Flüchtlinge an der Grenze
© UNHCR/C.Melzer

Ukraine: Nothilfe für Flüchtlinge und Vertriebene

Ich möchte helfen

Teilen

Humanitäre Krise in der Ukraine

[Stand: 29.06.2022]

Seit Beginn der russischen Invasion wurde ein Drittel der Ukrainer*innen zur Flucht gezwungen. Damit ist dies heute die größte Vertreibungskrise der Welt. Über 8 Millionen Menschen haben aufgrund des Krieges die Grenzen zur Ukraine überschritten und Schätzungen zufolge benötigen 15,7 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe und Schutz.

Knapp 5,5 Millionen Menschen aus der Ukraine sind mittlerweile in Europäischen Staaten als Flüchtling registriert worden. Von den Grenzen werden vermehrt "Pendelbewegungen" gemeldet, da viele Menschen zurück in die Ukraine gehen, wenn ihre Heimatregionen als sicher gemeldet werden. So haben seit Ende Februar über 3 Millionen Menschen die Grenze Richtung Ukraine überquert. Da es innerhalb des Schengen-Raumes nur wenige Grenzkontrollen gibt, bleibt es schwierig, genaue Zahlen zu ermitteln.

Durch massive Verwüstungen in urbanen Zentren und die Zerstörung der zivilen Infrastruktur können in der Ukraine jedoch weiterhin viele eingeschlossene Menschen ihre Grundbedürfnisse nicht befriedigen - dazu gehört die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten. Die Lieferung von lebensrettenden Hilfsmitteln bleibt schwierig, da es in den umkämpften Gebieten keinen sicheren Zugang für humanitäre Hilfe gibt. Der UNHCR und seine Partner bemühen sich weiterhin, die am stärksten Betroffenen mit lebensrettender Hilfe zu erreichen.

Exodus in Zahlen

5,4
Millionen

ukrainische Flüchtlinge in Europa registriert - der Großteil von ihnen sind Frauen & Kinder.

7,1
Millionen

Menschen sind innerhalb der Ukraine auf der Flucht.

15,7
Millionen

Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe und Schutz.

Das UNHCR-Datenportal liefert regelmäßig die neusten Zahlen und Informationen
zur Situation der Flüchtlinge aus der Ukraine: https://data2.unhcr.org/en/situations/ukraine/ 

Unsere aktuellsten Nachrichten aus der Region

Das könnte Sie auch interessieren:

Die humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung werden verheerend sein.

Filippo Grandi, UN-Hochkommissar für Flüchtlinge
 

In den schlimmsten Momenten ist Ihre Hilfe lebenswichtig.

Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende!

Wenn Sie dieses Video abspielen, werden Informationen über Ihre Nutzung an Youtube übertragen und unter Umständen gespeichert. Weitere Infos finden Sie dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Sreenshot Video

Tödlicher Konflikt mitten in Europa

Der Konflikt begann bereits im Frühjahr 2014. Seitdem schwelt im Osten der Ukraine ein nicht endender Kampf, in dem bereits tausende Zivilisten getötet und verletzt wurden.

Für die Menschen in der Ostukraine gehörten seit Jahren die Angst vor Beschuss, gewaltsamen Zusammenstößen oder die Gefahr durch die vielen Landminen und Blindgänger zum Alltag. Die Versorgung der Bevölkerung, vor allem der älteren Menschen, Kranken und Behinderten, war extrem schwierig

Im Verlauf der letzten Jahre bemühten sich zwar die beteiligten Akteure und Dritte mehrfach um die Umsetzung eines Waffenstillstandes. So einigte man sich bereits Anfang 2015 mit der Annahme des Minsker Abkommens auf einen teilweisen Waffenstillstand entlang der rund 450 Kilometer langen "Kontaktlinie", die das Gebiet in unter und außerhalb der Kontrolle der ukrainischen Regierung unterteilt. Doch dieser hielt - ebenso wie alle seitdem ausgehandelten Feuerpausen - nicht. Seit Ende 2021 spitzte sich die Situation immer weiter zu.

Seit fast 30 Jahren in der Ukraine aktiv

Der UNHCR ist seit 1994 in der Ukraine tätig und hat Büros an sechs Standorten im ganzen Land sowie Lager in drei Gebieten, um humanitäre Hilfsgüter zu lagern.

Schon vor Beginn der jetzigen Militäraktion war der humanitäre Bedarf hoch. Rund 3 Millionen Menschen waren auf Hilfe angewiesen, darunter mehr als 850.000 Binnenvertriebene, sowie rund 5.000 Asylsuchende und Flüchtlinge, die in der Ukraine Zuflucht gesucht hatten, und etwa 36.000 Staatenlose und von Staatenlosigkeit bedrohte Menschen.

Dies ist unser dritter Tag unterwegs. Wir sind geflohen als die ersten Bomben fielen. Wir haben 12 Stunden aus Kiew raus gebraucht. Jetzt warten wir seit 36 Stunden hier.

