Alte Frau mit UNHCR-Decke im Arm
© UNHCR/Anastasia Vlasova

Ukraine: Nothilfe für Flüchtlinge und Vertriebene

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Humanitäre Krise in der Ukraine

Stand: 21.11.2022

Seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wurde ein Drittel der ukrainischen Bevölkerung zur Flucht gezwungen. Damit ist dies heute die größte Vertreibungskrise der Welt. Der UNHCR hat rund 15 Millionen Grenzüberquerungen aus der Ukraine registriert. 6,5 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

Über 7,8 Millionen Menschen aus der Ukraine leben mittlerweile in europäischen Staaten als Flüchtling. Da es innerhalb des Schengen-Raumes nur wenige Grenzkontrollen gibt, bleibt es schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln. 4,7 Millionen von ihnen sind im Zuge der Massenzustrom-Richtlinie in der EU registriert. 

Von den Grenzen werden vermehrt "Pendelbewegungen" gemeldet, da viele Menschen zurück in die Ukraine gehen, wenn ihre Heimatregionen als sicher gemeldet werden. So wurden seit Ende Februar rund 7,5 Millionen Grenzübertritte Richtung Ukraine registriert.

In der Ukraine starten die Vorbereitungen auf den Winter

Durch massive Verwüstungen und die Zerstörung der zivilen Infrastruktur können in der Ukraine jedoch weiterhin viele eingeschlossene Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht befriedigen – dazu gehört die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten. Die Lieferung von lebensrettenden Hilfsmitteln bleibt schwierig, da es in den umkämpften Gebieten keinen sicheren Zugang für humanitäre Hilfe gibt. Der UNHCR und seine Partnerorganisationen bemühen sich weiterhin, die am stärksten Betroffenen mit lebensrettender Hilfe zu erreichen. So konnten mittlerweile über 3 Millionen Menschen mit  Bargeld, Rechtsberatung und lebensnotwendigen Gütern versorgt werden.

+++ Wenige Tage nach Rückzug der russischen Streitkräfte aus Cherson, erreichte ein erster Hilfskonvoi die Stadt. Es waren die ersten Hilfsgüter, die die Menschen in der zerstörten Stadt nach acht Monaten erreichte. Im Rahmen dieser ersten Hilfsaktion für 6.000 Menschen lieferte das UNHCR Wärmedecken, Schlafsäcke, Bettwäsche, Solarlampen, Planen und Wasserkanister. +++

Angesichts des einsetzenden Winters wird Material zur provisorischen Reparatur beschädigter Häuser gebraucht und die Bedingungen in den Aufnahme- und Sammelzentren müssen verbessert werden.  Mindestens 40 Prozent der Energieversorgung in der Ukraine sollen mittlerweile durch russische Raketenangriffe zerstört worden sein, was insbesondere vor dem nahenden Winter eine humanitäre Notlage auslösen könnte.

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Exodus in Zahlen

7,8
Millionen

ukrainische Flüchtlinge in Europa - der Großteil von ihnen sind Frauen & Kinder.

6,5
Millionen

Menschen sind innerhalb der Ukraine auf der Flucht.

15
Millionen

Grenzübertritte aus der Ukraine seit Beginn des Krieges.

Das UNHCR-Datenportal liefert regelmäßig die neusten Zahlen und Informationen
zur Situation der Flüchtlinge aus der Ukraine: https://data2.unhcr.org/en/situations/ukraine/ 

Die humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung werden verheerend sein.

Filippo Grandi, UN-Hochkommissar für Flüchtlinge
 

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Tödlicher Konflikt mitten in Europa

Der Konflikt begann bereits im Frühjahr 2014. Seitdem schwelt im Osten der Ukraine ein nicht endender Kampf, in dem bereits tausende Zivilisten getötet und verletzt wurden.

Für die Menschen in der Ostukraine gehörten seit Jahren die Angst vor Beschuss, gewaltsamen Zusammenstößen oder die Gefahr durch die vielen Landminen und Blindgänger zum Alltag. Die Versorgung der Bevölkerung, vor allem der älteren Menschen, Kranken und Behinderten, war extrem schwierig

Im Verlauf der letzten Jahre bemühten sich zwar die beteiligten Akteure und Dritte mehrfach um die Umsetzung eines Waffenstillstandes. So einigte man sich bereits Anfang 2015 mit der Annahme des Minsker Abkommens auf einen teilweisen Waffenstillstand entlang der rund 450 Kilometer langen "Kontaktlinie", die das Gebiet in unter und außerhalb der Kontrolle der ukrainischen Regierung unterteilt. Doch dieser hielt - ebenso wie alle seitdem ausgehandelten Feuerpausen - nicht.

