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"Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Winter wartet nicht."

Ohne Strom und Heizung wird der Winter in der Ukraine in diesem Jahr besonders hart. Durch Raketenangriffe wurden rund 40 Prozent der Energieinfrastruktur zerstört. Die UNHCR-Repräsentantin Karolina Billing berichtet von der UNHCR-Hilfe seit Beginn des Krieges und wie wichtig die Versorgung der Menschen gerade jetzt in den betroffenen Regionen ist.

Karolina Billing arbeitet seit 23 Jahren für den UNHCR, im Sommer 2021 wurde sie zur UNHCR-Repräsentantin in der Ukraine ernannt. Als die russischen Truppen im Februar 2022 die Ukraine angreifen, warnt sie:

Die Auswirkungen dieses Krieges sind verheerend und weitreichend. Der Ernst der Lage kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Über Nacht sind Leben zerstört und Familien auseinandergerissen worden.“

Über ihre nationalen Mitarbeitenden, die selbst zu Binnenvertriebenen geworden sind, sagt sie: „Für einige ist es bereits das zweite oder dritte Mal seit 2014. Trotzdem haben sie nicht aufgehört zu arbeiten. Es ist inspirierend, ihr Engagement zu sehen.“

Wir haben mit Karolina Billing über die momentane Lage der Menschen im Land und die Arbeit des UNHCR gesprochen.

Hallo Karolina. Wie sieht es jetzt im Moment Ukraine aus? Wie geht es den Menschen vor Ort?

Die Situation ist für die Menschen in der Ukraine sehr herausfordernd. Es ist fast zehn Monate her seit der Invasion und nun brauchen 17,7 Millionen Menschen in der Ukraine humanitäre Hilfe, ein Viertel der Bevölkerung sind gezwungen worden, ihre Häuser zu verlassen. Die Menschen leiden unter den Auswirkungen des Krieges. Ihre Häuser und ihr Vermögen sind zerstört oder beschädigt, sie haben Familienmitglieder verloren oder wurden von ihnen getrennt, Arbeitsplätze gingen verloren und sie durchleben das Trauma eines verheerenden Krieges.

Jetzt kommt auch noch der Winter, und das wird das Leben der Menschen in den zerstörten Häuser in den Aufnahmezentren sehr schwierig machen. Sie müssen warm und sicher durch die kommenden Monate kommen. In den vergangenen Wochen haben Raketenangriffe im ganzen Land etwa 40 Prozent der ukrainischen Energieversorgung zerstört, sodass es in manchen Regionen keinen Strom oder Heizungen gibt.

 

  • Der UNHCR konzentriert sich im Moment auf die Winterhilfe in der Ukraine. Mit tatkräftiger Unterstützung wurden über 25.000 Hilfsgüter, darunter Wärmedecken, Planen und Solarlampen, an die Menschen in der Oblast Charkiw verteilt.
    © UNHCRUkraine

    Der UNHCR konzentriert sich im Moment auf die Winterhilfe in der Ukraine. Mit tatkräftiger Unterstützung wurden über 25.000 Hilfsgüter, darunter Wärmedecken, Planen und Solarlampen, an die Menschen in der Oblast Charkiw verteilt.

  • Zu Beginn der russischen Invasion berichtet Karolina Billing aus der Ukraine.

  • UNHCR-Vertreterin Karolina Billing trifft die 79-jährige Liudmyla, die Unterstützung bei der Reparatur ihres im Krieg zerstörten Hauses erhält. Als gefährdete ältere Person wurde Liudmyla für das Wohnungsbauprogramm des UNHCR ausgewählt.
    ©UNHCR/V. Andrievska

    UNHCR-Vertreterin Karolina Billing trifft die 79-jährige Liudmyla, die Unterstützung bei der Reparatur ihres im Krieg zerstörten Hauses erhält. Als gefährdete ältere Person wurde Liudmyla für das Wohnungsbauprogramm des UNHCR ausgewählt.

  • Der Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, und die UNHCR-Repräsentantin Karolina Lindholm Billing lassen sich im Sommer 2022 vom 85-jährigen Grygoryi die Zerstörungen in der Nachbarschaft von Bucha zeigen. Seit der russischen Invasion wurden hier 4.000 Häuser zerstört und 12.000 Häuser beschädigt.
    © UNHCR/A.McConnell

    Der Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, und die UNHCR-Repräsentantin Karolina Lindholm Billing lassen sich im Sommer 2022 vom 85-jährigen Grygoryi die Zerstörungen in der Nachbarschaft von Bucha zeigen. Seit der russischen Invasion wurden hier 4.000 Häuser zerstört und 12.000 Häuser beschädigt.

  • Oksana, Yurii und ihre Tochter Svitlana überlebten den Raketenangriff in einem Kühlkeller. Ihr Haus wurde komplett zerstört. UNHCR stellte der Familie eine Refugee Housing Unit (RHU) zur Verfügung. So können sie die erste Zeit überbrücken.
    © UNHCR/A.McConnell

    Oksana, Yurii und ihre Tochter Svitlana überlebten den Raketenangriff in einem Kühlkeller. Ihr Haus wurde komplett zerstört. UNHCR stellte der Familie eine Refugee Housing Unit (RHU) zur Verfügung. So können sie die erste Zeit überbrücken.