Olga aus Kiew erreichte mit ihren beiden Kindern, einer Nachbarin und deren Tochter nach drei Tagen die Grenze zu Polen. Normalerweise braucht man für die Strecke 7 Stunden.

Mehr dazu finden Sie auch in unserem Blog:

"Wir hatten keine Wahl"

Humanitäre Hilfe inmitten einer Militäroffensive

Der UNHCR hat die Ukraine zu einem Notfall der Stufe Drei erklärt. Das ist die höchste Notfall-Stufe überhaupt, bei der umfassende Hilfsoperationen in Gang gesetzt werden.

Die UNHCR-Teams haben alle Notfallmaßnahmen aktiviert, um Flüchtlingen, Binnenvertriebenen und vom Konflikt betroffenen Menschen gleichermaßen zu helfen. Angesichts der enormen Bedürfnisse wird der UNHCR seine Hilfsmaßnahmen auf die Bereitstellung von Unterkünften, grundlegender Hilfsgüter und Bargeldhilfen konzentrieren und sich dafür einsetzen, dass alle Schutzbedürftigen ihre Rechte wahrnehmen können.

Soweit es die Sicherheitslage innerhalb der Ukraine zulässt, kümmern sich die UNHCR-Helfer*innen um die Verteilung von Nothilfepaketen mit Basishilfsgütern, wie Decken und Wasserkanistern. Dazu stehen sie in Kontakt mit lokalen Partnerorganisationen sowie Vertreter*innen von Binnenvertriebenengemeinschaften, um die Bedürfnisse zu erheben und sichere Orte für die Betroffenen zu finden. Des Weiteren verstärkt der UNHCR landesweite Hotlines, um wichtige Informationen für Vertriebene bereitzustellen. Zusätzliche lebensnotwendige Vorräte aus den weltweiten Lagerbeständen des UNHCR werden eingeflogen, um schnell auf neue Vertreibungen reagieren zu können. 

 

Jetzt spenden & helfen

Hilfe in den Nachbarländern

Bisher haben alle Nachbarländer ihre Grenzen für Flüchtlinge aus der Ukraine offen gehalten. Der UNHCR appelliert an die Regierungen nachdrücklich, allen Flüchtlingen weiterhin Zugang zum Territorium zu gewähren: Ukrainer*innen und in der Ukraine lebenden Drittstaatsangehörigen, die nun gleichermaßen gezwungen sind, vor der Gewalt zu fliehen. 

In den benachbarten Ländern unterstützt der UNHCR die jeweiligen Behörden und lokalen Hilfsorganisationen, um den Flüchtlingen, die über die Grenzen kommen, angemessen helfen zu können und den notwendigen Schutz der Menschen zu gewährleisten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den besonders verletzlichen Gruppen wie unbegleiteten Kindern, älteren und behinderten Menschen. Sie erhalten essenzielle Hilfen und Zugang zu aufnehmende Institutionen.

Der UNHCR hat seine Vertretungen in Ungarn, Polen, Rumänien, Belarus, Moldawien und in der Slowakei verstärkt. Zusätzliche Helferinnen und Helfer sind auf dem Weg, um die Arbeit der jeweiligen Länderbüros zu unterstützen.

Polen

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine  trafen über 4,3 Millionen Flüchtlinge in Polen ein, die meisten von ihnen Frauen und Kinder sowie ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen. 1,2 Millionen Ukrainer sind in Polen registriert. Viele sind in Nachbarländer weitergewandert oder vorübergehend oder längerfristig in die Ukraine zurückgekehrt. UNHCR-Mitarbeiter*innen arbeiten an den Grenzübergängen, um den Schutz jedes Geflüchteten sicherzustellen.

In Zusammenarbeit mit polnischen Hilfsorganisationen erhalten besonders gefährdete Flüchtlingsfamilien in Polen Bargeldhilfen. Gleichzeitig wurden 12 sogenannte Blue Dots aufgebaut, um die gefährdetsten Gruppen, wie allein reisende Kinder, zu versorgen. Die meisten Flüchtlinge erkundigen sich hier nach medizinischen Leistungen, Transportmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung bzw. Bargeldhilfe. Die bereitgestellten Informationsangebote des UNHCR werden auch online angeboten. Die Webseite des UNHCR in Polen wurde mehre Millionen Mal genutzt. Von Polen aus wurden außerdem bis Ende Juni 2022 beinah 200 LKW-Konvois mit Hilfsgütern in die Ukraine entsandt.

Moldawien

Mehr als 515.000 Menschen haben die Ländergrenze zwischen der Ukraine und Moldavien überquert. Bis Ende Juni wurden über 82.000 Geflüchtete registriert. Das kleine Land ist mit dem Zustrom von Menschen in Not überfordert. UNHCR-Mitarbeiter arbeiten an den Grenzübergängen, um die Weiterführung von Geflüchteten nach Rumänien und weitere EU-Staaten zu organisieren.

