Menschen sind in 2025 nach Afghanistan zurückgekehrt (Stand: Januar 2026)
Afghan*innen leben als Binnenvertriebene im Land (Stand: Januar 2026)
Afghanistan: Hilfsbedarf größer denn je
Stand: Januar 2026
Afghanistan befindet sich im Dauerkrisenmodus. Seit mehr als vier Jahrzehnten prägen Konflikte, Vertreibung und Unsicherheit das Leben in Afghanistan. Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren, viele flohen in Nachbarländer wie Iran und Pakistan, 3,2 Millionen leben als Binnenvertriebene im eigenen Land.
Armut, Hunger, Wetterextreme und Naturkatastrophen verschärfen die Situation zusätzlich.
Hilfe für afghanische Rückkehrer*innen gefährdet
Seit September 2023 sind mehr als fünf Millionen Afghaninnen und Afghanen aus Pakistan und Iran zurückgekehrt. Ein Teil von ihnen ging freiwillig, viele jedoch unter starkem Druck. Allein in 2025 kamen 2,9 Millionen Rückkehrer*innen in Afghanistan an.
Viele von ihnen besitzen weder Eigentum noch Ersparnisse und haben kaum familiäre oder soziale Netzwerke, die sie unterstützen könnten. Die hohe Zahl an Rückkehrenden belastet die ohnehin stark eingeschränkten lokalen Ressourcen. Obwohl die Aufnahmegemeinschaften die Rückkehrenden oft solidarisch aufnehmen, bleibt ihre Wiedereingliederung fragil.
Um weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung!
Gemeinsam können wir dabei helfen, dass Finanzierungslücken geschlossen werden und überlebenswichtige Projekte weiterlaufen können.
Gleichzeitig verschärft sich die finanzielle Lage der humanitären Hilfe deutlich. Die Unterstützung wird immer weiter gekürzt: Die Bargeldzuschüsse, die Rückkehrende an der Grenze erhalten, um den Neustart in einer oft kaum bekannten Heimat zu ermöglichen, mussten in 2025 um das Siebenfache reduziert werden.
Auch langfristige Hilfsmaßnahmen wie der Bau von Kliniken, Schulen und Wohnraum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen und Einkommen müssen wegen fehlender Mittel zurückgefahren werden. Übrig bleibt meist nur noch grundlegende humanitäre Hilfe – lebenswichtig, aber kurzfristig und nicht ausreichend, um einen nachhaltigen Wiederaufbau zu ermöglichen.
Verheerende Erdbeben in Afghanistan
Die dramatischen Folgen der Erdbeben in 2025:
- Hunderttausende Menschen haben ihr Zuhause verloren und müssen im Freien und in Notunterkünften leben - ungeschützt vor Wetter und Kälte, die in Afghanistan in den Wintermonaten extrem werden.
- Viele Straßen und Brücken wurden zerstört, abgelegene Dörfer sind nur zu Fuß erreichbar.
- Besonders dramatisch: Die Erdbeben trafen Regionen, die schon zuvor durch Flüchtlingsrückkehr und Überschwemmungen belastet waren. Für viele Familien kam die Katastrophe, als sie ohnehin kaum Ressourcen zum Überleben hatten.
Während die Menschen um ihre Angehörigen trauern, sind die Gesundheitsdienste überlastet und die Rettungsmaßnahmen sind durch die mangelnde Infrastruktur in den betroffenen Gebieten schwierig.“
Die Situation in der Erdbebenregion ist noch immer angespannt. Insbesondere vor dem nahenden Winter müssen Familien Hilfsgüter erhalten.
So wirkt Ihre Spende an die UNO-Flüchtlingshilfe
Schnelle Nothilfe direkt nach dem Erdbeben
Der UNHCR brachte in den ersten Wochen 1.000 Kubikmeter Hilfsgüter in die betroffenen Regionen, darunter Familienzelte, Planen, Decken, Solarlampen, Wasserkanister und Gas zum Heizen.
Unterstützung für Rückkehrende
Viele Afghan*innen kommen derzeit aus den Nachbarländern zurück – häufig ohne Hab und Gut. Der UNHCR hilft u. a. mit rechtlicher Beratung, Bargeldhilfen an den Grenzübergängen.
