Binnenvertriebene
© UNHCR/Benjamin Loyseau

Binnenvertriebene

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Auf der Flucht im eigenen Land

Binnenvertriebene machen die Hälfte der weltweit 100 Millionen Menschen auf der Flucht aus. Ihre Schicksale spielen sich häufig vergessen von der Weltöffentlichkeit und fernab von Hilfseinsätzen ab. Ende 2021 galten 53,2 Millionen Menschen als binnenvertrieben.

Definition Binnenvertriebene

Intern Vertriebene sind Zivilist*innen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. 1998 wurden von der UN die „Guiding Principles on Internal Displacement” veröffentlicht, darin werden Binnenvertriebene definiert als:

"… Personen oder Personengruppen, die zur Flucht gezwungen oder verpflichtet wurden oder ihre Häuser oder üblichen Wohnsitze verlassen mussten, insbesondere infolge von oder zum Zwecke der Vermeidung der Auswirkungen von bewaffneten Konflikten, Situationen allgemeiner Gewalt, Menschenrechtsverletzungen oder natürlichen oder von Menschen verursachten Katastrophen, und die keine international anerkannte Staatsgrenze überquert haben."

Ihre Zukunft ist unsicher – sie leben als Ausgestoßene in ihren eigenen Heimatländern. Sie sind Opfer von Krieg und Verfolgung und haben oft keinen rechtlichen oder physischen Schutz.

50
Prozent

der Menschen auf der Flucht sind Binnenvertriebene.

53,2
Millionen

Menschen galten Ende 2021 als intern Vertriebene.

6,9
Millionen

Binnenflüchtlinge leben in Syrien - in keinem Land leben mehr.

Was ist der Unterschied zu Flüchtlingen?

Flüchtlinge und Binnenvertriebene verlassen ihre Heimat aus ähnlichen Gründen. Vertriebene, die eine internationale Grenze überschreiten, werden nach dem Völkerrecht als Flüchtlinge anerkannt. Binnenflüchtlinge bleiben hingegen innerhalb der Grenzen ihres Landes und damit haben sie andere Rechte und ihnen stehen auch andere Hilfeleistungen zur Verfügung.

Flüchtlinge, wie sie auch in der Genfer Flüchtlingskonvention definiert werden, sind durch internationale Abkommen geschützt. Dagegen gibt es keine speziellen völkerrechtlichen Instrumente für Binnenvertriebene und allgemeine Übereinkommen wie die Genfer Flüchtlingskonvention lassen sich in vielen Fällen nur schwer anwenden. Für ihren Schutz ist eigentlich der jeweilige Staat zuständig, der diesen in vielen Fällen aber nicht mehr gewährleisten kann, oder für diese Bevölkerungsgruppe nicht garantieren will. Ihr Schicksal bleibt in den Händen der heimischen Regierung, die sie aber möglicherweise als „Staatsfeinde“ einstuft. Geberländer zögern bisweilen, bei innerstaatlichen Konflikten aktiv zu werden oder dauerhafte Unterstützung anzubieten.

  • Muna (9) und Swkina (8) leben in einem Flüchtlingscamp in der nördlichen Provinz Amran im Jemen. Ihre Familien mussten aus ihrer Heimat in der Provinz Saada fliehen, seitdem sind sie Geflüchtete in ihrem eigenen Land.
    © UNHCR/Yahya Arhab

    Muna (9) und Swkina (8) leben in einem Flüchtlingscamp in der nördlichen Provinz Amran im Jemen. Ihre Familien mussten aus ihrer Heimat in der Provinz Saada fliehen, seitdem sind sie Geflüchtete in ihrem eigenen Land.

  • Halima vermisst ihr Leben in ihrer Heimatstadt. Seit mehr als sieben Jahren lebt die syrische Witwe als Vertriebene in ihrem eigenen Land.
    © UNHCR

    Halima vermisst ihr Leben in ihrer Heimatstadt. Seit mehr als sieben Jahren lebt die syrische Witwe als Vertriebene in ihrem eigenen Land.

  • © UNHCR/Mustafa Saeed

    "Wir hatten 300 Schafe, als wir hierher kamen, aber sie starben, und jetzt sind weniger als 100 übrig und sie sind krank", erzählt Saynab Hassan Haibe. Aufgrund der schweren Dürre in Somalien wurde sie dazu gezwungen mit ihrer Familie in den Bezirk Wajaale zu ziehen.