“Dies ist der erste Konvoi heute, der die Menschen von der Grenze zwischen Moldawien und der Ukraine nach Rumänien bringt”, erklärt der UNHCR-Mitarbeiter Batyr Sapbyiev, der den Transport begleitet. “Es ist sehr wichtig, weil es hilft die Situation an den Grenzen zu entspannen. Die Aufnahmekapazitäten von Moldawien sind überfordert. In Rumänien können die Menschen versorgt werden und sie können wählen, ob sie bleiben oder in andere Länder weiterreisen.”

Slowakei

An den Grenzübergängen der Slowakei überwachen UNHCR-Mitarbeiter den Schutz und die Versorgung neu ankommender Flüchtlinge aus der Ukraine. Bisher wurden über 548.000 Grenzübergänge gezählt und über 79.000 Flüchtlinge in der Slowakei registriert. Geflüchtet werden vom UNHCR unter anderem durch Bargeldhilfe unterstützt. Besonders schutzbedürftige Gruppen wie Frauen und Kinder werden in sogenannten Blue Dots betreut.

Ungarn

Über 860.000 Menschen sind seit Beginn des Krieges über die Grenzen nach Ungarn gekommen. Ingesamt wurden bis Ende Juni 2022 über 25.000 Flüchtlinge registriert.

UNHCR-Mitarbeiter vergewissern sich an den Grenzübergängen, dass die Flüchtlinge ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt und geschützt werden. In Záhony wurde ein Blue Dot eingerichtet, sodass die gefährdetsten Gruppen, wie allein reisende Kinder, versorgt werden können. Mehr als 1.400 Helfende wurden in humanitären Grundprinzipien sowie Themen wie geschlechterspezifischer Gewalt und Ausbeutung aufgeklärt.

Rumänien

Über 736.000 Geflüchtet aus der Ukraine kamen bis Juni 2022 über die Grenze nach Rumänien. Davon wurden mehr als 83.000 Flüchtlinge registriert. UNHCR-Mitarbeiter stellen den Schutz und die Versorgung sicher. Die Flüchtlinge werden von lokalen Hilfsorganisationen versorgt. In Rumänien wurden 11 Blue Dots eingerichtet und mehr als 6.600 Menschen konnte mit Bargeldhilfen bis Ende Juni geholfen werden. Mehr als 90 Prozent der Geflüchteten sind Frauen und Kinder.

Riesiger Hilfsbedarf für die Ukraine

Um den Millionen Menschen in der Ukraine und über 6,8 Millionen Flüchtlingen in den Nachbarländern die Notfallversorgung und Schutz, sowie Unterkünfte und Bargeldhilfen zur Verfügung stellen zu können, benötigt der UNHCR 2022 1,247 Milliarden US-Dollar.

Was umfasst die Ukraine-Soforthilfe?

Grundlegende Hilfsgüter wurden in den Ländern vorpositioniert und werden nun an die Neuankömmlinge verteilt. Dazu gehören Wärmedecken und andere dringend benötigte Gegenstände, da flüchtende Familien ihr gesamtes Hab und Gut zurückgelassen haben. Ein weiterer Bestandteil ist die Bargeldhilfe, damit insbesondere die am stärksten gefährdeten Personen ihre Grundbedürfnisse decken können.

Wie werden Flüchtlinge aus der Ukraine geschützt?

Der UNHCR unterstützt die Behörden bei der Registrierung von Neuankömmlingen. Das erleichtert die Identifizierung der am stärksten gefährdeten Personen und Personen mit besonderen Bedürfnissen wie unbegleitete Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und andere Personen, die von einer Vertreibung besonders bedroht sind. Gleichzeitig kann so der Hilfsbedarf festgestellt werden.

Wie werden Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht?

Der UNHCR wird bei Bedarf Notunterkünfte bereitstellen und mit den Behörden zusammenarbeiten, um vorübergehende Aufnahme- und/oder Transiteinrichtungen einzurichten, insbesondere bei den anfangs winterlichen Temperaturen.

 

Wie wird die Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine koordiniert?

Der UNHCR hat eine Koordinierungsrolle. Das heißt, dass der UNHCR gemäß seinem Mandat einen regionalen Refugee Response Plan (RRP) entwickelt. Bei der Ausführung sind verschiedene Partner beteiligt: UNDP, WHO, Save the Children, HelpAge International, INTERSOS, Project Hope, UNFPA, NRC, UNICEF, WFP und IOM.

Der UNHCR unterstützt gleichzeitig die Behörden. Dazu wurden bereits zusätzliche Mitarbeiter*innen nach Moldawien, Polen und Rumänien entsendet.

Hilfsgüter in der Ukraine

So können Sie helfen

Sie möchten Menschen auf der Flucht zur Seite stehen?
Dann unterstützen Sie unsere lebensrettende Hilfe noch heute mit Ihrer Online-Spende. Jeder Beitrag hilft!

  jetzt spenden
Gruppe von Flüchtlingen aus der Ukraine Ukraine_RF1203899.JPG