Schutz für besonders verletzliche Menschen
Der UNHCR sorgt dafür, dass Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen nicht allein gelassen werden - z. B. durch Schutzprogramme und Anlaufstellen für Frauen oder psychosoziale Unterstützung und rechtliche Beratung.
Winterhilfe, die Leben rettet
Um zurückgekehrte Familien und Vertriebene in Afghanistan auf den Winter vorzubereiten, verteilt der UNHCR spezielle Hilfsgüter wie Winterkleidung, Zeltisolierungen, Bau- und Heizmaterial.
Helfen Sie uns, zu helfen
Ihre Unterstützung ermöglicht lebenswichtige Hilfe für Frauen, Mädchen und Familien in Afghanistan.
Sie gibt Schutz, Versorgung und Hoffnung dort, wo Rechte entzogen, Existenzen zerstört und Überleben täglich neu erkämpft werden muss.
Jede Spende hilft, Not zu lindern und Menschen in akuten Krisen nicht allein zu lassen.
Frauen und Mädchen in Afghanistan besonders gefährdet
Frauen und Mädchen in Afghanistan zählen zu den am stärksten gefährdeten Gruppen weltweit. Die Taliban entziehen Frauen zunehmend ihre Rechte und schließen sie systematisch vom gesellschaftlichen Leben aus.
In vielen Regionen ist Mädchen der Schulbesuch und Frauen die Ausübung von Berufen untersagt. Dadurch fehlt ihnen ein eigenes Einkommen, und sie sind oft vollständig auf Hilfe angewiesen.
Besonders gefährdet sind alleinstehende Frauen und weiblich geführte Haushalte, die rund 30 % der Rückkehrenden ausmachen. Ohne männliche Unterstützung haben sie häufig keinen Zugang zu Schutz, Hilfsleistungen oder Einkommensmöglichkeiten.
Hinzu kommen große Hindernisse für die humanitäre Hilfe: In einigen Gebieten dürfen Frauen nicht für Hilfsorganisationen arbeiten, obwohl viele betroffene Frauen nur von weiblichen Helfinnen erreicht werden können.
Viele Frauen sind zudem psychisch stark belastet, da sie Angehörige verloren haben oder allein für Kinder und ältere Familienmitglieder sorgen müssen. Nach Katastrophen sind sie oft traumatisiert und gleichzeitig gezwungen, unmittelbar für das Überleben ihrer Familie zu sorgen.
Millionen leben in Afghanistan als Vertriebene im eigenen Land
Unterdrückung, Gewalt und Wetterextreme haben dazu geführt, dass rund 3,2 Millionen Afghaninnen und Afghanen als Binnenvertriebene im eigenen Land leben.
Traditionell werden in Afghanistan die Vertriebenen häufig von der lokalen Bevölkerung unterstützt, wobei die Binnenvertriebenen sich auf die Stammesstrukturen und die Hilfe der Familie stützen. Doch diese Unterstützung ist für viele Menschen kaum noch aufrecht zu erhalten, da sie selbst in Armut leben. Mehrfache Vertreibungen, die wirtschaftliche Instabilität sowie die Folgen der klimatischen Veränderungen, Dürren und Überschwemmungen erschweren das Überleben der Binnenvertriebenen.
Ich hole altes Brot vom Bäcker und dann tunken wir es in Wasser, um es weicher zu machen.
Wenn er etwas Geld hat, kauft Ahmed etwas Gemüse. “Feuerholz können wir uns nicht leisten.” Darum verbrennt Ahmed in dem kleinen Ofen Teppichreste und Abfälle von der Straße, damit es die Kinder warm haben. Der Rauch beißt in den Augen.
Fragen und Antworten zur Hilfe in Afghanistan
Was ist beim Erdbeben in Afghanistan 2025 passiert?
Im Osten Afghanistans erschütterte am 31. August 2025 ein Erdbeben der Stärke 6,0 die Provinzen Kunar, Nangarhar, Nuristan und Badachschan. Mehr als 2.200 Menschen kamen ums Leben, über 3.600 wurden verletzt, und über 6.300 Häuser wurden zerstört.
