Flüchtlinge an der Grenze
© UNHCR/C.Melzer

Ukraine: Nothilfe für Flüchtlinge und Vertriebene

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Humanitäre Krise in der Ukraine

[Stand: 16.05.2022] 
In den elf Wochen seit der russischen Invasion wurde ein Drittel der ukrainischen Bevölkerung aus ihren Dörfern und Städten vertrieben. Weltweit ist dies die Situation mit der höchsten Zahl an Vertriebenen. 6 Millionen Flüchtlinge sind seit Beginn des Konflikts über die Grenzen geflohen. 8 Millionen Menschen innerhalb des Landes gelten als Binnenvertriebene.

14 Millionen Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe und Schutz angewiesen.

Massive Verwüstungen in urbanen Zentren und die Zerstörung der zivilen Infrastruktur haben das Leben für Millionen von Menschen unerträglich gemacht. Lebenswichtige Dienste, insbesondere den Zugang zu Wasser- und Gesundheitsversorgung sind stark beeinträchtigt.

Exodus in Zahlen

6,1
Millionen

Menschen aus der Ukraine geflohen - der Großteil von ihnen sind Frauen & Kinder

8,0
Millionen

Menschen sind innerhalb der Ukraine auf der Flucht.

13,0
Millionen

Menschen befinden sich in schwer zugänglichen Regionen.

Das UNHCR-Datenportal liefert regelmäßig die neusten Zahlen und Informationen
zur Situation der Flüchtlinge aus der Ukraine: https://data2.unhcr.org/en/situations/ukraine/ 

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Die humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung werden verheerend sein.

Filippo Grandi, UN-Hochkommissar für Flüchtlinge
 

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Sreenshot Video

Tödlicher Konflikt mitten in Europa

Der Konflikt begann bereits im Frühjahr 2014. Seitdem schwelt im Osten der Ukraine ein nicht endender Kampf, in dem bereits tausende Zivilisten getötet und verletzt wurden.

Für die Menschen in der Ostukraine gehörten seit Jahren die Angst vor Beschuss, gewaltsamen Zusammenstößen oder die Gefahr durch die vielen Landminen und Blindgänger zum Alltag. Die Versorgung der Bevölkerung, vor allem der älteren Menschen, Kranken und Behinderten, war extrem schwierig

Im Verlauf der letzten Jahre bemühten sich zwar die beteiligten Akteure und Dritte mehrfach um die Umsetzung eines Waffenstillstandes. So einigte man sich bereits Anfang 2015 mit der Annahme des Minsker Abkommens auf einen teilweisen Waffenstillstand entlang der rund 450 Kilometer langen "Kontaktlinie", die das Gebiet in unter und außerhalb der Kontrolle der ukrainischen Regierung unterteilt. Doch dieser hielt - ebenso wie alle seitdem ausgehandelten Feuerpausen - nicht. Seit Ende 2021 spitzte sich die Situation immer weiter zu.

Seit fast 30 Jahren in der Ukraine aktiv

Der UNHCR ist seit 1994 in der Ukraine tätig und hat Büros an sechs Standorten im ganzen Land sowie Lager in drei Gebieten, um humanitäre Hilfsgüter zu lagern.

Schon vor Beginn der jetzigen Militäraktion war der humanitäre Bedarf hoch. Rund 3 Millionen Menschen waren auf Hilfe angewiesen, darunter mehr als 850.000 Binnenvertriebene, sowie rund 5.000 Asylsuchende und Flüchtlinge, die in der Ukraine Zuflucht gesucht hatten, und etwa 36.000 Staatenlose und von Staatenlosigkeit bedrohte Menschen.

Dies ist unser dritter Tag unterwegs. Wir sind geflohen als die ersten Bomben fielen. Wir haben 12 Stunden aus Kiew raus gebraucht. Jetzt warten wir seit 36 Stunden hier.

Olga aus Kiew erreichte mit ihren beiden Kindern, einer Nachbarin und deren Tochter nach drei Tagen die Grenze zu Polen. Normalerweise braucht man für die Strecke 7 Stunden.

Mehr dazu finden Sie auch in unserem Blog:

"Wir hatten keine Wahl"

Humanitäre Hilfe inmitten einer Militäroffensive

Der UNHCR hat die Ukraine zu einem Notfall der Stufe Drei erklärt. Das ist die höchste Notfall-Stufe überhaupt, bei der umfassende Hilfsoperationen in Gang gesetzt werden.

Die UNHCR-Teams haben alle Notfallmaßnahmen aktiviert, um Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und vom Konflikt betroffenen Menschen gleichermaßen zu helfen. Angesichts der enormen Bedürfnisse wird der UNHCR seine Hilfsmaßnahmen auf die Bereitstellung von Unterkünften, grundlegender Hilfsgüter und Bargeldhilfen konzentrieren und sich dafür einsetzen, dass alle Schutzbedürftigen ihre Rechte wahrnehmen können.