Seit fast 30 Jahren in der Ukraine aktiv

Der UNHCR ist seit 1994 in der Ukraine tätig und hat Büros an sechs Standorten im ganzen Land sowie Lager in drei Gebieten, um humanitäre Hilfsgüter zu lagern.

Schon vor Beginn der jetzigen Militäraktion war der humanitäre Bedarf hoch. Rund 3 Millionen Menschen waren auf Hilfe angewiesen, darunter mehr als 850.000 Binnenvertriebene, sowie rund 5.000 Asylsuchende und Flüchtlinge, die in der Ukraine Zuflucht gesucht hatten, und etwa 36.000 Staatenlose und von Staatenlosigkeit bedrohte Menschen.

Dies ist unser dritter Tag unterwegs. Wir sind geflohen als die ersten Bomben fielen. Wir haben 12 Stunden aus Kiew raus gebraucht. Jetzt warten wir seit 36 Stunden hier.

Olga aus Kiew erreichte mit ihren beiden Kindern, einer Nachbarin und deren Tochter nach drei Tagen die Grenze zu Polen. Normalerweise braucht man für die Strecke 7 Stunden.

Mehr dazu finden Sie auch in unserem Blog:

"Wir hatten keine Wahl"

Humanitäre Hilfe inmitten einer Militäroffensive

Der UNHCR hat die Ukraine zu einem Notfall der Stufe Drei erklärt. Das ist die höchste Notfall-Stufe überhaupt, bei der umfassende Hilfsoperationen in Gang gesetzt werden.

Die UNHCR-Teams haben alle Notfallmaßnahmen aktiviert, um Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und vom Konflikt betroffenen Menschen gleichermaßen zu helfen. Angesichts der enormen Bedürfnisse wird der UNHCR seine Hilfsmaßnahmen auf die Bereitstellung von Unterkünften, grundlegender Hilfsgüter und Bargeldhilfen konzentrieren und sich dafür einsetzen, dass alle Schutzbedürftigen ihre Rechte wahrnehmen können.

Soweit es die Sicherheitslage innerhalb der Ukraine zulässt, kümmern sich die UNHCR-Helfer*innen um die Verteilung von Nothilfepaketen mit Basishilfsgütern, wie Decken und Wasserkanistern. Dazu stehen sie in Kontakt mit lokalen Partnerorganisationen sowie Vertreter*innen von Binnenvertriebenengemeinschaften, um die Bedürfnisse zu erheben und sichere Orte für die Betroffenen zu finden. Des Weiteren verstärkt der UNHCR landesweite Hotlines, um wichtige Informationen für Vertriebene bereitzustellen. Zusätzliche lebensnotwendige Vorräte aus den weltweiten Lagerbeständen des UNHCR werden eingeflogen, um schnell auf neue Vertreibungen reagieren zu können. 

 

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Hilfe in den Nachbarländern

Bisher haben alle Nachbarländer ihre Grenzen für Flüchtlinge aus der Ukraine offen gehalten. Der UNHCR appelliert an die Regierungen nachdrücklich, allen Flüchtlingen weiterhin Zugang zum Territorium zu gewähren: Ukrainer*innen und in der Ukraine lebenden Drittstaatsangehörigen, die nun gleichermaßen gezwungen sind, vor der Gewalt zu fliehen. 

In den benachbarten Ländern unterstützt der UNHCR die jeweiligen Behörden und lokalen Hilfsorganisationen, um den Flüchtlingen, die über die Grenzen kommen, angemessen helfen zu können und den notwendigen Schutz der Menschen zu gewährleisten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den besonders verletzlichen Gruppen wie unbegleiteten Kindern, älteren und behinderten Menschen. Sie erhalten essenzielle Hilfen und Zugang zu aufnehmende Institutionen.

Was ist die "Massenzustrom-Richtlinie"?