Nach mehreren Nachbeben, erschütterte am 24.9. ein weiteres schweres Erdbeben der Stärke 4,9 die Region. Die Auswirkungen auf die Instrastruktur, wie Straßen und Wasserversorgung, sind erheblich. Hunderttausende Menschen sind seither obdachlos und brauchen dringend Hilfe.
Wie hilft die UNO-Flüchtlingshilfe in Afghanistan?
Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt den UNHCR dabei, Menschen in Not zu helfen. Dazu gehören:
- Notunterkünfte, Decken und Hilfsgüter für obdachlose Familien
- Schutzprogramme für Frauen und Kinder, um Gewalt und Ausbeutung zu verhindern
- Bargeldhilfen für Rückkehrende, damit sie Nahrung und Unterkunft sichern können
- Winterhilfe mit Kleidung, Heizmaterial und Zeltisolierung
Warum brauchen Frauen und Mädchen in Afghanistan besonderen Schutz?
Viele Frauen und Mädchen haben durch die politischen Veränderungen ihre Rechte verloren, können nicht arbeiten und sind häufig ohne männliche Unterstützung schutzlos. Nach dem Erdbeben sind alleinstehende Frauen und weiblich geführte Haushalte besonders verletzlich. Hilfsorganisationen können sie oft nur durch weibliches Personal erreichen – doch der Zugang für Helferinnen ist eingeschränkt.
Wie kann ich Menschen in Afghanistan am besten unterstützen?
Am wirkungsvollsten sind flexible Geldspenden. Sie ermöglichen es UNHCR, sofort dort zu helfen, wo es am dringendsten ist: Zelte und Decken zu liefern, Kinder zu schützen, Frauen zu unterstützen und Winterhilfe bereitzustellen.
Kommt meine Spende wirklich bei den Betroffenen an?
Ja. Die UNO-Flüchtlingshilfe arbeitet eng mit dem UNHCR zusammen, der seit Jahrzehnten in Afghanistan tätig ist. Ihre Spende wird dort eingesetzt, wo die Not am größten ist – transparent und nachweisbar. Wir berichten regelmäßig über die Hilfe und zeigen, wie Ihre Unterstützung wirkt.
Warum ist schnelle Hilfe jetzt so wichtig?
Die Menschen in Afghanistan stehen vor dem Winter, viele haben ihr Zuhause verloren und schlafen in Notunterkünften oder unter freiem Himmel. Ohne schnelle Hilfe drohen Unterkühlung, Krankheiten und Hunger. Jede Spende hilft, Leben zu retten und Hoffnung zu schenken.
40 Jahre Afghanistan: Eine Chronik von Konflikt & Gewalt
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Machtübernahme der Demokratischen Volkspartei Afghanistan
Die kommunistisch geprägte Demokratische Volkspartei Afghanistan (DVPA) putscht am 27. April 1978 gegen den damaligen Präsidenten Mohammad Daud. Darauf folgen mehrere Jahre der Schreckensherrschaft mit radikalen Land- und Bildungsreformen innerhalb des Landes.
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Einmischung der Sowjetunion
Die Sowjetunion als wichtigster Bündnispartner der DVPA hat Sorge vor einem Zusammenbruch der kommunistischen Regierung. Als Konsequenz besetzen die sowjetischen Truppen das Land Ende Dezember.
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Schauplatz des Kalten Kriegs
Afghanistan wird eines der wichtigsten Schlachtfelder des Kalten Kriegs zwischen den zwei Großmächten USA und UdSSR. Die afghanische Regierung führt die Funktion eines Marionettenregimes Moskaus aus. In dieser Zeit bilden sich die anti-kommunistischen Widerstandskämpfer, die Mudschaheddin, die finanziell von den USA und Saudi-Arabien unterstützt werden und sich gegen die sowjetische Macht auflehnen.
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Sowjetunion verlässt das Land
Abzug der sowjetischen Streitkräfte. Afghanistan versinkt im Bürgerkrieg.