Soweit es die Sicherheitslage innerhalb der Ukraine zulässt, kümmern sich die UNHCR-Helfer*innen um die Verteilung von Nothilfepaketen mit Basishilfsgütern, wie Decken und Wasserkanistern. Dazu stehen sie in Kontakt mit lokalen Partnerorganisationen sowie Vertreter*innen von Binnenvertriebenengemeinschaften, um die Bedürfnisse zu erheben und sichere Orte für die Betroffenen zu finden. Insbesondere bereitet sich der UNHCR darauf vor, Binnenvertriebene in der Westukraine zu unterstützen, wo der Zugang zur humanitären Hilfe sicherer ist. Des Weiteren verstärkt der UNHCR landesweite Hotlines, um wichtige Informationen für Vertriebene bereitzustellen. Zusätzliche lebensnotwendige Vorräte aus den weltweiten Lagerbeständen des UNHCR werden eingeflogen, um schnell auf neue Vertreibungen reagieren zu können. 

 

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Hilfe in den Nachbarländern

Bisher haben alle Nachbarländer ihre Grenzen für Flüchtlinge aus der Ukraine offen gehalten. Der UNHCR appelliert an die Regierungen nachdrücklich, allen Flüchtlingen weiterhin Zugang zum Territorium zu gewähren: Ukrainer*innen und in der Ukraine lebenden Drittstaatsangehörigen, die nun gleichermaßen gezwungen sind, vor der Gewalt zu fliehen. 

In den benachbarten Ländern unterstützt der UNHCR die Vorbereitungen und laufenden Operationen der jeweiligen Behörden und lokalen Hilfsorganisationen, um den Flüchtlingen, die über die Grenzen kommen, angemessen helfen zu können und den notwendigen Schutz der Menschen zu gewährleisten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den besonders verletzlichen Gruppen wie unbegleiteten Kindern, älteren und behinderten Menschen. Sie erhalten essenzielle Hilfen und Zugang zu aufnehmende Institutionen.

Der UNHCR hat seine Vertretungen in Ungarn, Polen, Rumänien, Belarus, Moldawien und in der Slowakei verstärkt. Zusätzliche Helferinnen und Helfer sind auf dem Weg, um die Arbeit der jeweiligen Länderbüros zu unterstützen.

Was umfasst die Ukraine-Soforthilfe?

Grundlegende Hilfsgüter wurden in den Ländern vorpositioniert und werden nun an die Neuankömmlinge verteilt. Dazu gehören Wärmedecken und andere dringend benötigte Gegenstände, da flüchtende Familien ihr gesamtes Hab und Gut zurückgelassen haben. Ein weiterer Bestandteil ist die Bargeldhilfe, damit insbesondere die am stärksten gefährdeten Personen ihre Grundbedürfnisse decken können.

Wie werden Flüchtlinge aus der Ukraine geschützt?

Der UNHCR unterstützt die Behörden bei der Registrierung von Neuankömmlingen. Das erleichtert die Identifizierung der am stärksten gefährdeten Personen und Personen mit besonderen Bedürfnissen wie unbegleitete Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und andere Personen, die von einer Vertreibung besonders bedroht sind. Gleichzeitig kann so der Hilfsbedarf festgestellt werden.

Wie werden Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht?

Der UNHCR wird bei Bedarf Notunterkünfte bereitstellen und mit den Behörden zusammenarbeiten, um vorübergehende Aufnahme- und/oder Transiteinrichtungen einzurichten, insbesondere bei den anfangs winterlichen Temperaturen.

 

Wie wird die Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine koordiniert?

Der UNHCR hat eine Koordinierungsrolle. Das heißt, dass der UNHCR gemäß seinem Mandat einen regionalen Refugee Response Plan (RRP) entwickelt. Bei der Ausführung sind verschiedene Partner beteiligt: UNDP, WHO, Save the Children, HelpAge International, INTERSOS, Project Hope, UNFPA, NRC, UNICEF, WFP und IOM.

Der UNHCR unterstützt gleichzeitig die Behörden. Dazu wurden bereits zusätzliche Mitarbeiter*innen nach Moldawien, Polen und Rumänien entsendet.

Familien mit kleinen Kindern kauern in Kellern und U-Bahn-Stationen oder rennen um ihr Leben, unter dem erschreckenden Lärm von Explosionen und heulenden Sirenen. Die Opferzahlen steigen schnell. Dies ist die dunkelste Stunde für die Menschen in der Ukraine. Wir müssen jetzt alles tun, um das Leben und die Würde der Bevölkerung in der Ukraine zu schützen. Wir müssen mit Mitgefühl und Solidarität reagieren.

Martin Griffiths, UN-Nothilfekoordinator

UN-Spendenaufruf: Riesiger Hilfsbedarf für die Ukraine

Um den Millionen Menschen in der Ukraine und über 6,1 Millionen Flüchtlingen in den Nachbarländern die dringend benötigte Hilfe bereitzustellen, haben die Vereinten Nationen und humanitäre Partner einen koordinierten Nothilfeaufrufe in Höhe von insgesamt 1,85 Milliarden US-Dollar für die kommenden 3-6 Monate gestartet. Für die Notfallversorgung und den Schutz von Vertriebenen und Flüchtlingen aus der Ukraine, sowie Unterkünfte und Bargeldhilfen benötigt der UNHCR 2022 1,247 Milliarden US-Dollar.

Hilfsgüter in der Ukraine

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Gruppe von Flüchtlingen aus der Ukraine Ukraine_RF1203899.JPG