Die sogenannte "Massenzustrom"-Richtlinie garantiert Kriegsflüchtlingen einen vorübergehenden Schutz in der EU, jenseits des individuellen Asylverfahrens und jenseits des Dublin-Systems.

Die Richtlinie wurde in den 1990er-Jahren aufgrund des Krieges im ehemaligen Jugoslawien von der EU geschaffen, um bei einem massiven Zustrom Geflüchteter Mindeststandards für die Gewährung vorübergehenden Schutzes in den Mitgliedsstaaten sowie Maßnahmen zur Förderung einer ausgewogenen Verteilung der Belastungen festzulegen. Dazu gehört zum Beispiel:

  • eine Arbeitserlaubnis für die Vertriebenen,
  • sowie Zugang zu Sozialhilfe, medizinischer Versorgung oder
  • Bildung für Minderjährige.

Zum Schutz der Flüchtlinge aus der Ukraine beschlossen die Mitgliedstaaten am 3. März 2022, diese Richtlinie erstmals zu aktivieren. Bis dahin war sie noch nie genutzt worden. Für ukrainische Staatsangehörige gilt der Schutz für ein Jahr. Danach kann er je nach Situation halbjährig verlängert werden. In dieser Zeit können Schutzsuchende sich ohne Visum in den europäischen Mitgliedsstaaten bewegen.

Der UNHCR hat seine Vertretungen in Ungarn, Polen, Rumänien, Belarus, Moldawien und in der Slowakei verstärkt. Zusätzliche Helferinnen und Helfer sind auf dem Weg, um die Arbeit der jeweiligen Länderbüros zu unterstützen.

Polen

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine trafen über 6,7 Millionen Flüchtlinge in Polen ein, die meisten von ihnen Frauen und Kinder sowie ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. Mehr als 1,4 Millionen Ukrainer sind in Polen registriert. Viele sind in Nachbarländer weitergewandert oder vorübergehend oder längerfristig in die Ukraine zurückgekehrt. UNHCR-Mitarbeiter*innen arbeiten an den Grenzübergängen, um den Schutz jedes Geflüchteten sicherzustellen.

In Zusammenarbeit mit polnischen Hilfsorganisationen erhalten besonders gefährdete Flüchtlingsfamilien in Polen Bargeldhilfen. Gleichzeitig wurden 6 sogenannte Blue Dots aufgebaut, um die gefährdetsten Gruppen, wie allein reisende Kinder, zu versorgen. Die meisten Flüchtlinge erkundigen sich hier nach medizinischen Leistungen, Transportmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung bzw. Bargeldhilfe. Die bereitgestellten Informationsangebote des UNHCR werden auch online angeboten. Die Webseite des UNHCR in Polen wurde mehrere Millionen Mal genutzt.

Moldawien

Mehr als 650.000 Menschen haben die Ländergrenze zwischen der Ukraine und Moldawien überquert. Das kleine Land war anfangs mit dem Zustrom von Menschen in Not überfordert. UNHCR-Mitarbeiter arbeiten an den Grenzübergängen, um die Weiterführung von Geflüchteten nach Rumänien und weitere EU-Staaten zu organisieren. Bis November 2022 wurden über 94.000 Geflüchtete registriert.

In Moldawien wurden 9 Blue Dots aufgebaut, in denen bislang 37.480 Menschen Unterstützung erhalten haben, darunter 18.500 Kinder. Fragen zu Dokumenten und zum Asylverfahren waren die am häufigsten gestellten Fragen.

 

 

Slowakei

An den Grenzen der Slowakei wurden bisher über 850.000 Grenzübergänge gezählt und über 97.000 Flüchtlinge sind in der Slowakei registriert.

Geflüchtet werden vom UNHCR unter anderem durch Bargeldhilfe unterstützt. Besonders schutzbedürftige Gruppen wie Frauen und Kinder werden in drei Blue Dots betreut.

Ungarn

Über 1,5 Millionen Menschen sind seit Beginn des Krieges über die Grenzen nach Ungarn gekommen. Ingesamt wurden bis Oktober 2022 über 31.000 Flüchtlinge registriert.

