Bord eines Fischerbootes, welches Ende vergangener Woche in der Nähe der Nordküste Zyperns gesunken ist. Nach Angaben der Küstenwache waren vier Männer, eine Frau und zwei Kinder auf dem Boot. Zwei weitere Personen an Bord, wahrscheinlich die Menschen-Schmuggler, konnten sich in Sicherheit bringen und wurden später festgenommen.