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Herrschaft der Mudschaheddin
Zwischen den Jahren 1992 bis 1996 herrschen die anti-kommunistischen Mudschaheddin als regierende Macht in Afghanistan. Während dieser Herrschaftszeit entsteht die Taliban-Miliz.
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Übernahme der Taliban
Die Herrschaft der Mudschaheddin endet und die Taliban übernehmen die Macht in Afghanistan mit dem Ziel, den Gottesstaat "Islamisches Emirat" zu bilden.
Sie setzten strenge und extreme islamische Sitten durch und verhängen harte Strafen für Verstöße. Die Freiheiten der afghanischen Menschen werden stark eingeschränkt. Frauen müssen sich verschleiern, Sport, Musik und neue Technologien werden verboten und Bildungseinrichtungen müssen schließen. Unter der Herrschaft der Taliban ist Afghanistan ein Zufluchtsort für vielen Terrorgruppen wie Islamischer Staat und al-Qaida.
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Der Kampf gegen den Terror
Mit den von Afghanistan aus geplanten Terroranschlägen am 11. September 2001 beginnt ein rigoroser Kampf gegen den internationalen Terror von den USA und ihren Verbündeten wie der NATO. Die Vereinigten Staaten von Amerika und das Vereinigte Königreich stürzen die Taliban im Bündnis mit der afghanischen Nordallianz. Die internationale Gemeinschaft etabliert eine afghanische Übergangsregierung unter der Leitung der USA. Mehr als 40 Länder engagieren sich für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan.
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Beginn des Friedensprozesses
Der Friedensprozess beginnt mit Friedensgesprächen auf dem Petersberg in Bonn und führt zunächst zu einer Übergangsregierung unter Führung Hamid Karzais. Um ihren Schutz zu garantieren, wird die International Security Assistance Force (ISAF) aufgebaut. In den folgenden Jahren wird eine neue Verfassung eingeführt und demokratisch präsidentielle und parlamentarische Wahlen abgehalten.
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Zerfall der neuen Regierung
Zwischen den Jahren 2007 und 2014 verliert die neue Regierung zunehmend an Legitimität. Es kommt vermehrt zu Aufständen und Gewalt im Land und die Sicherheitslage in der Islamischen Republik Afghanistan verschlechtert sich drastisch. Nach dem politischen Übergang in 2015 verschlechtert sich die Wirtschafts- und Sicherheitssituation weiter. Die Taliban werden von der Terrororganisation Islamischer Staat unterstützt und nehmen zeitweise die Stadt Kundus ein. In diesem Zeitraum fliehen mehr als 1 Million Menschen innerhalb Afghanistans.
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Abzug der Internationalen Kräfte
Ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban vom Februar sieht den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis April 2021 vor. Eine Reduzierung der Größe der in Afghanistan stationierten US-Truppen findet bereits im Juni 2020 statt.
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Abzug und Machtergreifung der Taliban
Bis Ende August 2021 ziehen sich alle internationalen Truppen aus Afghanistan zurück. Am 29. Juni verlassen die letzten deutschen Soldat*innen das Land. Viele Menschen flüchten aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage. Besonders die afghanischen Ortskräfte, die in der Vergangenheit für internationale Kräfte gearbeitet haben, sind in Gefahr. Anfang August setzt die deutsche Bundesregierung wegen der instabilen Sicherheitslage die Abschiebungen nach Afghanistan aus. Am 15. August 2021 nehmen die Taliban Kabul ein und errichten eine Übergangsregierung. Die internationale Gemeinschaft steht der neuen Übergangsregierung kritisch gegenüber.
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Lage der Frauen verschlechtert sich
Entgegen der Ankündigungen bei der Machtergreifung Ende 2021 haben die Taliban wieder restriktive Maßnahmen eingeführt, die Frauen und Mädchen systematisch vom sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben ausschließen. Der Besuch einer Sekundarschule ist für Frauen seit März 2022 nicht mehr erlaubt. Auch dürfen Frauen nicht allein und nur mit Kopfbedeckung das Haus verlassen. Außerdem wird über Menschenrechtsverletzungen berichtet, darunter Zwangsverheiratungen und Schläge sowie die Inhaftierung von Demonstrantinnen und Menschenrechtsaktivistinnen.
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