Infobus München - Beratungsgespräch

Flüchtlingshilfe in Deutschland

Teilen

Unsere Hilfsprojekte in Deutschland

Ende 2021 lebten 1,3 Millionen Flüchtlinge und Schutzsuchende in Deutschland. Damit gehört Deutschland zu den führenden Aufnahmeländern von Flüchtlingen weltweit. (UNHCR "Global Trends Report 2021")

Um Flüchtlingen das Leben in Deutschland zu erleichtern, fördert die UNO-Flüchtlingshilfe eine Vielzahl an Einrichtungen in ganz Deutschland, die zum Beispiel Asylsuchende rechtlich beraten, Flüchtlinge psychologisch und persönlich betreuen oder Bildungs- und Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete anbieten.

Hier stellen wir Ihnen einige ausgewählte Beispielprojekte vor:

Eine vollständige Übersicht über die geförderten Projekte in Deutschland in 2021 finden Sie hier: 

Projektförderung in Deutschland 2021

Asylantragszahlen nach Corona leicht gestiegen

Im Jahr 2022 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 244.132 Anträge auf Asyl (davon 217.774 Erst- und 26.358 Folgeanträge) gestellt, was einen Anstieg um 27,9 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Mehr als 10 % der Erstanträge betrafen neugeborene Kinder im Alter von unter einem Jahr. Syrien führt mit 32,6 % der Anträge die Liste der zugangsstärksten Staatsangehörigkeiten an, gefolgt von Afghanistan (16,7%) und der Türkei (11%), in der es mit 238,7 % die größte Zunahme im Vergleich zum Vorjahr gibt.

Nachdem 2016 die Zahl der Schutzsuchenden mit weit über 700.000 Erstanträgen einen Höchststand erreicht hat, sank die Zahl in den Folgejahren kontinuierlich. Nun steigt sie seit 2021 wieder an, was wohl auch auf die Nachholeffeke als Folge der strengen Reisebeschränkungen während der Coronapandemie zurückzuführen ist.

Flüchtlinge aus der Ukraine

Bis zum Jahresende 2022 wurden in Deutschland zusätzlich 1.045.185 Flüchtlinge aus der Ukraine erfasst. Damit sind etwa 80 % der Schutzsuchenden, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, aus der Ukraine geflohen. Da sie den in der EU vereinbarten vorübergehenden Schutz erhalten haben, mussten sie kein Asylverfahren durchlaufen.

Rund 70 % der Flüchtlinge aus der Ukraine sind Frauen, 30 % Männer. Etwa jede*r Dritte (34%) ist unter 18 Jahre alt. Eine Befragung, die unter Anderem das BAMF herausgegeben hat, zeigt, dass 37% der Flüchtlinge aus der Ukraine langfristig in Deutschland bleiben möchte. Weitere 34% wollen bis zum Kriegsende in Deutschland verweilen. Lediglich 9 % planen, innerhalb eines Jahres zurückzukehren.

Flüchtlinge bei Ankunft und Integration unterstützen

Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, sieht sich mit einer Flut von Verwaltungsabläufen konfrontiert. Oft finden sich die Flüchtlinge völlig unvorbereitet in einem Behördendschungel wieder, der ohne Hilfe kaum zu meistern ist. Allein schon die Sprachbarriere ist eine riesige Hürde.

Dazu kommt, dass viele Flüchtlinge in ihren Heimatländern oder während der Flucht äußerst schlechte Erfahrungen mit Behörden und Beamten gemacht haben. Sie haben oft Angst und kein Vertrauen in staatliche Stellen. Dies hat zur Folge, dass manche Flüchtlinge nur bruchstückhaft über ihre Fluchtgründe berichten. Damit schwinden jedoch ihre Chancen als Flüchtling anerkannt zu werden und Asyl zu erhalten.

