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Humanitäre Helfer
© UNHCR/Roger Arnold

Humanitäre Hilfe

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Lebensrettende Nothilfe im Krisenfall

Als humanitäre Hilfe bezeichnet man Maßnahmen zum Schutz und zur Versorgung von Menschen in einer humanitären Notlage, die durch eine Naturkatastrophe, eine gewalttätige Auseinandersetzungen und Krieg oder auch den Ausbruch einer Pandemie ausgelöst wurde.

Für Menschen, die aus ihren Häusern, Städten und Dörfern fliehen müssen, sind die Flüchtlingslager des UNHCR im akuten Krisenfall die erste sichere Station. Innerhalb kürzester Zeit müssen dort die wichtigsten Hilfsgüter vor Ort sein, von Zelten über Nahrungsmittel bis zu Medikamenten und notwendigen Haushaltsgegenständen wie Geschirr, Matratzen, Eimer und vieles mehr.

Über eine Erstversorgung der Menschen hinaus, beinhalten die Maßnahmen der humanitären Hilfe, neben der Registrierung, dem Aufbau und der Versorgung von Flüchtlingslagern auch die Koordinierung der notwendigen Hilfsmaßnahmen.

Wenn man sieht, dass Menschen wieder die Grundversorgung bekommen, die ihnen jahrelang vorenthalten wurden, dass die Arbeit einen Unterschied macht, ist das sofort ein lohnendes Gefühl.

Dr. Sadek arbeitet im Flüchtlingslager Kutupalong in Bangladesch am Aufbau der Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge.

In den Flüchtlingslagern sorgt der UNHCR für:

  • die Registrierung der Flüchtlinge und die Feststellung des konkreten Hilfsbedarfs
  • die Koordinierung zwischen den beteiligten Hilfsorganisationen
  • Unterkünfte
  • sauberes Trinkwasser
  • ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln
  • medizinische Versorgung
  • Schutz und Sicherheit vor Verfolger*innen oder Überfällen

Vorbereitung für den Notfall

Um möglichst schnell und effizient auf Notfälle reagieren zu können, gibt es detaillierte Planungsschritte für die Mitarbeiter des UNHCR. Hinter allen Maßnahmen steht die Logistik von Hilfsgütern und Personal. Die Maßnahmen basieren auf einer gemeinschaftlichen und lokalen Planung mit verschiedenen Partnern und Interessenvertretern. Doch egal wie gut die Planung ist, jeder Notfall ist anders und birgt Unwägbarkeiten, die sich nur im aktuellen Fall lösen lassen. Wichtig ist, dass in der Vorbereitung der Maßnahmen immer die Rechte und die Würde der Betroffenen gewahrt werden.

Doch was kennzeichnet eine Notsituation? Was passiert im Krisenfall? Welche Bedeutung hat die Koordinierung der Hilfspartner? Finden Sie die Antworten auf diese und weitere Fragen in unseren FAQs:

Kennzeichen einer Notsituation

Es gibt bestimmte Schlüsselindikatoren, die eine Notsituation kennzeichnen:

Allgemeine Sterblichkeitsrate:
Mehr als fünf Tote am Tag pro 10.000 Menschen. Zum Vergleich: Als normal gelten 0,5 Tote am Tag pro 10.000 Menschen.

Kindersterblichkeitsrate:
Vier oder mehr tote Kinder am Tag pro 10.000. Zum Vergleich: Unter normalen Umständen verstirbt täglich ein Kind von 10.000.

Gesundheit:
Ein signifikanter Anstieg einer der folgenden Krankheiten:

  • Masern
  • Durchfallerkrankungen
  • Akute Atemwegserkrankungen
  • Malaria
  • Mangelernährung


Ernährung:
Ein Ernährungsnotfall liegt vor, wenn mehr als 15% der Kinder unter fünf Jahren nur 80% ihres Normalgewichts erreichen. Der kritische Prozentsatz fällt auf 10%, sobald andere Faktoren wie z.B. eine Masernepidemie dazukommen.

Warum ist die Koordination in Notsituationen wichtig?

Nur wenn Hilfsorganisationen koordiniert zusammenarbeiten und ihre Expertise bündeln, können sie in einer Notsituation schnell und effektiv helfen.