  • Karolina Billing im Gespräch mit einer Anwohnerin. Neben der praktischen Hilfe durch ist auch die Tatsache, dass die UNHCR-Mitarbeiter vor Ort sind, eine wertvolle psychologische Hilfe für die Opfer der Raketenangriffe.
    © UNHCR

    Karolina Billing im Gespräch mit einer Anwohnerin. Neben der praktischen Hilfe durch ist auch die Tatsache, dass die UNHCR-Mitarbeiter vor Ort sind, eine wertvolle psychologische Hilfe für die Opfer der Raketenangriffe.

Wo sind die Menschen besonders betroffen?

In den letzten Wochen habe ich die Menschen in den stark betroffenen Gebieten von Charkiw, Saporischschja und der Region Kiew besucht und aus erster Hand gesehen, welches Ausmaß die Zerstörung, auch einzelner Häuser, hat und wie die Menschen darum kämpfen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und ihre Häuser vor dem Winter abzudichten und zu isolieren. Wie in anderen Krisen zahlen die Schwächsten den höchsten Preis, insbesondere ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Behinderungen.

Was hat Dich bei Deinen Besuchen besonders bewegt?

Besonders bewegt und inspiriert bin ich von den älteren Menschen, die ich in den letzten acht Monaten getroffen habe. Viele von ihnen waren in ihren Häusern, als diese von Raketen getroffen wurden. Sie beschreiben, wie sie erschüttert aufstanden und begannen, die Trümmer von den Böden zu räumen. Und wie sie gleich nach ihren Nachbarn sehen, um sicherzugehen, dass diese in Sicherheit waren.

Sie sind nun entschlossen, den strengen Winter über in ihren Häusern zu bleiben und im Frühjahr alles wieder aufzubauen.

Der Winter steht vor der Tür. Und die Winter in der Ukraine sind hart. Eine warme, sichere und würdige Unterkunft zu haben, wird lebensrettend sein.

Worauf legt Ihr die Schwerpunkte bei Eurer Arbeit?

Höchste Priorität hat derzeit die Winterhilfe. Wir unterstützen fast eine Million Menschen und stellen wichtige Hilfe für die Menschen in den zurückeroberten Regionen bereit. Die Winterhilfe des UNHCR umfasst die Lieferung von Wärmedecken, Heizgeräten, winterfester Kleidung, Schlafsäcken und Thermoskannen, Bargeld, Reparaturen und Isolierung von beschädigten Häusern sowie die Erweiterung und Verbesserung der Lebensbedingungen in Sammelunterkünften.

Der Schwerpunkt unserer Hilfe liegt ja auf der Bereitstellung wichtiger Schutzmaßnahmen. Das sind neben der Bereitstellung von Unterkünften und Wohnungen, Bargeld und Sachspenden auch Leistungen wie Rechtshilfe, etwa die Wiederbeschaffung verlorener Dokumente, damit die Menschen Zugang zu ihren Rechten und nationalen Diensten erhalten, die Bereitstellung psychosozialer Unterstützung und sozialer Begleitung.

In Regionen, in denen die Sicherheitslage stabiler ist, zielen unsere Schutz-, Wohnungs- und Hilfsprogramme darauf ab, dauerhafte Lösungen für die Situation der Menschen zu finden. Die Reparaturen und Isolierung einzelner Häuser sind ein wichtiger Teil dieser Arbeit, damit die Menschen den Winter über in ihren eigenen Häusern bleiben können und nicht gezwungen sind, eine andere Unterkunft zu suchen.

Wir konnten bisher mehr als 2,7 Millionen Menschen durch diese Schutz-, Unterkunfts- oder Wohnungs- und Hilfsprogramme unterstützen.

Winterhilfe - Spenden Sie jetzt

Wie können wir, unsere Spenderinnen und Spender den Menschen helfen?

In der gesamten Ukraine benötigen fast 18 Millionen Menschen – das sind 40 % der Gesamtbevölkerung - humanitäre Hilfe. Darunter sind mehr als sechs Millionen Binnenvertriebene. Was sie brauchen variiert je nach Standort und Gefahrenlage.

Die vom Krieg am stärksten betroffenen Menschen brauchen jetzt eine sichere und warme Unterkunft für die strengen Wintermonate und Mittel zur Deckung der Grundbedürfnisse wie Miete, Lebensmittel, Winterkleidung, Medikamente, Hygieneartikel usw. Es besteht auch ein enormer Bedarf an psychosozialer Unterstützung, um den Menschen zu helfen, das durch den Krieg verursachte Trauma zu verarbeiten und sich davon zu erholen.

Und diese Hilfe ist natürlich nur durch die großzügigen Spenden möglich, die wir erhalten. Dafür möchte ich mich bedanken.

Vielen Dank für die wertvollen Informationen direkt aus der Ukraine! Wir bedanken uns bei Dir und Deinem Team - auch im Namen unserer Spenderinnen und Spender - für die wichtige lebensrettende Arbeit.

 

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