UNHCR-Mitarbeiter vergewissern sich an den Grenzübergängen, dass die Flüchtlinge ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt und geschützt werden. Insgesamt wurden drei Blue Dot Zentren eingerichtet, sodass die gefährdetsten Gruppen, wie allein reisende Kinder, versorgt werden können. Der UNHCR und seine Partner haben bisher Informationen, Beratung, psychosoziale Unterstützung und Schutz für rund 38.200 Flüchtlinge aus der Ukraine an Grenzübergängen bereitgestellt und Anlaufstellen sowie vorübergehende Unterkünften im ganzen Land eingerichtet.

Rumänien

Über 1,3 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine kamen bis Oktober 2022 über die Grenze nach Rumänien. Davon wurden bislang mehr als 78.000 Flüchtlinge registriert. UNHCR-Mitarbeiter stellen den Schutz und die Versorgung sicher. Die Flüchtlinge werden von lokalen Hilfsorganisationen versorgt. In Rumänien wurden 7 Blue Dots eingerichtet und mehr als 50.000 Menschen konnten mit Rechtsberatung und Informationen unterstützt werden. 

Riesiger Hilfsbedarf für die Ukraine

Um den Millionen Menschen in der Ukraine und in den Nachbarländern die Notfallversorgung und Schutz, sowie Unterkünfte und Bargeldhilfen zur Verfügung stellen zu können, benötigt der UNHCR 2022 1,417 Milliarden US-Dollar.

Was umfasst die Ukraine-Soforthilfe?

Grundlegende Hilfsgüter wurden in den Nachbarländern vorpositioniert und werden an die Neuankömmlinge verteilt. Dazu gehören Wärmedecken und andere dringend benötigte Gegenstände, da flüchtende Familien oftmals ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen müssen. Ein weiterer Bestandteil ist die Rechtsberatung sowie Bargeldhilfe, damit insbesondere die am stärksten gefährdeten Personen ihre Grundbedürfnisse decken können.

Wie werden Flüchtlinge aus der Ukraine geschützt?

Der UNHCR unterstützt die Behörden bei der Registrierung von Neuankömmlingen. Das erleichtert u.a. die Identifizierung der am stärksten gefährdeten Personen und Personen mit besonderen Bedürfnissen wie unbegleitete Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und andere Personen, die von einer Vertreibung besonders bedroht sind.

Auch in der Ukraine unterstützt UNHCR vertriebene Menschen, mit Hilfsgütern, Material zur Reparatur von Gebäuden und finanzieller Unterstützung.

Was sind die Blue Dots ?

Um bei der gleichzeitigen Flucht von vielen Menschen, besonders gefährdete Personen, wie Menschen mit Behinderungen, Kinder, Ältere oder Kranke, Menschen, die möglicherweise Opfer von Menschenhandel geworden sind, Überlebende von Gewalt und Flüchtlinge aus der LGBTQI+-Szene besonders zu unterstützen und zu helfen, haben UNHCR und UNICEF gemeinsam die sogenannten Blue Dots eingerichtet.
Blue Dots sind sichere Orte und Räume, in denen besonders gefährdete Flüchtlinge Informationen, Unterstützung und Gesundheitsversorgung, Bildung, psychosoziale Unterstützung und vieles mehr erhalten. Zu erkennen sind sie an dem Symbol eines blauen Punktes.

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurde in den Nachbarländern, in denen Flüchtlinge aus der Ukraine ankommen, insgesamt 36 Blue Dots eröffnet.
Bulgarien 6
Ungarn 3
Italien 2
Moldawien 9
Polen 6
Rumänien 6
Slowakei 3
Slowenien 1

 

Wie wird die Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine koordiniert?

Der UNHCR hat eine Koordinierungsrolle. Das heißt, dass der UNHCR gemäß seinem Mandat einen regionalen Refugee Response Plan (RRP) entwickelt. Bei der Ausführung sind verschiedene Partner beteiligt: UNDP, WHO, Save the Children, HelpAge International, INTERSOS, Project Hope, UNFPA, NRC, UNICEF, WFP und IOM.

Der UNHCR unterstützt gleichzeitig die Behörden in den Aufnahmeländern. Dazu wurden zusätzliche Mitarbeiter*innen u.a. nach Moldawien, Polen und Rumänien entsendet.

Hilfsgüter in der Ukraine

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Gruppe von Flüchtlingen aus der Ukraine Ukraine_RF1203899.JPG