Erste Schritte in einem fremden Land

Gleichzeitig ist vielen Flüchtlingen das Leben in Deutschland fremd. Jeder Tag bringt viele neue Fragen mit sich. Sei es im Umgang mit Behörden, die fremde Sprache oder ungewohnte Verhaltensweisen. Viele Flüchtlinge fühlen sich überfordert oder auch einsam und allein gelassen. Besonders minderjährige Flüchtlinge, die ohne Familie nach Deutschland gekommen sind, leiden darunter und brauchen Unterstützung.

Um Flüchtlingen das Leben in Deutschland zu erleichtern, haben verschiedene lokale Flüchtlingsinitiativen Netzwerke von ehrenamtlichen Helfern aufgebaut, die die Flüchtlinge in ihrem Alltag begleiten und ihnen beratend zur Seite stehen.

Denn Geflüchtete möchten ihre Kompetenzen und Fähigkeiten nutzen, um die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Das Lernen der Sprache, das Zurechtfinden in der neuen Umgebung und das Verstehen unbekannter Abläufe ist dabei eine essentielle Voraussetzung. Die Verantwortung, dass das möglichst schnell gelingt, liegt bei allen Menschen in Deutschland und ist abhängig von gegenseitiger Solidarität. Sowohl Flüchtlinge als auch die Aufnahmegesellschaft müssen einander offen gegenüberstehen und aufeinander zugehen, damit Integration gelingen kann.

Häufige Fragen zum Thema Flüchtlinge in Deutschland:

Warum kommen Flüchtlinge nach Deutschland?

Flüchtlinge fliehen vor Krieg, Verfolgung und Gewalt. Sie suchen Schutz und Sicherheit, um ein Leben in Frieden und ohne Todesangst führen zu können. Deswegen machen sich Jahr für Jahr Menschen auf den gefährlichen Weg nach Europa und Deutschland.

Viele Menschen hoffen darauf, dass sie in Deutschland gute Möglichkeiten haben, das eigene Leben wieder neu aufzubauen, und dass ihre Kinder in einem weltweit hoch angesehenen Bildungssystem eine gute Ausbildung erhalten. Auch die seit Jahrzehnten stabile politische Lage, in denen die Menschenrechte geschützt sind, ist für viele Flüchtende ausschlaggebend.

Ein weiterer Grund ist, dass viele schon Angehörige oder Freunde in Deutschland haben, die sie bei der Ankunft, beim Einleben in der neuen Kultur und bei der Integration unterstützen können.

Wie werden Asylsuchende auf die Bundesländer verteilt?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nutzt für die gerechte und angemessene Erstverteilung von Asylsuchenden auf die deutschen Bundesländer, das Computerprogramm EASY (Erstaufnahme Asyl). Die Aufteilung wird jedes Jahr von der Bund-Länder-Kommission aktualisiert.

2022 sah die Verteilung wie folgt aus:

  • Baden-Württemberg     11,7 %
  • Bayern    13,3 %
  • Berlin    6,7 %
  • Brandenburg    2,1 %
  • Bremen    0,9 %
  • Hamburg    2,8 %
  • Hessen    9,5 %
  • Mecklenburg-Vorpommern    2,3 %
  • Niedersachsen    9,8 %
  • Nordrhein-Westfalen    19,7 %
  • Rheinland-Pfalz   5,3 %
  • Saarland    1,6 %
  • Sachsen    5,6 %
  • Sachsen-Anhalt    2,6 %
  • Schleswig-Holstein    3,5 %
  • Thüringen    2,4 %

Quelle: BAMF, Das Bundesamt in Zahlen 2022 Asyl

Aus welchen Ländern kommen die Flüchtlinge in Deutschland?

Im Jahr 2022 wurden die meisten Asylanträge von Flüchtlingen aus Syrien gestellt. Weitere größere Gruppen kamen aus Afghanistan und der Türkei.