Jede Organisation hat im Krisenfall andere Kompetenzen und Verantwortungen. Diese Verantwortlichkeiten werden durch das ständige interinstitutionelle Kommitee (Inter-Agency Standing Committee (IASC)) festgelegt. Grundsätzlich gilt eine klare Trennung der Verantwortungsbereiche, so dass Lücken schnell identifiziert werden können.

Nach den IASC-Prinzipien ist UNHCR verantwortlich für

  • Schutzfragen (Protection),
  • Notunterkünfte (Emergency Shelter) sowie
  • die Koordinierung der humanitären Arbeit in Flüchtlingslagern (Camp Management).

 

Ein Plan für jede Krise

Im Fall einer akuten Krise zählt jede Stunde, jede Minute. Daher läuft jeder Einsatz nach einem bestimmten Muster ab - eingeteilt in drei verschiedene Notfallstufen:

Notfallstufe 1:
Um sich auf einen wahrscheinlich humanitären Notfall vorzubereiten, erfolgen Vorbereitungsmissionen durch das betroffene UNHCR-Länderbüro. Sie werden personell, finanziell und materiell durch die UNHCR-Zentrale in Genf unterstützt, um sich vor Ort einen Überblick über den Zugang, die Sicherheitsprobleme und potentielle Lagerplätze zu verschaffen.

Notfallstufe 2:
Der Katastrophenplan wird bezüglich Logistik und Beurteilung der Sicherheitslage angepasst. Ein kompletter Einsatzplan wird erstellt und entsprechende Budgets bereitgestellt, um zusätzliche Ressourcen von der UNHCR-Zentrale anfordern zu können.
In den UNHCR-Lagern für Hilfsgüter wird das benötigte Material zur Versendung vorbereitet und die Mitarbeiter*innen des Nothilfeteams informiert.

Notfallstufe 3:
In einer außergewöhnlich ernsten Situation, wird die Mitarbeit des gesamten UNHCR benötigt, weil das Ausmaß, das Tempo, die Komplexität oder die Folgen der Krise die bestehenden Reaktionskapazitäten der Länderoperation übersteigen.
Der Einsatzplan wird umgesetzt und die Mitarbeiter*innen des Nothilfe-Teams an ihren Einsatzort gebracht.

Mindeststandards in der Nothilfe

  • sieben Liter sauberes Trinkwasser pro Person und Tag
  • 2.100 kcal pro Person und Tag
  • Schutz vor Wind, Regen, extremen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung
  • eine Latrine pro Familie (sechs bis zehn Personen)
  • ein Wasserzugang pro Gemeinschaft (80 bis 100 Personen)
  • ein Gesundheitszentrum pro Flüchtlingslager (oder 20.000 Menschen)
  • ein Krankenhaus (bis zu 200.000 Menschen)

Wie wird man Nothelfer?

Jede*r UNHCR-Mitarbeiter*in, der oder die über Arbeitserfahrung und Sprachkenntnisse verfügt, kann sich um die Ausbildung zum Nothelfer*in bewerben. Die meisten der Bewerber*innen waren bereits für den UNHCR im Ausland im Einsatz.

Diejenigen, die ausgewählt werden, nehmen an mehreren intensiven Ausbildungs-Workshops über Notfall-Management teil, die alle Aspekte von UNHCR-Noteinsätzen abdecken. Dazu zählen:

  • Planung der Lagerplätze
  • Verhandlungsführung mit örtlichen Behörden
  • Erste Hilfe
  • Fahren mit Geländewagen
  • Umgang mit Stress
  • Arbeiten im Team
  • Leitung eines Koordinationstreffens


Das Training:
Die Teilnehmer*innen werden in simulierten Situationen auf Notfäll vorbereitet und getestet, wie sie in Krisen reagieren. In Not- und Krisensituationen ist eine schnelle Orientierung und Reaktionsfähigkeit in unbekannter Umgebung gefordert. Entscheidend für die Mitarbeit ist auch die Teamfähigkeit jedes/jeder Einzelnen. Denn in kritischen Situationen, muss sich jede*r auf die anderen verlassen können.

Wasser, Händewaschen

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