  • Die Kämpfe in ihrem Heimatland Äthiopien zwangen die 20-jährige Salam zur Flucht, als diese schließlich auch ihr Wohngebiet erreichten. Gemeinsam mit ihrer Familie floh sie in das Haus ihres Schwiegervaters in Tanqa Milash in Äthiopien. Hier fühlen sie sich wenigstens sicher, leben aber seitdem in einem Zimmer mit nur einer Matratze.
    © UNHCR/Olga Sarrado Mur

    Die Kämpfe in ihrem Heimatland Äthiopien zwangen die 20-jährige Salam zur Flucht, als diese schließlich auch ihr Wohngebiet erreichten. Gemeinsam mit ihrer Familie floh sie in das Haus ihres Schwiegervaters in Tanqa Milash in Äthiopien. Hier fühlen sie sich wenigstens sicher, leben aber seitdem in einem Zimmer mit nur einer Matratze.

  • Außerhalb von Kabul müssen die meisten vertriebenen Familien im Freien schlafen oder in behelfsmäßigen Unterkünften in einem der beiden öffentlichen Parks. Nur wenige können es sich leisten, Wohnungen in der Stadt zu mieten. Viele Binnenvertriebene sind auf die Verteilung von Bargeld und wichtigen Hilfsgütern angewiesen.
    © UNHCR/Tony Aseh

    Außerhalb von Kabul müssen die meisten vertriebenen Familien im Freien schlafen oder in behelfsmäßigen Unterkünften in einem der beiden öffentlichen Parks. Nur wenige können es sich leisten, Wohnungen in der Stadt zu mieten. Viele Binnenvertriebene sind auf die Verteilung von Bargeld und wichtigen Hilfsgütern angewiesen.

  • Nach einem Ausbruch des Nyiragongo-Vulkans in Goma haben Esperance Muhoza, ihr Mann und ihre sieben Kinder alles verloren. Das Bild zeigt sie an der Stelle, an der einst ihr Haus stand.
    © UNHCR/Guerchom Ndebo

    Nach einem Ausbruch des Nyiragongo-Vulkans in Goma haben Esperance Muhoza, ihr Mann und ihre sieben Kinder alles verloren. Das Bild zeigt sie an der Stelle, an der einst ihr Haus stand.

In welchen Ländern gibt es die meisten Binnenvertriebenen?

In den meisten Herkunftsländern von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen herrscht Krieg, Bürgerkrieg oder Gewalt von bewaffneten Gruppen gegen einzelne Bevölkerungsgruppen. Mehr als zwei Drittel der Binnenvertriebenen leben in nur zehn Ländern:

Welche Position nimmt der UNHCR zu Binnenvertriebenen ein?

Es gibt keine originär zuständige (UN) Organisation für intern Vertriebene. Auch das Mandat des UNHCRs sieht keine spezielle Zuständigkeit für Binnenvertriebene vor. Diese Aufgaben teilen sich eine Reihe unterschiedlicher Organisationen der Vereinten Nationen.

In den vergangenen Jahren hat jedoch die internationale Gemeinschaft eine lebhafte Debatte über Binnenvertreibung begonnen. Ende 2005 haben sich die Vereinten Nationen und andere Organisationen auf einen besser koordinierten und umfassenderen Ansatz zum Schutz von Binnenvertriebenen geeinigt. Der UNHCR übernimmt dabei nach dem Cluster-Ansatz eine leitende Position bei der Unterbringung als auch beim Rechtsschutz sowie bei Campkoordinierung und -management (CCCM).

Denn die Situationen von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen überlappen sich in vielen Fällen, und oft hat sich ein einziger koordinierter Einsatz als sinnvollste Lösung erwiesen. Die Satzung von UNHCR wurde dafür flexibel interpretiert.

In der Vergangenheit gab es allerdings auch Hindernisse wie Sicherheitsprobleme und die Verwehrung des Zugangs durch Regierungen und Rebellen. Bisweilen erwies es sich als schwierig, Flüchtlingen und Binnenvertriebenen gleichzeitig zu helfen. Es liegt in der Natur von Programmen für Binnenvertriebene, dass sie die Asylgewährung für diejenigen erschweren können, die in Nachbarländer geflohen sind.

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