Erstanträge auf Asyl (2022; Anträge: 217.774)

  • Syrien: 70.976 (32,6%)
  • Afghanistan: 36.358 (16,7%)
  • Türkei: 23.938 (11%)
  • Irak 15.175 (7%)
  • Georgien: 7.963 (3,7%)
  • Islamische Republik Iran: 6.322(2,9%)
  • Somalia: 3.983 (1,8%)
  • Eritrea: 3.923 (1,8%)
  • Russische Föderation: 2.851 (1,3%)
  • Sonstige: 41.658 (19,1%)
  • Ungeklärt: 4.672 (2,1%)

Quelle: BAMF: Das Bundesamt in Zahlen 2022 Asyl

Wie unterscheiden sich Erst-, Folge- und Zweitanträge auf Asyl?

Ein Erstantrag auf Asyl wird gestellt, wenn die Asylbewerber*innen schriftlich oder mündlich erklären, dass sie Zuflucht vor politischer Verfolgung oder einer drohenden Rückführung in eine gefährliche Situation in ihrem Heimatland suchen. Dieser Antrag wird in der Regel persönlich beim zuständigen Amt oder dem Ankunftszentrum des Bundesamtes gestellt.

Von einem Folgeantrag spricht man, wenn eine Person, die bereits einen Erstantrag gestellt hat, aufgrund von Änderungen ihrer Situation um die Bearbeitung eines weiteren Antrags bittet. Dieser Antrag kann nur dann gestellt werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, etwa, wenn sich die Situation in ihrem Heimatland wesentlich verändert hat oder wenn neue Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie bei einer Rückkehr in Gefahr geraten würden.

Ein Zweitantrag ist ein Asylantrag, der nach erfolglosem Abschluss eines Asylverfahrens in einem sicheren Drittstaat im Bundesgebiet gestellt wird. Als sichere Drittstaaten gelten die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Norwegen und die Schweiz. Für die Bearbeitung dieses Antrags gelten die gleichen Voraussetzungen wie beim Erstantrag. Nur wenn diese erfüllt sind, kann das Asylverfahren weiterbearbeitet werden.

Auftakt für ein neues Leben

Der syrische Flüchtling Mohammad Alkhalaf sitzt im Führerstand eines Intercity-Express-Zuges (ICE) im Bahnbetriebswerk Hamburg-Eidelstedt der Deutschen Bahn. Er macht eine Ausbildung zum Lokführer. Mohammad wuchs auf der Olivenfarm seiner Familie in Idlib im Nordwesten Syriens auf. Im Jahr 2014 musste er dann seine Heimat verlassen und fliehen. Mit einem Boot fuhr er von der Türkei nach Italien. Er träumte davon, seinen Bruder in Schweden zu treffen.  Doch nach Jahren der Ungewissheit erhielt er endlich Asyl in Deutschland. Er hatte bereits selber die Sprache gelernt und wollte Elektriker werden. Wenn er in drei Jahren seine Abschlussprüfung besteht, ist ihm eine feste Anstellung bei der Deutschen Bahn garantiert.

Mit Traumata leben lernen

Besonders Kinder, unbegleitete Frauen oder traumatisierte Flüchtlinge haben es schwer, sich auf die neue Situation einzustellen und aktiv teilzunehmen. Denn Vertreibung, Verfolgung, Folter und Vergewaltigung sind traumatische Erlebnisse, die tiefe Spuren hinterlassen. Um diese Erfahrungen verarbeiten zu können, sie als Teil des eigenen Lebens zu akzeptieren und sich wieder ein neues Leben aufbauen zu können, brauchen Flüchtlinge nicht nur Zeit, sondern auch psychologische Hilfe.

Diese erhalten sie in sogenannten Psychosozialen Zentren. Dort arbeiten speziell ausgebildete Psychologen, die sich um die traumatisierten Flüchtlinge kümmern. In Einzel- oder Gruppentherapien lernen die Flüchtlinge sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen, mit dem Erlebten zu leben und neue Kraft zu schöpfen, um das teils zermürbende Asylverfahren durchzustehen.

Hände mit Dokumenten  NIK_8539.JPG